Zwischen Regalen und Romanen: Lea Zander über ihr Debüt und den Weg zum Verlag
- Autorin Lea Zander
- Foto: Anika Zoermer
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Speyer. Lea Zander arbeitet in der Stadtbibliothek Speyer – und schreibt nebenbei ihre eigenen Romane. Mit „Under the Vineyard Sky – Wenn wir endlich echt sind“ hat sie nun ihr Debüt im New-Adult-Genre veröffentlicht, eine Geschichte über Liebe, Druck und mentale Gesundheit auf einem Pfälzer Weingut. Im Gespräch erzählt sie, wie aus einer Idee ein Verlagsvertrag wurde, warum Social Media heute mitentscheidet – und wie sie Alltag und Schreibtraum unter einen Hut bringt.
Hauptberuflich arbeitet Lea Zander für die Stadtbibliothek in Speyer. Nebenberuflich schreibt sie selbst. Am 10. Juni ist ihr Debütroman erschienen. „Under the Vineyard Sky - Wenn wir endlich echt sind“ heißt er und ist eine New Adult Romance. Der Roman ist der Erste dieses Genres im Gmeiner Verlag. Cornelia Bauer sprach mit der Autorin.
???: Ihr Buch spielt auf einem Weingut in der Pfalz. Ist es eine typische Liebesgeschichte?
Lea Zander: Zuerst sollte es tatsächlich eine Liebesgeschichte werden, aber am Ende ist es doch mehr geworden. Einer der Protagonisten, Felix, und ich haben etwas gemeinsam: Angststörungen und Panikattacken. Das Thema Mental Health liegt mir sehr am Herzen und ich freue mich, dass ich das in diese Geschichte mit einweben durfte.
???: Hauptfigur des Romans ist aber eine junge Frau ...
Zander: Genau. June ist gerade bei einem Wettbewerb gescheitert und muss ihren Traum, als Künstlerin zu leben, begraben. Sie leidet unter dem hohen Erwartungsdruck ihrer Mutter und will einfach nur weg aus Mainz. Daher folgt sie der Einladung ihrer besten Freundin Liv auf das Weingut der Familie. Dort kommt sie Felix näher, dem Bruder von Liv, der ebenfalls mit den elterlichen Erwartungen konfrontiert ist - nämlich das Weingut übernehmen zu müssen.
???: Wie nebenbei erfährt man viel über den Winzeralltag. Woher wissen Sie so viel über Weinbau?
Zander: Ich bin zwar keine begnadete Weintrinkerin, aber sehr gerne in der Freizeit unterwegs auf den Weingütern und in den Vinotheken der Südpfalz. Der Speyerer Autor und Weinbotschafter Uwe Ittensohn hat mich mit den beiden Schwestern, die das Weingut Gaul in Grünstadt-Sausenheim betreiben, zusammen gebracht. Zwei tolle Menschen, die mir ganz viel Einblicke in den Alltag in einem Weingut gewährt haben. Seitdem weiß ich, wie viel Liebe und Leidenschaft hinter einer Flasche Wein stecken. Das ist einfach so viel mehr als bloßes Handwerk.
???: Sie arbeiten den ganzen Tag mit Büchern - wollten Sie schon immer Autorin werden?
Zander: Ich habe tatsächlich schon zwei Bücher veröffentlicht. Eines im Self-Publishing und ein weiteres bei einem kleinen Verlag. Das waren Kurzgeschichten und poetische Texte. Tatsächlich war der Traum vom eigenen Roman aber schon immer da. Auch die Ideen dafür. Leider hat kein Verlag meine Skripte veröffentlichen wollen.
???: Was lief dieses Mal anders?
Zander: Ich habe im vergangenen Jahr über die VHS ein Schreibseminar bei Uwe Ittensohn belegt. Dabei liest man auch Szenen aus aktuellen Buchprojekten vor. Irgendwann hat mich Uwe gefragt, ob ich nicht auch was im Bereich New Adult habe. Ich arbeitete gerade am Expose für diesen Roman. Uwe hat es mitgenommen zu einem Treffen mit dem Gmeiner-Verlag. Und eine Tür hat sich geöffnet, von der ich gar nicht wusste, dass sie da war. Ich selbst hätte den Gmeiner-Verlag gar nicht auf dem Schirm gehabt, aber sie wollten neu in dieses Genre einsteigen.
