Blaue Flecken beim Kind einordnen: Wann Hämophilie dahintersteckt
- Gut behandelbar: Moderne Therapien mit Injektionen des fehlenden Gerinnungsfaktors ermöglichen Kindern mit Hämophilie ein nahezu normales Leben. (zu dpa: «Kind hat ständig blaue Flecken? Eltern-Wissen zu Hämophilie»)
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Hämophilie bei Kindern. Häufige blaue Flecken oder ungewöhnlich lange Blutungen können bei Babys und Kleinkindern auf eine Störung der Blutgerinnung hinweisen. Gerade wenn Kinder anfangen sich zu drehen, zu krabbeln oder laufen zu lernen, fallen solche Symptome oft erstmals im Alltag auf.
Manchmal reicht schon ein leichter Griff am Arm oder ein kleiner Stoß und ein deutlicher blauer Fleck entsteht. Für Eltern wirkt das schnell wie ein eigenes Versehen. «Besonders erstmalige Eltern machen sich Vorwürfe und denken: Um Himmels willen, haben wir unser Kind so fest angefasst?» beschreibt Carmen Escuriola-Ettingshausen vom Hämophilie-Zentrum Rhein-Main. Häufig steckt jedoch eine Erkrankung dahinter.
Hämophilie, auch Bluterkrankheit genannt, ist eine angeborene Störung der Blutgerinnung. Ursache ist ein genetischer Defekt. Dabei fehlt ein bestimmter Gerinnungsfaktor im Blut, wodurch Blutungen schwerer gestoppt werden können.
Erkrankung betrifft vor allem Jungen
Medizinisch wird zwischen Hämophilie A und Hämophilie B unterschieden. Bei Hämophilie A fehlt der Gerinnungsfaktor VIII. Bei Hämophilie B der Faktor IX. Beide Formen sind selten. Nach Angaben des Gesundheitsportals gesund.bund.de sind etwa 2 von 10.000 Männern betroffen. Die Krankheit zeigt sich meist schon früh im Leben. Auffällig wird sie häufig in der Phase, in der Kinder mobiler werden und sich häufiger stoßen.
Typische Warnzeichen von Hämophilie im Alltag
Mehrere Beobachtungen können auf eine Gerinnungsstörung hinweisen:
- ungewöhnlich viele oder sehr große blaue Flecken
- Wunden oder Kratzer, die lange bluten
- ein Nabel, der nach der Geburt nur langsam verheilt
Treten solche Auffälligkeiten auf, wird in der Regel eine Blutuntersuchung durchgeführt. Dabei prüfen Ärzte, ob ein Mangel an Gerinnungsfaktor VIII oder IX vorliegt.
Frühe Diagnose verhindert schwere Blutungen
Eine frühzeitige Diagnose gilt als wichtig. Bleibt die Erkrankung unentdeckt, können mit der Zeit auch innere Blutungen entstehen. Dazu zählen etwa Blutungen in Gelenken oder im Gehirn. Ist die Krankheit bekannt, lässt sie sich heute meist gut behandeln. Betroffene Kinder erhalten Injektionen mit dem fehlenden Gerinnungsfaktor. Dadurch kann die Blutgerinnung verbessert werden.
Nach Einschätzung von Expertin Escuriola-Ettingshausen ermöglicht die Therapie vielen Kindern einen weitgehend normalen Alltag. «Im Alltag ist es fast, als hätte das Kind keine Hämophilie A». Für Familien wird vor allem wichtig, frühe Warnzeichen einzuordnen und medizinisch abklären zu lassen. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |