Großbrand in Reutlingen: 30.000 Menschen ohne Strom
- Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
- Foto: Christoph Schmidt/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Reutlingen. Tausende Haushalte ohne Strom: Nach einem nächtlichen Brand in einem Umspannwerk sind in Reutlingen und Umgebung rund 30.000 Menschen zeitweise von der Energieversorgung abgeschnitten worden.
Das Feuer brach in der Nacht aus. Selbst der Geschäftsführer der Stadtwerke Reutlingen wurde Augenzeuge. Jens Balcerek wachte gegen 1.40 Uhr auf und bemerkte den Stromausfall. Von seinem Balkon aus filmte er aus rund vier Kilometern Entfernung, wie das Umspannwerk brannte.
Der Brand hat schwere Folgen für die Stadt. Nach Angaben der Behörden waren zunächst ganze Stadtteile und umliegende Gemeinden ohne Strom. Auch ein Krankenhaus war betroffen. Am Montagmorgen konnten Teile der Kernstadt wieder versorgt werden.
Verdacht auf Brandstiftung wird geprüft
Der Netzbetreiber Netze BW meldete mehrere Auffälligkeiten am Gelände. Demnach wurden drei Brandstellen entdeckt. Zudem seien ein Zaun und Bereiche vor der Anlage beschädigt.
Ein Anschlag ist bislang nicht bestätigt. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Auch das Landeskriminalamt Baden Württemberg ist eingebunden.
„Wir prüfen sowohl einen technischen Defekt als auch fahrlässige oder vorsätzliche Brandlegung“, sagte Polizeisprecherin Tina Rempfer. Hauptaufgabe der Spezialisten vor Ort sei derzeit die genaue Ursachenklärung.
In sozialen Netzwerken verbreitete Videos zeigen helle Lichtblitze und Explosionsgeräusche aus der Nacht.
Großeinsatz der Feuerwehr
Knapp 200 Feuerwehrleute waren in der Nacht im Einsatz. Gegen 4.45 Uhr rief die Einsatzleitung eine außergewöhnliche Lage aus. Das Feuer konnte gegen 5 Uhr gelöscht werden. Am Vormittag arbeiteten weiterhin rund 100 Einsatzkräfte an den Folgen.
Viele Haushalte weiter ohne Strom
Nach Angaben von Oberbürgermeister Thomas Keck sind weiterhin tausende Haushalte betroffen. Besonders stark trifft es mehrere Stadtteile und ein Industriegebiet.
- Stadtbezirk Betzingen mit mehr als 11.000 Einwohnern
- Stadtbezirk Ohmenhausen mit etwa 5.000 Einwohnern
- mehrere umliegende Gemeinden
Noch rund 7.600 Haushalte haben derzeit keinen Strom. Insgesamt waren zeitweise etwa 30.000 Menschen betroffen.
Die Stadt bereitet deshalb zusätzliche Hilfen vor. Für die Nacht soll ein Notfalltreffpunkt eingerichtet werden. Dort können Bürger etwa Handys laden oder Babynahrung erwärmen. Auch für einige Kitas ist eine Notbetreuung geplant.
Hilfsorganisationen bereiten sich auf längeren Einsatz vor
Das Deutsche Rote Kreuz und der Malteser Hilfsdienst unterstützen die Einsatzkräfte. Ein Stab im Zentrum für Bevölkerungsschutz in Pfullingen koordiniert Hilfe für mögliche Betroffene. Auch ein leitender Notarzt ist eingebunden.
Die Hilfsorganisationen stellen sich darauf ein, über längere Zeit Menschen zu betreuen und medizinische Versorgung sicherzustellen.
Das betroffene Umspannwerk wird gemeinsam von Netze BW und der Fairnetz GmbH betrieben. Der Netzbetreiber arbeitet derzeit daran, die Stromversorgung schrittweise wieder aufzubauen. Wann alle Haushalte wieder vollständig versorgt sind, ist noch unklar. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |