Mehr Missbrauchsfälle in Baden-Württemberg: LKA sieht Anstieg
- Die Fallzahlen wachsen laut Kriminalitatistik.
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Stuttgart. Für Familien und Kinder im Südwesten bleibt das Risiko sexualisierter Gewalt hoch: In Baden-Württemberg hat die Polizei im vergangenen Jahr erneut mehr Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen registriert.
Nach Angaben des Landeskriminalamts stieg die Zahl der erfassten Missbrauchsfälle bei Kindern von 1.719 auf 1.775 Delikte. Damit setzt sich ein Trend fort, der seit 2020 anhält. Im Vergleich zu 2016 mit damals 1.174 Fällen entspricht das einem Anstieg von rund 51 Prozent.
Auch bei Jugendlichen wurden mehr Taten erfasst. Die Zahl stieg im Jahresvergleich um rund 17 Prozent auf 88 Delikte. Das Landeskriminalamt rechnet damit, dass die Fallzahlen auch im laufenden Jahr weiter zunehmen.
Weniger Fälle bei kinderpornografischen Inhalten
Bei der Herstellung, Verbreitung und dem Erwerb kinderpornografischer Darstellungen zeigt die Kriminalstatistik dagegen einen Rückgang. Die Zahl der registrierten Fälle sank um 15,6 Prozent auf 4.186. Auch für das laufende Jahr erwarten die Ermittler hier einen weiteren Rückgang.
Deutlich gestiegen ist zugleich die Zahl der Fälle sexueller Ausbeutung von Minderjährigen. Beim schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in Verbindung mit der Herstellung und Verbreitung pornografischer Inhalte registrierte das Landeskriminalamt 47 Delikte. Im Vorjahr waren es in diesem Bereich acht Fälle.
Fälle aus Heidelberg und dem Rems-Murr-Kreis
Wie präsent das Thema im Südwesten ist, zeigen auch aktuelle Verfahren. Erst vor wenigen Tagen wurde ein 33 Jahre alter Mann aus der Nähe von Heidelberg zu fast vier Jahren Haft verurteilt. Nach Überzeugung des Landgerichts Heidelberg soll er über das Internet mehr als 20 Mädchen sexuell missbraucht haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Anfang Juli wurde zudem ein 53 Jahre alter Tagesvater aus dem Rems-Murr-Kreis in Stuttgart zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Laut Staatsanwaltschaft soll er ihm anvertraute Kinder über Jahre schwer sexuell missbraucht sowie Bilder und Videos von Kindesmissbrauch erstellt, besessen und verbreitet haben. Auch dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
BKA warnt vor digitalen Tatmustern
Das Bundeskriminalamt hatte zuletzt bundesweit vor weiterhin hohen Fallzahlen gewarnt. Nach Einschätzung der Behörde gewinnen digitale Tatformen und künstliche Intelligenz zunehmend an Bedeutung. Mehr Delikte würden online und ohne körperlichen Kontakt begangen.
Genannt werden unter anderem Cybergrooming, also das gezielte Anbahnen sexueller Kontakte über das Internet, Livestreaming und Sextortion, also sexuelle Erpressung mit intimen Bildern oder Videos. Nach Einschätzung des BKA kann künstliche Intelligenz reale Inhalte leichter manipulieren oder vollständig künstliche Darstellungen erzeugen.
Debatte über Kontrollen in privaten Chats
Im Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch sollen Messengerdienste in der EU wieder befristet private Chats nach Hinweisen durchsuchen dürfen. Möglich wird das durch eine Ausnahme von europäischen Datenschutzregeln. Die Kontrollen bleiben freiwillig. Datenschützer kritisieren das als anlasslose Massenkontrolle und bezweifeln den Nutzen für den Kinderschutz. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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