Energiekostenberatung der Verbraucherzentrale Kaiserslautern
Was tun, wenn der Strom abgestellt wird?

 Franziska Wolf (links), Leiterin der Beratungsstelle in der Fackelstraße 22 in Kaiserslautern, und Beraterin Bettina Kusserow
  • Franziska Wolf (links), Leiterin der Beratungsstelle in der Fackelstraße 22 in Kaiserslautern, und Beraterin Bettina Kusserow
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VON Frank Schäfer

Verbraucherzentrale.In den vergangenen Jahren sind die Kosten für Strom und Gas stark angestiegen. Deshalb ist es gerade für Menschen mit geringem Einkommen manchmal schwierig, alle Rechnungen rechtzeitig zu bezahlen, besonders wenn noch unerwartete Nachzahlungen zu leisten sind. Dadurch steigt die Gefahr einer Stromsperre.

In solchen Fällen steht die Verbraucherzentrale den Betroffenen beratend zur Seite. „Das Thema Stromschulden ist in unserer Gesellschaft mit sehr viel Scham behaftet“, erklärt Franziska Wolf, Leiterin der Beratungsstelle in der Fackelstraße 22 in Kaiserslautern. „Wir wollen mit unserer Arbeit ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man auch beim Thema Stromschulden aktiv werden kann.“
2013 wurde die Energiekostenberatung als Pilotprojekt in Mainz ins Leben gerufen und 2015 auf die Beratungsstellen in Rheinland-Pfalz ausgeweitet. Seitdem hat die Verbraucherzentrale in Kaiserslautern dazu 83 Menschen im Stadtgebiet und 50 Personen im Umland über einen längeren Zeitraum betreut. Die Anzahl an Ratsuchenden, denen mit ein oder zwei Beratungsgesprächen geholfen werden konnte, liegt in derselben Größenordnung.
Die Energiekostenberatung ist komplett kostenlos. Die Mitarbeiter prüfen die Abrechnungen und Verträge und versuchen, gemeinsam mit den Betroffenen eine Energiesperre zu verhindern oder wieder aufzuheben. Dazu wird auch Kontakt mit dem Versorger aufgenommen. An der Energiekostenberatung kann teilnehmen, wer ein niedriges Einkommen, außergewöhnliche Belastungen hat oder erwerbslos ist. Die Beratungsgespräche können in Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen, Mainz, Pirmasens oder Trier stattfinden. Zu bestimmten Terminen werden auch Beratungen in Kusel, Kirchheimbolanden, Worms, Wittlich und Mayen angeboten.
Wie keine andere Art der Verschuldung greift eine Stromsperre sehr tief in den Lebensalltag der Betroffenen ein: Kein Licht, Haushaltsgeräte wie Kühlschrank und Elektroherd können nicht mehr genutzt werden, die Wäsche wird nicht mehr gewaschen. „Kinder leiden in besonderem Maße unter einer solchen Situation. Sie können keine Freunde zu sich einladen“, erklärt Bettina Kusserow, die bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz für die Energiekostenberatung zuständig ist. „Wer über längeren Zeitraum keinen Strom hat, wird zunehmend gesellschaftlich isoliert.“
Überraschend gesperrt wird niemand. Mindestens vier Wochen vor der Sperre muss diese angekündigt werden. „Viele kommen erst zu uns, wenn der Strom bereits gesperrt ist“, berichtet Bettina Kusserow. Die Lösungsansätze sind vom jeweiligen Einzelfall abhängig und können von einer Stundung bis hin zu einer Ratenzahlung reichen. In bestimmten Fällen gewähren Sozialamt oder Jobcenter auch ein Energiedarlehen.
Eine Stromsperre ist immer mit zusätzlichen Kosten verbunden. Der Versorger kann Zinsen auf die offenen Beträge erheben und Kosten für das Einziehen fälliger Beträge in Rechnung stellen. Auch für die Entsperrung entstehen Kosten.
„Sowohl die Stadtwerke als auch die Pfalzwerke zeigen sich immer sehr kooperativ. Da haben wir durchweg positive Erfahrungen gemacht“, berichtet Bettina Kusserow. Darüber hinaus steht die Beraterin auch mit vielen weiteren Stellen, wie etwa Jobcenter, Diakonie, Caritas und Schuldnerberatern in Kontakt, um für die Betroffenen eine dauerhafte Lösung zu finden.
„Unser Beratungsangebot geht weit über die Problematik einer Stromsperre hinaus. Wir beraten systemisch und begleitend und versuchen das Problem als Ganzes zu erfassen und eine Lösung zu finden“, erklärt Bettina Kusserow. „Oft stehen ganz andere Probleme wie etwa eine psychische Erkrankung oder Alkoholabhängigkeit im Hintergrund.“ In solchen Fällen verweist sie auf entsprechende Hilfsangebote und Beratungsstellen. Für ein Erstgespräch nimmt sich Bettina Kusserow eineinhalb Stunden Zeit. „Eine vorherige Terminvereinbarung ist sinnvoll, damit wir uns auch entsprechend Zeit für die Beratung nehmen können“, erklärt Kusserow. Eine rein telefonische Beratung ist nicht möglich.
Damit es erst gar nicht zu einer Stromsperre kommt, ist es sinnvoll eine Energiesparberatung in Anspruch zu nehmen. Es gibt viele Elektrogeräte, die die Stromkosten in die Höhe treiben. Außerdem ist eine gute Haushaltsplanung sehr sinnvoll. Hierzu gibt es bei der Verbraucherzentrale ein kostenloses Haushaltsbuch, das auch im Rahmen der Energiekostenberatung für eine Budgetberatung verwendet wird.
Das Thema Energiekosten ist nur einer von vielen Bereichen, zu denen die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale beraten und informieren. Verbraucherthemen wie Datenschutz, Finanzen und Digitalisierung werden ebenso behandelt. In Vorträgen in Schulen und bei Bildungsträgern wie der Volkshochschule informieren Juristen zu den unterschiedlichsten rechtlichen Themen. Wie funktionieren Verträge? Was ist ein Inkasso-Schreiben? Was gilt es beim Abschluss eines Mobilfunkvertrages zu beachten? Die Themen betreffen die unterschiedlichsten Personengruppen und Gesellschaftsschichten. Der Verbraucherzentrale geht es in ihrer Arbeit stets darum, einen Ausgleich zwischen den Interessen von Privatpersonen und großen Unternehmen zu schaffen.

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