Rekordsommer in Baden-Württemberg: Was die Hitze anrichtet
- In Baden-Württemberg wird der Sommer 2026 nach vorläufigen
Berechnungen des DWD als wärmster seit 1881 in die Klimastatistik eingehen.(Archiv) - Foto: Patrick Seeger/dpa
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Baden-Württemberg. Hitze, Trockenheit und niedrige Pegel belasten Gesundheit, Landwirtschaft und Natur in Baden-Württemberg auch zum Ende des Sommers. Der Deutsche Wetterdienst spricht in seiner vorläufigen Auswertung vom wärmsten Sommer im Südwesten seit Beginn der Aufzeichnungen. Der meteorologische Herbst beginnt am Dienstag, 1. September.
Der Begriff „Jahrhundertsommer“ ist damit keine Übertreibung, sondern eine Einordnung auf Basis außergewöhnlicher Messwerte. Besonders deutlich wird das an den Temperaturen, der Zahl der heißen Tage und den Folgen für Menschen, Tiere, Landwirtschaft, Wald und Gewässer.
Was der DWD gemessen hat
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes legten bereits der zweitwärmste Juni und der drittwärmste Juli seit Messbeginn die Grundlage für die extreme Sommerbilanz. Die ersten Augustwochen trieben die Werte weiter nach oben. Im Schnitt erreichte der Sommer in Baden-Württemberg 21,1 Grad. Das waren 4,9 Grad mehr als im langjährigen Referenzzeitraum.
Über die gesamte Landesfläche gerechnet wurden erstmals rund 35 heiße Tage mit mindestens 30 Grad ermittelt. Am Hoch- und Oberrhein waren es an einzelnen Stationen sogar mehr als 50. An zehn Tagen stiegen die Temperaturen auf mehr als 35 Grad. In Rheinfelden war das an 24 Tagen der Fall.
Einen neuen Landesrekord meldete der DWD für Waghäusel-Kirrlach nördlich von Karlsruhe. Dort wurden am 27. Juni nach vorläufigen Angaben 41,4 Grad gemessen. Zugleich war der Sommer laut DWD einer der fünf trockensten seit Messbeginn. Mit rund 866 Sonnenstunden wurde außerdem der zweithöchste Sommerwert seit Beginn dieser Auswertung erreicht.
Gesundheit: Mehr als 3.600 Hitzetote geschätzt
Die Hitze hatte nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts besonders schwere gesundheitliche Folgen. In Baden-Württemberg starben bis Mitte August geschätzt mehr als 3.600 Menschen an den Folgen extremer Hitze. Das war mehr als in jedem anderen Bundesland.
Das RKI geht davon aus, dass sich die Zahl der Hitzetoten allein in den ersten zwei Augustwochen verdoppelt hat. Besonders betroffen waren Menschen ab 85 Jahren. Zudem starben mehr Frauen als Männer an den Folgen der Hitze.
Die Fachleute des RKI bewerten die Zahlen als konservative Schätzung. Die tatsächliche Zahl könnte höher liegen, weil hitzebedingte Todesfälle nicht immer entsprechend erfasst werden. Auf Totenscheinen steht häufig Organversagen, obwohl große Hitze ein entscheidender Auslöser gewesen sein kann. Typischerweise wird ab einer Wochenmitteltemperatur von 20 Grad ein Anstieg der Sterblichkeit sichtbar.
Landwirtschaft: Futterreserven werden knapp
Auf Feldern, Weiden und in Futterlagern sind die Folgen der Dürre deutlich zu sehen. Viele Flächen sind braun und karg, im Boden zeigen sich Trockenrisse. Kartoffeln blieben kleiner, die Maisernte fiel deutlich schwächer aus.
„Die Dürre trifft unsere Landwirtschaft mit voller Wucht“, sagte Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbands Baden-Württemberg. Auf vielen Betrieben fehle seit Monaten Wasser.
Besonders angespannt ist die Futterlage. Nach Angaben des Landesbauernverbands fehlen landesweit mindestens 30 bis 40 Prozent des Futters. In manchen Gegenden ist es sogar die Hälfte. Vor allem Weizen, Raps und Sommergerste litten unter den Bedingungen. Viele Betriebe verfüttern bereits Wintervorräte, einige brachten Tiere vorzeitig zum Schlachthof.
Wald und Bäume stehen weiter unter Stress
Auch im Wald zeigen sich die Schäden der Trockenheit. „Den Wald hat's schwer getroffen“, sagte Waldbaureferent Alexander Abt von ForstBW. Selbst Baumarten, die als vergleichsweise klimastabil gelten, tragen sichtbare Spuren des Sommers.
Viele Bäume werfen Blätter ab oder bilden keine Früchte, um weiteren Flüssigkeitsverlust zu vermeiden. Äste sterben ab und können aus den Kronen brechen. Besonders betroffen sind alte Bäume, die in einem kühleren und regenreicheren Klima aufgewachsen sind. „Die Tanne leidet lange unerkannt“, warnte Abt. Keine Baumart sei ohne Schäden geblieben. Buche, Kirsche und Birke hätten besonders gelitten. Douglasie, Spitzahorn und Linde kamen vergleichsweise besser durch den Sommer.
Niedrige Pegel: Entspannung braucht anhaltenden Regen
Die Trockenheit drückt auch die Wasserstände von Flüssen und Seen. Am Bodensee werden derzeit für die jeweiligen Kalendertage immer neue Tiefststände gemessen. Auffällig ist das auch deshalb, weil im August normalerweise noch ausreichend Wasser aus den Alpen nachfließen sollte. Der niedrigste Wasserstand des Jahres wird am Bodensee meist erst im Februar oder März erreicht.
Nach Angaben des Niedrigwasser-Informations-Zentrums meldet aktuell mehr als jeder zweite Messpegel im Land extrem niedrige Wasserstände. Ein weiteres Drittel meldet sehr niedrige Wasserstände. Oberrhein, Neckar und besonders die Donau führen deutlich weniger Wasser als üblich. Eine wesentliche Entspannung ist laut NIZ erst bei ausreichendem und anhaltendem Niederschlag zu erwarten. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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