Haftstreit in Karlsruhe: Verdächtiger nach Bahnsturz frei
- In diesem Regionalzug kam es zu dem Vorfall. (Archivbild)
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Karlsruhe. Für Bahnreisende hat der Fall vor allem juristische Folgen: Nach dem Sturz eines Sicherheitsmitarbeiters aus einem fahrenden Regionalzug bleibt ein verdächtiger Fahrgast vorerst auf freiem Fuß. Über die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Ablehnung eines Haftbefehls soll nun das Landgericht Karlsruhe entscheiden.
Das Amtsgericht Karlsruhe hat seine frühere Entscheidung bestätigt. Nach seiner Einschätzung fehlt weiter ein wichtiger Grund für Untersuchungshaft: Fluchtgefahr. Der 36 Jahre alte Beschuldigte ist deutscher Staatsangehöriger und hat laut Gericht feste soziale Bindungen im Inland, darunter Wohnsitz, Familie und Arbeitsplatz.
Ob bereits ein dringender Tatverdacht besteht, ließ das Gericht offen. Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen kämen als vorwerfbare Handlung bis zu drei Schläge in Richtung des 26 Jahre alten Sicherheitsmitarbeiters in Betracht.
Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hatte nach der Entscheidung vom Samstag Beschwerde eingelegt. Sie bewertet die Lage anders und ermittelt in dem Fall weiter.
Worum es bei dem Vorfall geht
Der Vorfall ereignete sich am 17. Juli in einem Regionalzug auf der Fahrt nach Karlsruhe. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll der Fahrgast mit dem Sicherheitsmann in einen handgreiflichen Streit geraten sein. Der 26-Jährige stürzte während des Gerangels aus dem Zug, als sich die Tür öffnete. Der Bahnmitarbeiter wurde schwer verletzt.
Der Anwalt des Beschuldigten weist die Vorwürfe zurück. Sein Mandant habe nichts getan und sei stattdessen von dem Sicherheitsmitarbeiter angegriffen worden.
Was das Video laut Gericht zeigt
Das Amtsgericht stützt seine Einschätzung auch auf Aufnahmen einer Überwachungskamera der Bahn. Demnach ist der Beschuldigte in aufgebrachter Stimmung zu sehen, er schreit und gestikuliert in Richtung zweier Sicherheitsmitarbeiter. Auffällig sei zudem ein unsicherer, schwankender Gang, möglicherweise wegen Alkohols.
Nach Angaben des Gerichts schilderten Zeugen Beleidigungen durch den Beschuldigten. Eine andere Zeugin habe jedoch auch provozierendes Verhalten der Sicherheitsmitarbeiter beschrieben.
Unmittelbar vor der Auseinandersetzung hebt der Mann laut Gericht die Hand und schlägt womöglich gegen eine Haltestange. Möglich sei aber auch ein alkoholbedingtes Stolpern. Danach geht er auf den Geschädigten zu, hält seine Hände nach Gerichtsangaben aber am Körper.
Gericht sieht bisher kein gezieltes Treten
Der Sicherheitsmitarbeiter packt den 36-Jährigen laut Mitteilung mit den Händen und schlägt ihn mit Wucht gegen die Zugtür. Später bringt er ihn demnach kraftvoll zu Boden und sitzt auf ihm. Der Beschuldigte habe daraufhin allenfalls bis zu dreimal mit der rechten Hand in Richtung des Sicherheitsmannes geschlagen.
Als ein Ticketkontrolleur den Sicherheitsmann zurückzieht, richtet dieser sich laut Gericht auf und beginnt, am rechten Bein des Beschuldigten zu ziehen. Danach habe sich der Mann offenbar durch Strampeln mit den Beinen befreien wollen. Ein gezieltes Treten gegen den 26-Jährigen sei auf dem Video nicht festzustellen.
In dieser Situation verliert der Sicherheitsmitarbeiter nach Darstellung des Amtsgerichts das Gleichgewicht, fällt rückwärts gegen die plötzlich aufgehende Zugtür und stürzt aus dem fahrenden Zug. Für den Beschuldigten sei das nach bisherigem Stand wohl nicht vorhersehbar gewesen. dpa/red
Autor:Eva Bender aus Neustadt/Weinstraße |