Topp und Flop der Woche
Von einer Salzgrotte, Edenkoben, der Maskenpflicht & dem Wendler

Salz. Symbolfoto, aufgenommen in den Salinen La Palmas.
  • Salz. Symbolfoto, aufgenommen in den Salinen La Palmas.
  • Foto: Barbara Späth
  • hochgeladen von Barbara Späth

Wer erinnert sich nicht an die Zwangsfusionierung der VG Maikammer mit der VG Edenkoben. Inzwischen ist längst alles rückabgewickelt, und um das Pro und Contra dazu geht es hier auch gar nicht. Es geht um die Edenkobener Rundschau. Dieses sogenannte "...Boulevard!" ist ein Printmedium für alle Haushalte in 19 Gemeinden an der Weinstraße. Das Blatt berichtet wöchentlich über dies & das, auch aus Maikammer, Kirrweiler, Sankt Martin – und Edenkoben. Anhand der zuvor eingegangenen Mitteilungen an die Redaktion werden Veranstaltungen angekündigt, Aktionstage, Eröffnungen, Sprechstunden usw., es gibt die Rubriken "…Kirchliches!" und "…Ärztliches!", und natürlich meldet sich auch regelmäßig Edenkobens Bürgermeister zu Wort. Für viele Bürger eine wertvolle, kostenfreie Informationsquelle, die sich wesentlich über Anzeigen finanziert und mit vielen Ausrufezeichen arbeitet. Klar.

Aber nun. Im Innenteil der aktuellen Ausgabe (vom 8.10.2020) stehen sich zwei großformatige Anzeigen gegenüber, die auffallen, auffallen müssen. Topp: "Salzgrotte Maikammer – Jetzt (!) erst Recht." Man erfährt: Seit 1. Oktober lässt sich hier wieder entspannen und den Atemwegen Gutes tun (was in Corona-Zeiten sicher nicht schadet). Im Zentrum steht eine Abbildung, und die Vorteile eines Besuchs werden schlagwortartig benannt. Eine typische Anzeige eben.

Flop: "Stoppt die Maskenpflicht an Schulen und Bildungseinrichtungen!", ein textreicher, manipulativer Aufruf des MWGFD e.V., der mit Falschaussagen glänzt. Im typischen Layout, für manchen vielleicht erst auf den zweiten Blick erkennbar als Anzeige. Wer sich, wenn auch nur rudimentär, mit verschwörungstheoretischen Aussagen befasst hat, ist längst über Prof. Dr. Sucharit Bhakdi gestolpert, einen der beiden Vereinsvorsitzenden. Dessen Thesen zur Corona-Pandemie gelten größtenteils nicht nur als unwissenschaftlich (siehe "Medical Tribune" und diverse Faktenchecks), sondern mitunter auch als gefährlich. Wie schnell offenherzige, gutmütige Menschen den Beeinflussungsversuchen seitens Sucharit Bhakdi, Attila Hildmann, Eva Herman, Xavier Naidoo, Bodo Schiffman etc. erliegen können, zeigt sich aktuell am Beispiel des Schlagerbarden Michael Wendler. (Frag Google, und du weißt Bescheid.)

Nicht nachvollziehbar, warum die Anzeige des MWGFD e.V. gedruckt wurde, insbesondere angesichts der seit Wochen steigenden Corona-Fallzahlen, auch in vielen der 19 angesprochenen Gemeinden. Drum habe ich vorhin bei der Edenkobener Rundschau telefonisch um Stellungnahme gebeten; ganz offensichtlich hatte es schon mehrere Anrufe gegeben. Na, hieß es, die Anzeige spiegele ja nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider. Und ja, im Rahmen der Meinungs- und Pressefreiheit sei so etwas völlig okay. Ob man nicht vielleicht im nächsten Editorial auf die Angelegenheit Bezug nehmen wolle, so mein Ratschlag, meine Frage. Nein, jeder könne ja jederzeit einen Leserbrief verfassen. Und außerdem: Der nächste könne ja eine Anzeige schalten, die sich für die Maskenpflicht ausspricht. What?

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Nachtrag vom 11.10.2020: Leider musste ich gestern feststellen, dass obige Anzeige des MWGFD e.V., mit deren Inhalten man kaum einverstanden sein kann, (mindestens) auch vom aktuellen "Stadtanzeiger Neustadt & Haßloch" abgedruckt wurde, dessen Auflage die der Edenkobener Rundschau natürlich weit übertrifft. Die F.A.Z. hat Anzeigen des Vereins abgelehnt, youtube hat Videos gelöscht usw. - kein Wunder, dass der sehr zahlungskräftige Verein nun anderweitig verstärkt Aufmerksamkeit sucht. Tja. Entweder hat man in den Anzeigenabteilungen nicht so genau hingeschaut, oder man unterliegt als Verlag großen wirtschaftlichen Zwängen, was gerade in Corona-Zeiten natürlich der Fall sein kann. Zwar ist die Anzeige im Stadtanzeiger aufgrund des Seitenumfelds weniger auffällig, ein Trauerspiel bleibt es trotzdem. Unsere Printmedien sollten Verschwörungstheoretikern keine Plattform geben, sondern Mut zeigen - und mit kritischen, aufklärenden, redaktionellen Artikeln zum Thema glänzen. (Meine Meinung.)

Autor:

Barbara Späth aus Stadtanzeiger Neustadt

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