#briefwechsel
Home Sweet Home

Wertgeschätzte Kollegin, liebe Frau Schwitalla,

ich mag mein Zuhause. Es ist mein Rückzugsort vor der Welt "da draußen", mein sicheres kleines Nest. Home Sweet Home. War es auch schon vor Corona, aber jetzt, da wir alle so viel Zeit daheim verbringen müssen, bin ich dafür noch viel dankbarer. Ich kann problemlos von daheim aus arbeiten, ich muss mir aktuell keine Sorgen um den Wegfall meines Einkommens machen und ich habe keine kleinen Kinder zu betreuen. Insofern bin ich in einer sehr privilegierten Lage - und aus der posaunt er sich ja immer besonders leicht heraus, der Spruch von der Krise als Chance.

Es sind verrückte Zeiten, die wir da gerade erleben. Kann die Welt nach der Coronakrise noch die selbe sein? Oder ändert die Zukunft gerade ihre Richtung? Wie lange werden wir brauchen, um den Fast-Stillstand wirtschaftlich zu verkraften? Wird Corona die Gesellschaft verändern, vielleicht sogar ein bisschen besser machen?  Oder gehen wir nahtlos zu "business as usual" über? Werden wir aus dem Stand einen Kavalierstart hinlegen und zu Vollgas zurückkehren? Oder werden wir uns auch weiterhin Zeit nehmen für Entschleunigung bei Spaziergängen und dem Lesen dicker Bücher? Werden wir wieder vergessen, wie wichtig tolle Nachbarn sind? Und wie schön die Narzissen auf dem Balkon blühen?

Was wir eigentlich bereits jetzt gelernt haben müssten: welche Berufe die "system-relevanten" sind. Wo wären wir denn gerade ohne Krankenschwestern, Altenpfleger und Supermarkt-Kassiererinnen? So schön und wertschätzend abendlicher Beifall vom Balkon auch sein mag, man kann davon weder Mehl, noch Klopapier kaufen und auch nicht die Miete zahlen. Werden wir uns nach der Krise alle gemeinsam dafür einsetzen, dass die Menschen in diesen jetzt offiziell als wichtig anerkannten Berufen besser bezahlt werden und unter besseren Bedingungen ihren Job machen können? Stellen wir den Menschen wieder mehr in den Mittelpunkt?

Sie sehen schon, liebe Frau Schwitalla: viele Fragen, noch keine Antworten. Die Krise zeigt uns, wie veränderlich selbst uralte Gewohnheiten sind. Nehmen Sie das Händeschütteln zum Beispiel. Noch vor drei Wochen völlig selbstverständlich, aber vielleicht werden wir uns in einer Zeit nach Corona nie wieder so begrüßen. Ein "Weiter-so!" ist nicht zwingend. Es gibt Raum für Alternativen. Man muss sie nur zu denken wagen. Ich hoffe immer noch, dass das Virus auch dazu führt, dass wir bei allem "Social Distancing" ein bisschen näher zusammen rücken. Weil wir erkennen, was uns wirklich wichtig ist - oder vielmehr: wer. Ermutigende Beispiele finden sich dafür gerade sehr viele.

Danke, dass Sie mich an "Fenster zum Hof" erinnert haben, ich glaube, ich schaue mir den die Tage mal wieder an. Ich liebe diese alten Hitchcock-Filme, hoffe allerdings, dass Sie beim Blick aus Ihrem Fenster ausschließlich positive Entdeckungen machen. In diesem Sinne verbeuge ich mich für heute vor Ihnen. Bitte bleiben Sie gesund!

Herzlichst,
Ihre Cornelia Bauer

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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