Stolpersteine in Speyer: Acht Schicksale und drei neue Gedenkorte
- Stolpersteine in Speyer: 2026 kommen acht weitere dieser Gedenksteine hinzu.
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Speyer. Drei neue Verlegestellen, acht Menschen und sehr unterschiedliche Lebenswege: Mit der neunten Stolpersteinverlegung erinnert Speyer am Donnerstag, 22. Oktober, an Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. In der Schwerdstraße, der Marienstraße und der Bahnhofstraße werden Gedenksteine für Fritz Weil sowie Angehörige der Familien Seligmann verlegt. Schülerinnen und Schüler des Edith-Stein-Gymnasiums, des Gymnasiums am Kaiserdom und erstmals auch der Erlichschule stellen die Biografien der Verfolgten vor.
Der Tag beginnt um 11 Uhr mit einem Empfang im Historischen Ratssaal. Gegen 12 Uhr ist die erste Verlegung in der Schwerdstraße 7 geplant. Dort wird der Stolperstein für Fritz Weil nachgeholt, dessen Stein im vergangenen Jahr wegen einer Baustelle am vorgesehenen Ort nicht verlegt werden konnte. Anschließend folgen die Verlegungen in der Marienstraße 14 und der Bahnhofstraße 52. Künstler Gunter Demnig, der das Stolperstein-Projekt ins Leben gerufen hat, wird nicht anwesend sein. Es handelt sich um eine sogenannte Eigenverlegung.
Fritz Weil floh in die USA
Fritz Weil wurde 1903 in Speyer geboren und wuchs als Sohn eines Zigarrenfabrikanten in der Schwerdstraße auf. Er arbeitete als kaufmännischer Angestellter und blieb in seiner Heimatstadt, bis die nationalsozialistische Verfolgung ihn zur Flucht zwang. Am 15. Mai 1937 gelang ihm die Emigration in die USA. Wie sein Bruder ließ er sich in New York nieder. 1946 ist er dort noch nachweisbar, danach verliert sich seine Spur.
Seine Mutter Sofie Weil, geborene Lußheimer, hatte ein anderes Schicksal. Sie wurde 1940 nach Gurs in Südfrankreich deportiert und starb 1945 in einem Krankenhaus in Marseille.
Familie Seligmann wurde auseinandergerissen
Familie Seligmann gehörte über Jahrzehnte zum jüdischen Bürgertum Speyers. In der Marienstraße 14 lebte der Kaufmann Sigmund Seligmann mit seiner Frau Klara und Sohn Werner, der sich neben seiner kaufmännischen Tätigkeit für die Musik und die jüdische Jugend engagierte.
Nach den Novemberpogromen 1938 wurden Sigmund und Werner verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Nach ihrer Freilassung versuchten sie vergeblich, Deutschland zu verlassen. Sigmund Seligmann wurde am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert und starb dort am 15. Dezember desselben Jahres. Seine Frau Klara sowie Werner und dessen Frau Eleonore wurden ebenfalls nach Gurs deportiert. Klara wurde 1942 nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Werner und Eleonore wurden im August 1942 nach Auschwitz deportiert und ebenfalls ermordet.
Julius Seligmann und seine Familie emigrierten
In der Bahnhofstraße 52 erinnert die Verlegung an Julius Seligmann, seine Frau Hilda und ihre Tochter Anny. Julius war Kaufmann und engagierte sich in der jüdischen Gemeinde Speyer, deren Vorsteher er 1934 wurde. 1939 emigrierten Julius und Hilda nach Argentinien. Julius starb dort 1948, Hilda lebte bis 1984 in Buenos Aires.
Ihre Tochter Anny hatte 1936 den Niederländer Jakob Sulzbach geheiratet und lebte mit ihm und der gemeinsamen Tochter in den Niederlanden. Unter deutscher Besatzung wurde die Familie verfolgt und 1944 in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert. Im Januar 1945 kam sie überraschend frei. Nach dem Krieg kehrte Anny mit ihrer Familie nach Amsterdam zurück. Sie berichtete später als Zeitzeugin über ihre Erlebnisse und besuchte in den 1990er-Jahren mehrfach ihre Geburtsstadt Speyer. Anny Seligmann starb 2019 im Alter von 104 Jahren.
Gedenken an die Deportation nach Gurs
Zum Abschluss der Verlegung ist ein gemeinsames Gedenken am Eingang des Adenauerparks geplant. Es erinnert an den 22. Oktober 1940, als Jüdinnen und Juden aus der Pfalz und Baden nach Gurs in Südfrankreich deportiert wurden.
Am Abend findet außerdem eine Stolpersteinführung statt. Sie beginnt um 18 Uhr und wird von Kerstin Stoll geleitet, die ebenfalls in der Speyerer Stolpersteininitiative aktiv ist. Tickets sind bei der Tourist-Information Speyer erhältlich.
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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