Domkapitel stellt erste Untersuchungsergebnisse vor
Schäden an Vierung unter die Lupe genommen

Begehung des Vierungsturms: Dombaumeister Mario Colletto (vierter von links) erklärt die Maßnahme.
  • Begehung des Vierungsturms: Dombaumeister Mario Colletto (vierter von links) erklärt die Maßnahme.
  • Foto: Domkapitel Speyer
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Speyer. Seit Mitte des Jahres ist der Vierungsturm des Speyerer Doms komplett eingerüstet. Damit ist weithin erkennbar, dass hier Restaurierungsbedarf besteht. Das Speyerer Domkapitel gewährte nun erste Einblicke in die Befunde der Bauuntersuchung, die den Restaurierungsmaßnahmen voran geht. Im Laufe des nächsten Jahres sollen dann die Arbeiten an der Vierungskuppel beginnen. Bis zum Ende des kommenden Jahres werden die Arbeiten an der Vierungskuppel mindestens noch dauern. Etwa eine halbe Million Euro wird die Sanierung kosten. Unterstützt wird das Domkapitel bei der Finanzierung der Restaurierung durch das Land Rheinland-Pfalz und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.„Da die Vierungskuppel nur über Gerüste zugänglich ist, wussten wir nicht wirklich, was uns dort erwartet“, so der Kustos des Doms, Domkapitular Peter Schappert. „Das Ausmaß der Schäden und die Art, wie in der Vergangenheit mit der Bausubstanz umgegangen wurde, haben uns dann aber doch überrascht. Deshalb sind wir froh, dass wir die Restaurierung der Vierung auf die Agenda gesetzt haben.“
Die Vierungskuppel gehört zur romanischen Bausubstanz des Doms und wird dem Umbau unter Heinrich IV. Anfang des 11. Jahrhunderts zugeordnet. Die Vierung markiert weithin sichtbar den Kreuzungspunkt zwischen Lang- und Querhaus. Im Innern befindet sich genau dort der Hochaltar und damit das Herzstück des Doms. Die bewegte Geschichte des Gebäudeteils wurde nach einer teilweisen Entfernung des Außenputzes im Zuge der Voruntersuchungen sichtbar. Dabei traten sowohl interessante Erkenntnisse zum historischen Bestand, als auch das erschreckende Ausmaß der Schäden zu Tage. „Es sieht schlimmer aus, als erwartet“, stellt Dombaumeister Mario Colletto fest und verweist auf die nun sichtbaren Schäden an den Steinoberflächen. Anders als der Rest des Doms besteht der Vierungsturm nicht aus Sandstein sondern größtenteils aus Tuffstein. „Die Wandflächen waren ursprünglich mit einem dünnen, nahezu hellweißen Kalkmörtel flächig überzogen, besaßen also eine optisch völlig andere Wirkung als der rötliche Flächenputz, der zuletzt zu sehen war“, erklärt Dom- und Diözesankonservator Wolfgang Franz.
Im Zuge der Sicherungsmaßnahmen, die im 18. Jahrhundert nötig wurden, ließ der damalige Baumeister Leonard Stahl insgesamt drei stählerne Ringanker um den Turm setzen. Weiterhin wurden barocke Rundbogenfenster eingefügt, der Turm erhöht und das bis heute erhaltene geschweifte Dach aufgesetzt. Im Zuge der großen Domrestaurierung Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Fenster der Barockzeit wieder vermauert und durch Rundfenster, welche sich an den bauzeitlichen Befunden orientierten, ersetzt. Ohne Bezug zur historischen Bausituation wurde ein dickschichtiger und zementhaltiger Deckputz aufgebracht, welcher das darunter liegende Mauerwerk nachhaltig schädigte. Zudem besteht gegenwärtig eine Gefährdung des Mauerwerks durch eine fehlerhafte Wasserführung. Die Situation stellt sich heute so dar, dass die teilweise mangelhaft ausgeführten Maßnahmen des 20. Jahrhunderts die historische Substanz nachhaltig geschädigt haben und ein Konglomerat an Materialien und Bautechniken hinterlassen haben. „Warum trotz der vorliegenden historischen Befunde im 20. Jahrhundert keine denkmalgerechte Restaurierung durchgeführt wurde, ist heute schwer zu erklären“, wundert sich Wolfgang Franz. Das möchten man heute besser machen: Auf Basis der vorliegenden Befunde wird nun in Abstimmung mit dem Wissenschaftlichen Beirat des Doms ein mögliches umsetzbares Instandsetzungskonzept erarbeitet. ps

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