#briefwechsel
Purer Egoismus statt neuer Solidarität

Wertgeschätzte Kollegin, liebe Frau Schwitalla,

ich gebe zu, ich habe ein bisschen aufs Gegenteil gehofft, aber inzwischen bin ich mir sicher: Corona wird uns nicht zu besseren Menschen machen. Solange ich mich im Schutz der häuslichen Isolation befand und nur in meiner Bubble unterwegs war, konnte ich mir noch etwas vormachen, aber mit mehr Lockerungen und "neuer Normalität" sehe ich mich gezwungen, zu meinem früheren Zynismus zurückzukehren.

Wer hätte gedacht, dass ich jemals die Klingen kreuze, mit Menschen, die für ihre Freiheit kämpfen? Denn das tue ich gerade (in den sozialen Medien vor allem). Mit "Freiheitskämpfern", die keine Maske tragen wollen, weil sie das in ihrer Freiheit einschränkt. Und ihren Mitmenschen, die sich deswegen sorgen, empfehlen dann eben einfach zuhause zu bleiben. Subtext der Botschaft: Ich kämpfe hier nur für meine Freiheit, Deine Freiheit und Deine Grundrechte interessieren mich nicht die Bohne. Statt neuer Solidarität also der pure Egoismus.

Aber auch von der anderen Seite in diesem Coronaspiel der Extreme gibt es nicht nur Positives zu berichten. Das Denunziantentum treibt nämlich ganz neue Blüten. Sehr beliebt derzeit: Nachbarn beim Ordnungsamt oder bei der Polizei anschwärzen. Wegen - tatsächlichen oder vermeintlichen - Verstoßes gegen die Coronaregeln.

Ich weiß nicht, was ich verwerflicher finde. Können wir mal alle ganz tief Luft holen? Ja, trotz Maske. Und uns beruhigen. Mit unseren Nachbarn reden? Die Ängste der anderen ernster nehmen? Insgesamt ein bisschen wohlwollender und wertschätzender miteinander umgehen? Wie schwer kann das denn sein?

Ich freue mich auf jeden Fall heute auf meinen ersten Abend im Biergarten seit... gefühlt ewig. Und ich gehe da nicht hin, um zu kontrollieren, ob sich der Wirt wirklich zu hundert Prozent an alle Vorgaben hält, sondern um einen schönen Abend zu haben. Am Eingang werde ich mir die Hände desinfizieren und wenn ich aufs Klo gehe, werde ich eine Maske tragen. Und nichts von alldem wird etwas daran ändern, dass ich ein freier Mensch bin.

Herzlichst, 
Ihre Cornelia Bauer

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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