Stunden im Schnee gefangen: Dieser Zugbegleiter wird zum Helden
- Der Zugbegleiter Ronald-Phillip Tolkiehn erhält den Preis Eisenbahner mit Herz.
- Foto: Lorenz Bee/Allianz pro Schiene/dpa
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Esslingen. Ein Zugbegleiter, der während eines Schneechaos stundenlang gestrandeten Reisenden hilft, wird für seinen Einsatz ausgezeichnet. Ronald Phillip Tolkiehn betreute Fahrgäste in einem Regionalzug bei Esslingen, der an einem Winterabend mehrere Stunden im Schnee feststeckte.
Dreieinhalb Stunden stand der voll besetzte Zug still. Viele Reisende wurden nervös und sorgten sich um ihre Weiterreise. Tolkiehn blieb ruhig und kümmerte sich um die Menschen im Zug. Er sprach mit Fahrgästen, organisierte Hilfe und telefonierte sogar mit dem Bewährungshelfer zweier Häftlinge auf Freigang, die wegen der Verspätung Angst vor Konsequenzen hatten.
Für dieses Engagement erhält der Mitarbeiter des Bahnunternehmens Arverio die goldene Auszeichnung „Eisenbahner mit Herz 2026“. Verliehen wird der Preis im historischen Kaiserbahnhof in Potsdam. Die Allianz pro Schiene ehrt damit jedes Jahr Bahnmitarbeiter aus ganz Deutschland, die sich im Alltag besonders für Reisende einsetzen.
Reisende stranden spät am Bahnhof
Als der Zug schließlich am Bahnhof ankam, war die Situation für viele noch nicht gelöst. Es war spät am Abend und wegen der Schneemassen fuhr kein Taxi mehr. Einige Fahrgäste stellten sich bereits darauf ein, die Nacht auf den Metallbänken des Bahnhofs zu verbringen.
Doch Tolkiehn half weiter. Ein älteres Ehepaar, das auf der Heimreise von Sylt war, nahm er kurzerhand in seinem privaten Auto mit. Vorsichtig fuhr er die beiden durch den Schnee nach Hause. „Es ist einfach meine Art. Wenn ich sehe, dass jemand Hilfe braucht, dann biete ich sie an“, erklärte der Zugbegleiter.
Preis auch als Zeichen gegen Gewalt
Nach Angaben der Allianz pro Schiene erleben viele Beschäftigte bei Bahnunternehmen im Arbeitsalltag verbale und körperliche Übergriffe. Die Auszeichnung soll deshalb auch ein Zeichen der Wertschätzung sein.
Die Preisverleihung steht in diesem Jahr zudem im Zeichen der Trauer. Am Samstag, 15. Februar, wurde ein Zugbegleiter bei einer Ticketkontrolle in Rheinland Pfalz schwer angegriffen. Der 36 Jahre alte Serkan Çalar starb zwei Tage später an seinen Verletzungen. Bei der Ehrung soll eine Gedenkminute an ihn erinnern.
Weitere Auszeichnungen für Bahnmitarbeiter
Neben Tolkiehn werden auch andere Beschäftigte geehrt, deren Einsatz von Reisenden gemeldet wurde.
- Silber geht an drei Bahnmitarbeiter aus Dresden, die sich um eine Reisende nach einem Krampfanfall kümmerten und sie im Lokführerstand beruhigten.
- Bronze erhält eine Mitarbeiterin des Mobilitätsservices am Bahnhof Landshut. Sie half einer 14 Jahre alten Rollstuhlfahrerin trotz fehlendem Aufzug beim Umsteigen.
- Einen Sonderpreis bekommt ein Servicemitarbeiter im Reisezentrum des Kölner Hauptbahnhofs, der bei Reisenden wegen seiner freundlichen Art besonders beliebt ist.
Die Geschichten hinter den Auszeichnungen stammen meist aus Rückmeldungen von Fahrgästen, die außergewöhnliche Hilfsbereitschaft im Bahnalltag erlebt haben. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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