Politik-Eklat am Hockenheimring: Künstler setzen Zeichen

Den Streit um politische Äußerungen haben viele Musiker auf der Bühne kommentiert. | Foto: Uwe Anspach/dpa
  • Den Streit um politische Äußerungen haben viele Musiker auf der Bühne kommentiert.
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Hockenheim. Besucher des ausverkauften Glücksgefühle-Festivals am Hockenheimring müssen weiter mit politischen Botschaften auf der Bühne rechnen: Nach der Ausladung von Alphaville haben mehrere Künstler den Klassiker „Forever Young“ in ihre Sets genommen und klare Zeichen gesetzt.

Auslöser der Kontroverse war die Bitte der Veranstalter, bei Auftritten nicht über Politik zu sprechen. Alphaville wurde zunächst ausgeladen, nach zahlreichen Medienberichten über den Vorgang später aber wieder eingeladen. Die Band blieb dennoch fern. Die Ausladung hatte heftige Kritik hervorgerufen und den Auftakt des Festivals überschattet.

Krampe spricht von Fehler

Mitveranstalter Markus Krampe bezeichnete seine ursprüngliche Entscheidung am Rande des Festivals als Fehler. „Das ist superdämlich gewesen“, sagte er. Er hätte es begrüßt, wenn Alphaville nach der Wiedereinladung aufgetreten wäre. „Dann hätten wir vielleicht auch ein Zeichen setzen können“, sagte Krampe.

Hintergrund waren politische Aussagen von Alphaville-Sänger Marian Gold bei einem früheren Konzert. Nach Angaben Krampes hatten sich daraufhin Besucher beschwert. Sie wollten beim Festival abschalten und keine Themen hören, die ohnehin aus den Nachrichten bekannt seien. Deshalb habe er das Management gebeten, politische Äußerungen auf der Bühne künftig zu unterlassen.

Die Veranstalter erklärten, das Festival sei „komplett unpolitisch“. Es gehe nicht um Golds politische Haltung, sondern um den Rahmen der Veranstaltung und das Versprechen „Good vibes only“. Alphaville wertete die Forderung dagegen als unzulässige Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit. Gold sprach von einem „Maulkorberlass“ und einem feindseligen, unnötigen Vorgang.

Diese Folgen hat der Streit beim Festival

Für Besucher ist vor allem wichtig, welche Künstler weiterhin auftreten und wer abgesagt hat.

  • Alphaville: Die Band wurde zunächst ausgeladen, später wieder eingeladen und blieb dennoch fern.
  • Beauty and the Beats: Der DJ sagte seinen Auftritt ab. Er verwies auf Zivilcourage für Demokratie, Vielfalt und Menschenrechte sowie gegen Rechtsextremismus.
  • Culcha Candela: Die Berliner Band will am Samstag, 5. September, um 16 Uhr am Hockenheimring auftreten und sich nach eigenen Angaben deutlich politisch positionieren.

DJ Felix Jaehn reagierte ebenfalls entsetzt. „Seit wann soll Kunst unpolitisch sein?“, fragte er. Als queere und non-binäre Person werde er sich nicht das Recht nehmen lassen, sich gegen eine Partei auszusprechen, die in Teilen als gesichert rechtsextrem eingestuft sei. Jaehn kündigte an, die Bühne für eine entsprechende Botschaft zu nutzen.

Mitveranstalter Lukas Podolski stellte sich trotz der Kontroverse hinter seinen Partner Krampe. „Jeder macht irgendwie mal ein Missgeschick, einen Fehler im Leben“, sagte der frühere Fußballnationalspieler. „Dann geht das Leben aber auch weiter.“ Er fände es schön, wenn man sich nach dem Festival „nochmal irgendwie aussprechen“ könne.

Zugleich warnte Podolski Kritiker vor Beleidigungen in den sozialen Medien. Er lasse weder seine Familie noch sich selbst beleidigen und wolle sich nicht in eine politische Ecke drängen lassen.

„Forever Young“ wird zum Signal

Während sich die Veranstalter um Schadensbegrenzung bemühen, scheint gerade die Forderung nach einem unpolitischen Festival die Debatte weiter zu politisieren. Sänger Tom Gregory eröffnete sein Set auf der Hauptbühne mit „Forever Young“. Auch Rapperin Nura spielte den Klassiker an und sagte: „Wenn man mich bucht, dann kriegt man auf jeden Fall keine unpolitische Show.“ Bereits am 3. September hatte DJ Alle Farben den Song beim Vor-Auftakt gespielt.

Culcha Candela kündigte in einem schriftlichen Statement an, ihre Haltung auf der Bühne notfalls noch lauter deutlich zu machen. Die Band habe sich immer wieder kritisch über die AfD geäußert. Viele Fans wüssten, dass sie zur Wahl aller anderen Parteien aufrufe, die die Demokratie nicht abschaffen wollten. Die Entscheidung der Veranstalter sei „insgesamt eine sehr, sehr strange Nummer“ gewesen. Zugleich betonte die Band: „Trotzdem stehen wir für Hits, Humor, aber auch für Haltung.“

Auch Partyschlagersängerin Mia Julia äußerte sich politisch. „Ich steh für Toleranz, ich steh für freie Liebe und ich steh auch für Vielfalt“, rief sie den Fans von der Bühne aus zu. „In der heutigen Zeit können wir nicht den Mund halten.“ Die 39-Jährige nahm Krampe aber auch in Schutz. Sie kenne ihn seit vielen Jahren und verstehe den Grundgedanken, sagte sie. „Aber in der heutigen Zeit ist das einfach schwierig.“

Das Glücksgefühle-Festival läuft bis Sonntag, 6. September. Nach Angaben der Veranstalter ist es mit 250.000 Zuschauern ausverkauft. Podolski und Krampe organisieren es seit 2023. dpa/red

Autor:

Jens Vollmer aus Kaiserslautern

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