Fusionjazz neu interpretiert
Avishai Cohen verwandelt Montreux Jazz Club in einen Tanzpalast

Avishai Cohen - Bassist, Sänger, Pianist und Komponist
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  • Foto: Montreux Jazzfestival, Lionel Flusin
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Wochenblattredaktion on Tour
von Jens Vollmer

Der Montreux Jazz Club, mittlerweile im Petit Palais des mondänen Hotels Montreux Palace untergebracht, erstrahlt im neuen Glanze. Größer und mit verschiedenen Höhenebenen ausgestattet, erlaubt er dem Publikum eine bessere Sicht auf die Bühne sowie einen besseren Hörgenuss. Die Lösung der letzten Jahre war mit begrenztem Raumangebot und zu niedriger Decke nicht würdig, das Herzen des Festivals darzustellen. Der Petit Palais, nun „House Of Jazz“ ist die beste Lösung für die Jazz-Konzerte seit der Casino-Ära.
So kam auch Avishai Cohen am gestrigen Abend in den Genuss, sich auf der neuen Bühne - mit einer dem WM-Spiel Brasilien-Belgien geschuldeten Verspätung - bestens präsentieren zu können. Der Bassist kehrte, nach seinem Auftritt an der Seite von Chic Corea und Bobby Mc Ferrin im Jahr 2001, mit seiner eigenen Band zurück und präsentierte eine einzigartige Interpretation von Fusionjazz.
Dass Avishai Cohen nun auch die Gesangsparts übernimmt, ist ein Novum seiner aktuellen Platte und Tour. Unterstützt wird er hierbei von der Sängerin Karen Malka, die fast alle Gesangslinien zweistimmig und so zu einem weiteren Erkennungsmerkmal und spezifischen Sound der Band werden lässt.
Die Fusion fängt schon bei den Texten an, denn gesungen wird mehrsprachig - mal auf Englisch, mal auf Hebräisch, in Spanisch oder Ladino. Gitarrist Marc Kakon gab zusätzlich einen Rap in französischer Sprache zum Besten.
Neben Cohans Sangeskünsten standen natürlich die Fähigkeiten am Bass im Mittelpunkt. Nicht nur der E-Bass sondern insbesondere der Kontrabass wurde - arco oder pizzicato – bedient. Er setzte nicht nur tonale, sondern auch rhythmische Akzente in seinen Soli, ergänzte die komplexen Grooves von Schlagzeuger Noam David zusätzlich mit Klopftechniken, der Kontrabass wurde zum Percussioninstrument.
Trotz ausschweifender Soli Cohens standen jedoch nicht seine Fähigkeiten als Bassist im Mittelpunkt des Abends, sondern das Gesamtkunstwerk seiner Kompositionen.
Cohen präsentierte eine gelungene und sehr eingängige Symbiose aus westlichen und mittelöstlichen Elementen. Mal wurden Funkgrooves mit atmosphärischen Sounds und Melodieführungen des Nahen Ostens gemixt, ein andermal war die Rhythmik seiner Heimat Israel entnommen und mit westlichen Melodiebögen kombiniert. Keyboarder Shai Bachar steuerte dazu zahlreiche weiche Sounds in allen Facetten bei, konnte aber auch im Pianosolo brillieren. Auch dem Drummer Noam David wurde eine Bühne geboten. Er bestach trotz eher minimalistischem Drumset mit einem variantenreichen Drumsolo.
So gelang es Cohen und Band über 100 Minuten immer wieder neu zu überraschen und ein extrem kurzweiliges Konzert zu präsentieren. Am Ende lud Cohen das Publikum ein, vor der Bühne zu tanzen. Musiker wissen, wie schwer es ist, ein Sitzplatzpublikum – insbesondere wenn es noch an Tischen platziert ist – aufstehen zu lassen zum Tanzen zu bewegen. Doch mit lateinamerikanischen Rhythmen verwandelte Cohen innerhalb von nur zwei Songs den Montreux Jazz Club mühelos in einen Tanzpalast und setzte ein weiteres Ausrufezeichen in der langen Konzerthistorie des Montreux Jazzfestivals.

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