Neustart in Sigmaringen: Bundeswehr baut Heimatschutz aus
- Die Bundeswehrkaserne in Sigmaringen wird reaktiviert. (Archivbild)
- Foto: Thomas Warnack/dpa
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Sigmaringen. Für die Region bedeutet die Rückkehr der Bundeswehr neue Ausbildung und mehr militärische Präsenz am früheren Kasernenstandort in Sigmaringen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll die Stadt zu einem Zentrum der Heimatschutz-Einheiten in Baden-Württemberg werden und Sitz des neuen Heimatschutzbataillons 112 sein. Der Aufstellungsappell ist für Mittwoch, 1. Oktober, geplant.
Künftig sollen die Heimatschutzkompanien „Linzgau“ aus Pfullendorf und „Schwäbische Alb“ aus Stetten am kalten Markt in Sigmaringen üben und Dienst tun. Dafür spricht nach dpa-Informationen die vorhandene Infrastruktur mit funktionsfähigem Schießstand und Truppenübungsplatz.
Nach einem Bericht des „Südkurier“ sollen in der Endstufe rund 1.000 Soldaten in Sigmaringen stationiert werden. Hintergrund ist demnach auch die hohe Auslastung der Standorte in Stetten am kalten Markt und Pfullendorf. Der Standortälteste der Albkaserne in Stetten am kalten Markt widerspricht dieser Darstellung jedoch. Oberst Andreas Heselschwerdt sagte der „Schwäbischen Zeitung“, Sigmaringen werde komplett neu aufgestellt. Oberstes Ziel sei dort die Ausbildung von Rekruten.
Ausbildung soll im kommenden Sommer starten
Laut Heselschwerdt soll die Ausbildung in Sigmaringen im Juli kommenden Jahres mit 300 Rekruten beginnen. Nach dpa-Informationen will die Bundeswehr schon in den nächsten Wochen die nötige Infrastruktur in Containerbauweise schaffen. Geplant sind Unterkünfte für Soldaten und Räume für die Verwaltung.
Auf dem Gelände der früheren Graf-Stauffenberg-Kaserne befindet sich bisher noch eine Landeserstaufnahmestelle mit mehreren Hundert Menschen. Nach Angaben des Justizministeriums laufen Gespräche mit der Bundeswehr und dem Regierungspräsidium Tübingen über die Zukunft des Areals. Geprüft wird, ob eine „Nebenexistenz“ der LEA auf einer Fläche von vier Prozent möglich ist.
Standort gilt als besonders geeignet
Bürgermeister Marcus Ehm erklärte, Erkundungen hätten bestätigt, dass sich die Liegenschaft für eine künftige Nutzung durch die Bundeswehr in besonderem Maße eigne. Aus Sicht der Bundeswehr bestehe Bedarf, das Gelände möglichst rasch für die Umsetzung des neuen Wehrdienstes zu reaktivieren. Vor der Schließung der Kaserne gab es in Sigmaringen zwischen 2.500 und 3.000 Dienstposten.
Bereits im Herbst 2025 hatte das Verteidigungsministerium die Umwandlung ehemaliger Militärstandorte gestoppt. Begründet wurde das mit dem höheren Bedarf durch die geplante Vergrößerung der Bundeswehr. Im Südwesten waren damals 26 Standorte betroffen. Inzwischen sind es noch 22.
Neuer Wehrdienst ist seit Januar in Kraft
Seit 1. Januar gilt das Gesetz für den neuen Wehrdienst auf freiwilliger Basis. Alle volljährigen Männer und Frauen erhalten Fragebögen, mit denen Eignung und Motivation für den Dienst in der Bundeswehr erfasst werden. Junge Männer müssen den Bogen ausfüllen, für junge Frauen ist dies freiwillig.
Deutschland reagiert damit auf die Bedrohung durch Russland und auf geänderte Nato-Ziele. Die aktive Truppe soll auf 260.000 Männer und Frauen wachsen. Ende des ersten Quartals lag die Zahl bei rund 185.000. Zusätzlich sind 200.000 Männer und Frauen in der Reserve vorgesehen. Werden diese Zielkorridore verfehlt, kann der Bundestag über eine Wehrpflicht entscheiden. dpa/red
Autor:Anouar Touir aus Ludwigshafen |