???: Wie hat sich das angefühlt, als der Verlag das Buch wollte?
Zander: Das war unglaublich schön, aber anfangs auch völlig verrückt. Ich konnte es gar nicht begreifen.
???: Und jetzt, wo Sie das Buch in Händen halten?
Zander: Ich werde gar nicht müde, es anzuschauen. Für einen Debütroman ist es ein wahnsinnig schönes Buch mit Farbschnitt und Klappe. Einfach unglaublich.
???: Muss ein Buch heute schön sein, um sich zu verkaufen?
Zander: Man kann das bedauern, denn noch vor vielleicht zehn Jahren ging es bei Büchern nur um den Inhalt, aber gerade im New Adult-Bereich hat ein Buch ohne Veredlung heute keine Chance mehr und bleibt im Regal liegen. Der ästhetische Aspekt spielt bei Büchern inzwischen eine wichtige Rolle.
???: Premierenlesung war vergangenen Woche in Speyer. Sind weitere Veranstaltungen geplant?
Zander: Auf jeden Fall. Am 16. Juli lese ich in der Buchhandlung Fuchs in Nußloch. Außerdem bin ich mit mehreren Weingütern und auch Buchhandlungen in Speyer im Gespräch, um weitere Termine abzuklären.
???: Sind Sie gespannt auf die Verkaufszahlen - oder spielt das erstmal keine Rolle?
Zander: Aktuell weiß ich noch nichts, aber ich will im nächsten Monat mal beim Verlag nachfragen. Die Zahlen interessieren mich schon. In der Buchhandlung Fuchs führen sie eine Liste über ihre Top Ten Bestseller des Monats. Da war ich im vergangenen Monat schonmal auf Platz 3. Das und der Erfolg bei der Lesung zeigen mir: Das Buch wird angenommen und verkauft sich. Die Geschichte funktioniert, das Cover funktioniert.
???: Welche Rolle spielt BookTok inzwischen für den Verkauf eines Buches?
Zander: Generell sind die sozialen Medien wichtig. Ich bin als Autorin auch Content Creator und muss mich selbst darum kümmern, mein Buch zu vermarkten. Ich bin nicht besonders gut in Marketing, aber heutzutage ist es wichtig, in den Sozialen Medien sichtbar zu sein und vernünftigen Content zum Buch zu veröffentlichen. BookTok und Instagram spielen für den Erfolg eines Buches eine große Rolle.
???: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Ist das nächste Buch schon in Planung?
Zander: Mein Debütroman soll eigentlich Teil einer Trilogie sein. Es gibt drei Geschwister auf diesem Pfälzer Weingut - und ich würde wahnsinnig gerne noch die beiden Geschichten von Liv und Fritzi erzählen. Feminismus ist ein wichtiges Thema für mich - und das würde in diese Bände einfließen. Aber zunächst mal muss der erste Band sich gut verkaufen.
Aktuell schreibe ich an einem Coming of Age-Roman. Darin geht es um Mobbing und darum, dass Worte Macht haben
???: Sie schreiben nebenberuflich. Wie muss ich mir das im Alltag vorstellen?
Zander: Das erfordert wahnsinnig viel Disziplin. Ich arbeite 27,5 Stunden in der Bibliothek, die restliche Arbeitszeit verbringe ich mit dem Schreiben und mit Marketing. Als der gerade veröffentlichte Roman in der heißen Phase war, habe ich zwei Monate lang in jeder freien Minute geschrieben. Das geht nur, weil ich einen sehr verständnisvollen Mann an meiner Seite habe, der mich in allen Belangen unterstützt und meinen Traum quasi mit träumt.
Lea Zander ist 37 Jahre alt und lebt mit Mann und Hund in Speyer.
Zum Weiterlesen
Lea Zander: Under the Vineyard Sky - Wenn wir endlich echt sind, erschienen im Gmeiner-Verlag; 336 Seiten, 13,5 x 21 cm, Paperback, E-Book; ISBN 978-3-8392-8105-5
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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