Wenn das Ehrenamt plötzlich fehlt...
Ein stummer Ort

Von Stephanie Walter

Ehrenamt. Ich laufe langsam durch das Dorf und lasse meinen Blick schweifen. Die Blumenbeete um die Kirche sind überwuchert und ungepflegt. Scheinbar hat sich schon länger niemand darum gekümmert. Obwohl es Gottesdienstzeit ist, höre ich heute keinen Gesang. Es ist still im Ort.
Ein paar Schritte weiter komme ich am Festplatz vorbei. Eigentlich hätte hier dieses Wochenende ein Fest stattfinden sollen, aber wer hat schon Lust, in seiner Freizeit Getränke auszuschenken und Musik zu machen, damit andere sich amüsieren können? Außerdem müsste ja auch ein Bürgermeister eine Rede halten, aber wer hat dafür schon Zeit? Früher, als der Platz noch als Marktplatz genutzt wurde, gab es hier auch öfter einmal Stände, an denen Schüler, Vereine und die Frauen der Kirche Marmelade, Kaffee oder Kuchen für den guten Zweck verkauft haben, aber das muss schon eine ganze Weile her sein. Ich gehe weiter und grüße einen alten Mann, der mit seinem Rollator an mir vorbeigeht. Ob er wohl alleine wohnt? Jemanden zum reden hat, denke ich bei mir. Könnte sich nicht irgendwer ein paar Minuten in der Woche Zeit nehmen, vielleicht für eine Tasse Kaffee oder ein nettes Gespräch? Wohl eher nicht, was hat man auch schon davon? Eigentlich wäre ihm ja auch sicher schon geholfen, wenn ihn jemand ab und zu zum Arzt, zum Einkaufen, oder zu einem Café fahren könnte. Aber wer würde so etwas schon tun? Schließlich hat man ja genug Dinge, um die man sich selbst kümmern muss.
Ich wundere mich immer noch ein bisschen, dass es so still im Ort ist, obwohl doch schon Ferienzeit ist. Gab es nicht einmal Ferienprogramme für Kinder? Meine Erinnerung muss mich wohl trügen, denke ich, während ich in der Nähe einen Sees die Straße überquere. Auf meinem Weg kann ich sehen, dass die Krötenwanderung wieder eingesetzt hat. Viele der Tiere liegen überfahren auf dem Boden. Schade, denke ich kurz. In den paar Tagen der Krötenwanderung könnte man die empfindlichen Tiere ja auch einfach über die Straße bringen oder vielleicht einen Schutzzaun errichten und Schilder aufstellen. Dafür müsste man ja aber nachts auf der düsteren Straße unterwegs sein und das auch noch im Regen. Nein danke, da mache ich es mir doch lieber gemütlich. Zum Glück bin ich bald zu Hause, denn irgendwie fühle ich mich hier heute in der Stille nicht wohl, denke ich bei mir, während ich um eine Kurve gehe. Ich sehe Flammen und Rauch, ganz in der Nähe liegt ein regloser Körper. Kurz frage ich mich, ob dem Menschen, der dort liegt, vielleicht hätte geholfen werden können, wenn ihn jemand schnell versorgt hätte, bis das Team vom Krankenhaus eingetroffen ist. Hat es eigentlich niemand für nötig gehalten, das brennende Fahrzeug zu löschen? Aber der Gedanke hält nicht lange an, bis ich jemanden auf der Straße stehen sehe, der den Unfall geschockt beobachtet. Eigentlich will ich schon weiter gehen, mich um das kümmern, was ich mir heute noch vorgenommen habe. Dann halte ich inne, drehe mich um und gehe auf die Frau zu. Der Ort ist heute bereits viel zu still gewesen.

Jeder kann sich engagieren, auch im kleinen Bereich

So sehen unsere Dörfer und Städte zum Glück nicht aus und das ist ganz vielen Menschen zu verdanken, die sich in ihrer Freizeit für die Gesellschaft engagieren. Oftmals sind diese Ehrenamtler so fest ins Dorf- oder Stadtleben integriert und mit so viel Spaß dabei, dass man ganz vergisst, dass sich hier jemand freiwillig einsetzt. Sie alle sorgen dafür, dass der Ort eben nicht still bleibt, sondern mit Leben gefüllt ist. sw

Autor:

Stephanie Walter aus Wochenblatt Landstuhl

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