Pontifikalamt beendet Feierlichkeiten
Steine, die vom langen Atem Gottes erzählen

Mit einem Pontifikalamt gingen am Sonntag die Feierlichkeiten im Speyerer Dom zu Ende. Seit 40 Jahren steht die Kathedrale auf der Welterbeliste der Unesco.
  • Mit einem Pontifikalamt gingen am Sonntag die Feierlichkeiten im Speyerer Dom zu Ende. Seit 40 Jahren steht die Kathedrale auf der Welterbeliste der Unesco.
  • Foto: Domkapitel
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Speyer. Mit einem Pontifikalamt im Speyerer Dom haben gestern die Feierlichkeiten in Erinnerung an die Aufnahme der Speyerer Kathedrale auf die Welterbeliste der Unesco vor 40 Jahren geendet. Die feierliche Messe leitete Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann gemeinsam mit Domdekan Dr. Christoph Kohl, Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer sowie Domprobst Tobias Schäfer aus Worms, der durch seine Anwesenheit die gute Verbindung der großen Dome am Rhein belegte.

"Wenn man den Speyerer Dom betritt, unterbricht man den Alltag. Man gelangt von der Geschäftigkeit des Lebens in die Stille vor Gott", so schilderte Bischof Wiesemann in seinen Begrüßungsworten das Erlebnis eines Besuchs im Dom. "In der aufgedrehten und krisengeschüttelten Welt tut ein solcher Besuch gut." Die größte romanische Kathedrale der Welt wurde 1981, vor 40 Jahren, von der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (Unesco) auf die Liste der Welterbestätten gesetzt, übrigens nach dem Aachener Dom als zweites Bauwerk in Deutschland.

"Angesichts der fast tausendjährigen Geschichte dieser Steine muten die heute gefeierten 40 Jahre eher wie ein kleiner Ausschnitt an, eine flüchtige Episode innerhalb der Ewigkeitserfahrung dieses gewaltigen Kultraumes und seiner bewegten Historie", räumte Karl-Heinz Wiesemann in seiner Predigt ein. Doch machte der Bischof deutlich, dass die Zahl 40 mehr als nur eine Jahresangabe ist. "Denn seit biblischen Zeiten steht die 40 für die irdische Wanderschaft des Menschen, die Pilgerschaft des Gottesvolkes. Die 40 ist in der Heiligen Schrift die Symbolzahl für das Ringen des irdischen Lebens in der Suche nach dem erfüllenden Ziel: nach der Gottesbegegnung, dem gelobten Land, dem himmlischen Jerusalem."

40 Jahre lang führte Mose das Volk Israel durch die Wüste. "40 Tage lang wanderte der Prophet Elija zum Gottesberg. Genauso lang fastete Jesus in der Wüste. 40 Tage lang erschien der Auferstandene den Jüngern, bis er in der Himmel auffuhr." 40 stehe symbolhaft für den Lebensweg des Menschen wie der ganzen Menschheit: für das Ringen und Kämpfen, das Reinigen und Reifen, für die unheilvollen Wunden und heilsamen Wenden des Menschenlebens im langen Atem der Geschichte. "Wie sehr erzählt unser Dom in der Beständigkeit seiner Verwundungen und Verwandlungen von diesem langen Atem Gottes im Leben der Generationen von Menschen, die in diesem Dom ein- und ausgegangen sind!" Bischof Wiesemann wies auch darauf hin, dass die 40 nicht nur in der Bibel Symbolkraft hatte, sondern auch in der antiken Mathematik Symbol der universalen Ordnung war.

Das Bauwerk aus der Vergangenheit, das Menschen fasziniert und ihnen "ehrfürchtiges Staunen" abgewinnt, ist zugleich Mahnung für die Gegenwart: "Was für eine wichtige, überlebenswichtige Botschaft gibt uns unsere Kathedrale in unsere Zeit hinein." Statt Maßlosigkeit, Zerstörung und einer Kultur des Todes schenkt die Speyerer Kathedrale "die Vision einer möglichen und sinnstiftenden Balance, eines Lebensraum schaffenden Ausgleichs. Universale Ökologie und universale Menschenwürde, universale Gerechtigkeit und universaler Friede – das sind doch die großen, überlebenswichtigen Herausforderungen unserer Tage."

Der Bischof erinnerte an die Mahnung über dem Domhauptportal: „,Ut unum sint' – unter diesen universalen Anspruch, dass wir alle Brüder und Schwestern („fratelli tutti“) sind, sollten wir nicht fallen, wenn wir dieses Gotteshaus betreten." So werde auch der Reformationstag zu einem Tag der Mahnung: ",Ut unum sint' – dass wir eins seien, Schwestern und Brüder im Glauben, Schwestern und Brüder in der einen Welt."

Wie Wiesemann in der Predigt ebenfalls betonte, ist der Dom "mit seinen Geschichte erzählenden und Erinnerung vor allem Vergessen bewahrenden Steinen eine Mahnung, dass wir uns heute allem Antisemitismus und jedem Ansatz von Hass und Hetze widersetzen". Die Baumeister und Steinmetze der Kathedrale hätten auch das rituelle Bad, die Mikwe, zur selben Zeit erbaut. Damit erinnere der Dom an eine Zeit, "in der es ein gutes Zusammenleben zwischen Juden und Christen hier gab".

Bischof Wiesemann sprach in seiner Predigt auch über die Bedeutung der Liturgie. Zwar entfalten visionäre Orte wie es der Dom ist ihren Charakter schon allein beim Eintritt in ihren Raum, "aber wirklich lebendig wird er in der kultischen Feier, in der Gemeinschaft derer, die Gott in ihrer Mitte erfahren und die nicht nur einen fremden Bau betrachten, sondern sich selbst mitten darin wissen als lebendige Steine. Dann durchschallt, durchschwingt den Raum der Jubel der Erlösten, in den uns die wunderbare Musik in unserem Dom immer wieder mit hineinnimmt." Dies konnten die Besucherinnen und Besucher des Pontifikalamtes - unter ihnen auch Ehrengäste aus Politik, Stadt, Dombauverein und Europäischer Stiftung Kaiserdom - bei der Feier miterleben: Die Dommusik gestaltete die Messe eindrucksvoll mit Werken von Christopher Tambling, Anton Bruckner und mit Liedsätzen zum Gesangbuch "Gotteslob". Domkapellmeister Markus Melchiori und sein Stellvertreter Joachim Weller leiteten den Konzertchor des Mädchenchors, die jungen Erwachsenen der Domsingknaben sowie den Domchor. Domorganist Markus Eichenlaub musizierte an den beiden Domorgeln.

Der Dommusik für ihr reiches musikalisches Wirken aber auch vielen anderen Menschen und Institutionen widmete Bischof Karl-Heinz Wiesemann am Ende der Feier herzliche Dankesworte: "Viele, viele Menschen haben über die Zeit dazu beigetragen, dass der Dom auch für uns heute eine Heimat ist, die mit geistlichem Leben gefüllt und als Haus Gottes offen gehalten wird." Unter anderem nannte der Bischof Domkapitel, Sakristane, den Dombauverein und die Kaiserdomstiftung, die Politik auf den verschiedenen Ebenen sowie die Menschen, die sich mit Arbeit und Spenden für den Erhalt der Kathedrale für die Zukunft einsetzten. Mit dem gesungenen "Salve Regina" endete die etwa eineinhalbstündige Feier mit einem Gruß an Maria, die Patron des Domes und des Bistums Speyer.

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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