Protestwoche in Baden-Württemberg: Hausärzte sperren Stühle

In einigen Praxen in Baden-Württemberg ist jeder zweite Stuhl gesperrt. | Foto: Katharina Kausche/dpa
  • In einigen Praxen in Baden-Württemberg ist jeder zweite Stuhl gesperrt.
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Stuttgart. In vielen Hausarztpraxen bleiben in dieser Woche bewusst Stühle im Wartezimmer frei. Mit der ungewöhnlichen Aktion protestieren Hausärztinnen und Hausärzte in Baden Württemberg gegen geplante Sparmaßnahmen der Bundesregierung.

Der Hausärztinnen und Hausärzteverband ruft seine Mitglieder dazu auf, jeden zweiten Sitzplatz im Wartezimmer zu sperren. Die freien Plätze sollen Patientinnen und Patienten auf die Protestwoche aufmerksam machen. Nach Angaben des Verbandes beteiligen sich Praxen im ganzen Land. Die Aktion ist Teil einer bundesweiten Kampagne.

Nach Ansicht des Verbandes gefährden die geplanten Einsparungen die hausärztliche Versorgung. Besonders kritisiert wird eine Regelung im Gesetzentwurf zur sogenannten Fixkostendegression in der Hausarztzentrierten Versorgung. Praxen, die zusätzliche Patientinnen und Patienten in dieses Versorgungsmodell aufnehmen, sollen künftig finanzielle Abschläge erhalten.

Der Verband sieht darin ein falsches Signal. Wer mehr Menschen koordiniert versorge, werde finanziell benachteiligt. Im Südwesten gehören dem Verband rund 4600 Hausärztinnen und Hausärzte an.

Der Stuttgarter Hausarzt Thomas Heyer beschreibt die Praxis für viele Menschen als „zweites Wohnzimmer“. Die gesperrten Stühle sollen deshalb bewusst auffallen. Viele Patientinnen und Patienten wüssten bisher wenig über die geplanten Änderungen im Gesundheitswesen. Die Aktion solle deshalb auch informieren.

Mitmachaktion für Patientinnen und Patienten

Parallel plant der Verband eine bundesweite E Mail Aktion. Patientinnen und Patienten können sich dabei direkt an ihre Bundestagsabgeordneten wenden. Rund 50000 Hausarztpraxen in Deutschland sollen dafür Plakate und Informationsmaterial erhalten.

In einem vorbereiteten Mustertext heißt es, viele Praxen arbeiteten bereits am Limit. Weitere Kürzungen könnten die Situation verschärfen.

Sparpaket soll Milliarden einsparen

Hintergrund ist ein geplantes Sparpaket der Bundesregierung für die gesetzlichen Krankenkassen. Ziel ist es, ein erwartetes Defizit auszugleichen und steigende Zusatzbeiträge zu verhindern.

Nach bisherigen Plänen sollen bis zum Jahr 2027 rund 16,3 Milliarden Euro eingespart werden. Vorgesehen sind unter anderem

  • Ausgabenbremsen für Praxen, Kliniken und Pharmaunternehmen
  • höhere Zuzahlungen bei Medikamenten
  • Einschränkungen bei der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern

Auch die Landesärztekammer Baden Württemberg äußert Kritik. Kammerpräsident Wolfgang Miller warnte, das Gesetz nehme Leistungsträger im Gesundheitswesen einseitig in die Verantwortung und könne die Versorgung destabilisieren.

Neben der Protestwoche der Hausärzte ruft der Medi Verband für Mittwoch zu bundesweiten ganztägigen Praxisschließungen auf. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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