Bis zu 50.000 Tiere in vier Wochen: Warum Tomaten in Gefahr sind

Tomaten werden tonnenweise angebaut. (Archivbild) | Foto: picture alliance / dpa
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Karlsruhe. Tomatenpflanzen können durch winzige Rostmilben massiv geschädigt werden. Forschende in Karlsruhe suchen deshalb nach neuen Wegen, den kaum sichtbaren Schädling im Anbau besser zu bekämpfen.

Die sogenannte Tomaten Rostmilbe ist mit rund 0,16 Millimetern extrem klein und mit bloßem Auge praktisch nicht zu erkennen. Fachleute am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg haben die Tiere in den vergangenen Jahren genauer untersucht. Ziel war es, neue Ansätze zu finden, um Tomatenbestände besser zu schützen.

Was Tomaten Rostmilben so gefährlich macht

Die Milben befallen vor allem Tomaten. Auch andere Nachtschattengewächse wie Kartoffeln und Auberginen können betroffen sein. Selbst Zierpflanzen wie Engelstrompeten stehen auf ihrem Speiseplan.

Problematisch ist vor allem die schnelle Vermehrung. Unter günstigen Bedingungen können sich aus etwa 100 Tieren innerhalb von vier Wochen bis zu 50000 entwickeln. In Gewächshäusern breiten sie sich besonders schnell aus. Heiße und trockene Bedingungen begünstigen den Befall.

Die Rostmilben sind nur bei starker Vergrößerung als kleine gelbliche Punkte zu erkennen. | Foto: Uli Deck/dpa
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Nach Angaben der Fachleute treten die Schädlinge in Deutschland seit 1999 regelmäßig in Tomatenbeständen in Baden Württemberg auf. Seit 2018 wurden sie auch im Freilandanbau nachgewiesen.

Woran ein Befall zu erkennen ist

Die Milben stechen zunächst Blattstiele und Stängel an und saugen Pflanzensaft. Erste sichtbare Anzeichen sind braune Verfärbungen.

Typische Hinweise sind

  • braune Flecken an Stängeln und Blattstielen
  • bronze oder rostfarbene Blätter
  • vertrocknende Blätter
  • braune und verhärtete unreife Früchte

Bei starkem Befall können ganze Pflanzen absterben. Leichter befallene Tomaten sind grundsätzlich noch essbar. In der Praxis werden Früchte mit sichtbaren Schäden jedoch meist nicht mehr verkauft.

Warum biologische Betriebe besonders betroffen sind

Konventionelle Pflanzenschutzmittel können gegen die Rostmilbe eingesetzt werden. Im ökologischen Anbau fehlen bislang wirksame Mittel. Raubmilben gelten als natürliche Gegenspieler. Viele der bisher verwendeten Arten brauchen jedoch eine feuchtere Umgebung und haben Schwierigkeiten, sich durch die feinen Härchen der Tomatenpflanzen zu bewegen.

Schwefel kann zwar ebenfalls gegen Milben wirken. Dabei werden jedoch auch nützliche Arten geschädigt.

Neue Ansätze aus der Forschung

Im Forschungsprojekt „Kretschab“ untersuchten Fachleute zwischen 2022 und 2025 zwei bislang wenig beachtete Raubmilbenarten. Diese kommen natürlicherweise in Deutschland vor, sind kleiner und kommen besser mit trockener Luft zurecht.

Versuche zeigen, dass sich diese Nützlinge mit speziellen Pollen im Gewächshausbestand ansiedeln lassen. Dadurch könnten sie Rostmilben frühzeitig fressen und deren Ausbreitung bremsen.

Auch physikalische Barrieren wurden getestet. Dazu zählen etwa Insektenleim oder ölhaltige Mittel an den Pflanzen. Da sich die Rostmilben meist von unten nach oben ausbreiten, können solche Barrieren ihren Weg blockieren.

Weitere Forschung geplant

Die beteiligten Institute prüfen nun, ob sich die Methoden im größeren Anbau praktisch umsetzen lassen. Außerdem wird untersucht, welche Rolle unterschiedliche Tomatensorten spielen. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass Pflanzen mit höherem Zuckergehalt möglicherweise stärker befallen werden.

An dem Projekt waren neben dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg unter anderem das Julius Kühn Institut, der Anbauverband Bioland, Demeter sowie weitere Forschungs- und Beratungsstellen beteiligt. dpa/red

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Tomaten werden tonnenweise angebaut. (Archivbild) | Foto: picture alliance / dpa
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Cornelia Bauer aus Speyer

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