Mit 16 schon Chef: Speyerer Schüler baut sich sein eigenes Business-Universum auf
- Johannes Stein, 16, Gymnasiast, Fußballer - und selbstständiger Unternehmer
- Foto: Johannes Stein/gratis
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Speyer. Johannes Stein ist 16 Jahre alt, geht aufs Gymnasium, spielt Regionalliga-Fußball – und führt bereits ein eigenes Unternehmen. Vom Sneaker-Handel über Dropshipping bis zu Partyveranstaltungen baut sich der Speyerer Schritt für Schritt mehrere Standbeine auf. Sein Ziel: finanzielle Freiheit und maximale Unabhängigkeit.
Der 16-Jährige kommt nach den Ferien in die elfte Klasse des Gymnasiums am Kaiserdom und spielt für den FC Speyer 09 Fußball in der U17-Regionalliga. Für die meisten Jugendlichen wäre das ein ausgefüllter Alltag, aber Johannes ist seit er 15 ist auch noch selbstständiger Unternehmer. Einer der Jüngsten, die es in Speyer je gab.
Einfach war das nicht, denn wer noch nicht volljährig ist und ein Gewerbe anmelden will, der muss das vorab mit dem Familiengericht klären, die Zeugnisse der vergangenen drei Jahre, Empfehlungsschreiben und einen 20-seitigen Businessplan vorlegen und die Eltern auf seiner Seite haben. Hat geklappt, das Gericht erklärte ihn für geschäftsfähig.
Zwischen Schule, Fußball und Unternehmertum
Angefangen hat alles damit, dass Johannes mit 13 Turnschuhe gekauft hat, um sie im Anschluss teurer weiterzuverkaufen. Sneaker Selling nennt sich das. Seitdem ist der 16-Jährige immer tiefer in den Bereich E-Commerce eingetaucht und betreibt heute ein sogenanntes Dropshipping-Business. Dabei werden Produkte über den eigenen Webshop online verkauft, ohne dass man selbst ein Lager führt.
"Im ersten halben Jahr habe ich nichts verdient", sagt er. Aber er erinnert sich auch noch gut an seinen allerersten Verkauf. Anschließend war der Knoten geplatzt. "Von da an habe ich gewusst, es ist möglich", sagt der 16-Jährige, der auch schon Tage hatte, an denen er Ware im Wert von 3000 Euro verkauft hat. Er ist sich sicher: "Harte Arbeit zahlt sich aus." Inzwischen hat Johannes sich ein Netzwerk aufgebaut, ist in die Szene mit anderen jungen Selbstständigen eingetaucht. Und hat so sein zweites Standbein gefunden.
Von Dropshipping zu eigenen Events
Online hat er seinen heute besten Freund und Geschäftspartner kennengelernt: den 18-jährigen Noe Neizel. Der lebt in Frankfurt, veranstaltet in Hessen Partys und hat Johannes gefragt, ober er mit einsteigen möchte. Er wollte. Jetzt machen die beiden das gemeinsam. Als Dritter ist ein Partyveranstalter mit jahrzehntelanger Erfahrung mit im Boot. Man ergänzt sich gut. Nach mehreren gemeinsam organisierten Events in Hessen ging im Mai das „Project.Rheinland-Pfalz“ an den Start. Mit einer Party in Halle 101.
Und die ging direkt durch die Decke. "Es gab einen Mega-Hype um die Party, innerhalb kürzester Zeit gab es eine WhatsApp-Gruppe mit 3000 Leuten und in den ersten drei Minuten nach dem Ticket Drop waren schon 400 Karten verkauft", sagt Johannes. Er begründet das mit einem generellen Mangel an Partys für Jugendliche in der Region. Diese Lücke will "Project.Rheinland-Pfalz" weiter füllen.
"Mein größter Antrieb, selbstständig zu sein, ist die Freiheit, die damit einher geht", erklärt er. Von überall aus arbeiten zu können, sein eigener Chef zu sein, Dinge zu machen, auf die er Lust hat. Doch Johannes ist kein Träumer. "Ich probiere Sachen zu machen, die mir Spaß machen, aber ich bin auch professionell genug, um zu wissen, dass ich nicht nur die Dinge machen kann, auf die ich Lust habe", sagt er. Gerade die Eventplanung mit viel Papierkram verbunden.
Vorbild aus der eigenen Familie
Die Organisation der ersten Party in Speyer sei sehr stressig gewesen. "Das war erstmal kein schöner Tag für mich", erinnert er sich. Er sei extrem gefordert gewesen, alle hätten etwas von ihm gewollt. "Irgendwann am Ende konnte ich es dann aber auch genießen - und erlebte eine stolzen Moment." Künftig soll es im Vier- bis Acht-Wochen-Tag mit Partys in Speyer weitergehen. Beim Altstadtfest im September werden sie die Veranstaltungen auf der Bühne im Domgarten organisieren. Außerdem baut der 16-Jährige gemeinsam mit DJ Olde ein Netzwerk für DJs auf und verkauft Webseiten an Unternehmen.
Johannes hat gerne mehrere Eisen im Feuer und ist offen für Neues. "Es kann so viel passieren, gerade auch mit AI." Da möchte er sich nicht auf nur ein einziges Standbein verlassen. Wichtigstes Ziel bleibt derzeit das Abitur. Was danach kommt? Mal schauen. "Wenn ich bis dahin bereits die Verantwortung für Mitarbeiter trage, dann machen eine Ausbildung oder ein Studium vielleicht gar keinen Sinn." Sein Vorbild: der sieben Jahre ältere Bruder, der ebenfalls schon mit 15 ein Gewerbe als Schachlehrer angemeldet hat.
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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