Neue Spur im Wehratal: Polizei prüft Fall Scarlett
- Ein Suchplakat hängt weiter an dem Supermarkt in Todtmoos, bei dem Scarlett zum letzten Mal gesehen wurde.
- Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
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Wehratal. Für Menschen im Wehratal könnte der Vermisstenfall Scarlett Salice wieder sichtbar werden: Nach Hinweisen privater Suchhunde prüft die Polizei, ob im schwer zugänglichen Bereich am Wildensteinfelsen erneut gesucht wird.
Seit sechs Jahren fehlt von der damals 26-Jährigen aus Bad Lippspringe jede Spur. Sie war zur letzten Etappe einer Wanderung im Südschwarzwald zwischen Todtmoos und Wehr aufgebrochen und kam nie an. Große Suchaktionen mit Polizei, Bergwacht, Feuerwehr, Hubschraubern, Drohnen und Hundestaffeln blieben ohne Ergebnis.
Suchhunde schlagen am Wildensteinfelsen an
Am Wochenende suchte der private Verein „Finderwille“ mit rund einem Dutzend Spürhunden auf der letzten Etappe des Steigs. Die Tiere nahmen die Witterung nach Angaben des Vereins anhand von drei Paar Schuhen auf, die Scarletts Vater Ralf Salice aufbewahrt hatte.
Im Bereich des Wildensteinfelsens schlugen mehrere Hunde nach Darstellung von Vereinsgründer Rüdiger Orth unabhängig voneinander an. Die Stelle liegt abseits des Steigs im Wehratal und gilt als schwer zugänglich. Orth sagte: „Hunde lügen nicht.“ Die Tiere hätten vor und hinter dem Felsen reagiert. Danach habe sich ihr Verhalten deutlich verändert.
Theorie: Absturz bei Abstecher zu Gipfelkreuzen
Orth hält es für möglich, dass Scarlett Salice damals einen Abstecher zu den Gipfelkreuzen auf dem Felsen machte. Der Ort sei ein beliebter Fotopunkt gewesen und Scarlett habe sich gern an Felsvorsprüngen fotografiert. Auf dem Weg oder am Gipfel könnte sie nach dieser Theorie abgestürzt sein.
Nach Angaben Orths gab es vor vier Jahren einen Felssturz am Wildenstein. Der Weg zu den Gipfelkreuzen sei inzwischen nur noch mit Kletterausrüstung passierbar. Zufallsfunde seien deshalb seit Jahren kaum möglich gewesen. Auch Ralf Salice sagte, am Felsen gebe es zumindest theoretisch die Möglichkeit eines Absturzes, wenn jemand an den Rand komme.
Letzter Kontakt am 10. September
Zuletzt wurde Scarlett Salice am 10. September auf Überwachungsaufnahmen eines Supermarkts in Todtmoos gesehen. Bis 10.48 Uhr gab es noch Kontakt über WhatsApp und Videotelefonie. Danach war sie nicht mehr erreichbar.
An der neuen Suche beteiligten sich Mitglieder von „Finderwille“, Unterstützer der Facebook-Gruppe „Bitte findet Scarlett“ und Scarletts Vater. Ein früherer Aufruf in der Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ brachte ebenfalls keine heiße Spur.
Polizei prüft Hinweise, bleibt aber vorsichtig
Das Todesermittlungsverfahren wurde zweieinhalb Jahre nach dem Verschwinden eingestellt. Nach Angaben der Polizei gibt es keine Hinweise auf eine Straftat. Der Vermisstenfall bleibt aber offen. Beim Polizeipräsidium Freiburg gehen nach eigenen Angaben monatlich im Schnitt drei bis vier Hinweise ein. Insgesamt sind es inzwischen mehr als 640.
Die Polizei will die Informationen des Vereins bewerten und prüfen, ob erneut gesucht wird. Polizeisprecher Christoph Efinger äußerte sich jedoch skeptisch. Seit dem Verschwinden sei sehr viel Zeit vergangen. Speziell ausgebildete Diensthunde könnten nach so langer Zeit keinen Verwesungsgeruch mehr wahrnehmen. Deshalb stelle sich die Frage, ob andere Hunde das könnten.
Auch die Bergwacht ist derzeit nicht beteiligt. Geschäftsführer Philipp Menny sagte, es gebe zum aktuellen Zeitpunkt keinen offiziellen Auftrag.
Private Helfer wollen weitersuchen
Der Verein und weitere Helfer wollen nach eigenen Angaben dennoch versuchen, den Felsen abzusuchen, sobald ein sicherer Aufstieg möglich ist. „Wir versuchen, einen Weg hinauf zu finden – ohne die Hunde“, sagte Orth.
Ralf Salice sprach von Hoffnung und Bangen. Wenn erneut nichts gefunden werde, bleibe für ihn dennoch der Versuch wichtig: „Dann ist eine falsche Hoffnung besser als gar keine.“ dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |