Großeinsatz nach Fund in Vaihingen: Flasche mit „Polonium 210“
- Der Fund eines Fläschchens mit der Aufschrift «Polonium 210» in Vaihingen an der Enz hat einen Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei ausgelöst.
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Vaihingen an der Enz. Ein verdächtiges Fläschchen mit der Aufschrift „Polonium 210“ hat in Vaihingen an der Enz nordwestlich von Stuttgart einen Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei ausgelöst. Das Umweltministerium Baden Württemberg hat den Behälter inzwischen abgeholt und übernimmt die Untersuchung des Inhalts.
Zwei Männer hatten das weiße Kunststofffläschchen mit rotem Deckel am Sonntag, 5. April, bei einer Ostereiersuche in einem Garten am Ortsrand entdeckt. Nach dem Fund verständigten sie den Notruf. Verletzt wurde niemand.
Feuerwehr hält Beschriftung für plausibel
Nach Angaben von Kreisbrandmeister Andy Dorroch wirkte das Gefäß auf die Einsatzkräfte authentisch. „Das Behältnis passt zum Stoff“, sagte er. Auch die sauber gedruckte Beschriftung spreche dafür, dass es sich nicht um eine zufällige Markierung handelt. Zudem sei das Fläschchen mit rund 200 Gramm vergleichsweise schwer. Das passe grundsätzlich zu Polonium 210, das als relativ schweres Element gilt. Trotz der Aufschrift ergaben erste Messungen rund um den Fundort keine Hinweise auf Radioaktivität. Die Feuerwehr registrierte im Umfeld keine auffälligen Strahlenwerte.
Großeinsatz mit Spezialkräften
Der Fund führte dennoch zu umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen. Insgesamt waren 138 Einsatzkräfte mit 41 Fahrzeugen vor Ort. Darunter befanden sich unter anderem:
- ein Strahlenschutzzug
- ein Gefahrgutzug
- eine Fachberaterin für Strahlenschutz aus dem Umfeld eines Kernkraftwerks
Der Bereich um den Garten wurde vorübergehend weiträumig abgesperrt. Nach dem Abtransport des Behälters konnte die Absperrung wieder aufgehoben werden. Die Ermittlungen übernahm das Polizeipräsidium Ludwigsburg.
Untersuchung durch Umweltministerium
Das Umweltministerium Baden Württemberg brachte das Fläschchen zur weiteren Analyse an einen sicheren Ort. Dort soll das Gefäß geöffnet werden. Anschließend könnten Dekontamination und fachgerechte Entsorgung folgen. Welche Substanz sich tatsächlich in dem Behälter befindet, war zunächst unklar. Die Stadt teilte am Abend mit, dass nach aktuellem Stand keine Gefahr für Anwohner besteht.
Polonium gilt als hochgiftiger Stoff
Polonium ist ein chemisches Element mit sehr hoher Radiotoxizität. Laut Bundesamt für Strahlenschutz wird der Stoff vor allem gefährlich, wenn Partikel eingeatmet oder über offene Wunden aufgenommen werden. International bekannt wurde Polonium 210 unter anderem durch den Mordfall des früheren russischen Geheimdienstoffiziers und Putin Kritikers Alexander Litwinenko. Er starb im Jahr 2006 in London nach einem Anschlag mit dem radioaktiven Stoff. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |