Neuer Inklusionsbetrieb auf dem Friedhof Speyer
Ausfüllende Beschäftigung für sechs Menschen mit Beeinträchtigung

Andy Englert zeigt, was die sechs Mitarbeiter des Inklusionsbetriebs bisher geleistet haben
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  • Andy Englert zeigt, was die sechs Mitarbeiter des Inklusionsbetriebs bisher geleistet haben
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Speyer. Gute Ideen zeichnen sich dadurch aus, dass zumeist mehrere Parteien von ihnen profitieren, besonders gute Idee helfen dabei auch noch jenen, die sonst keine wirkliche Lobby haben. Seit Juli gibt es auf dem Speyerer Friedhof eine solche besonders gute Idee: Einen Inklusionsbetrieb, in dem sechs Menschen mit verschiedensten Beeinträchtigungen in den Arbeitsmarkt integriert werden konnten.
Und dieser Inklusionsbetrieb stellte am Freitag auf dem Friedhof im Beisein von Oberbügermeisterin Stefanie Seiler und der Beigeordneten Irmgard Münch-Weinmann seine ersten Arbeitsergebnisse vor. Die Idee zu einem solchen Betrieb habe man schon 2017 gehabt erklärte die Oberbürgermeisterin, allein die Umsetzung und die damit verbundenen behördlichen Hürden seien gar nicht so unproblematisch gewesen, weswegen man "erst" im Juli 2020 in die Umsetzung gehen konnte. Als dritter kommunaler Inklusionsbetrieb ist man in Rheinland-Pfalz damit aber immer noch ein absoluter Vorreiter. "Wir wünschen uns, dass wir damit als Vorbild für andere Städte dienen können", hofft die Oberbürgermeisterin und ergänzt: "Und natürlich soll das auch bei uns in der Verwaltung nicht der einzige Inklusionsbetrieb bleiben." 
Aber nun ist es erst einmal auf dem Friedhof losgegangen und hier kann man auch schon erste Ergebnisse sehen: Es wurden Pflanzkübel gebaut und aufgestellt, Bewässerungssysteme erneuert, Hecken geschnitten, Rasen gemäht, Wege aufgehübscht und verlassene Gräber wieder auf Vordermann gebracht. 

Solche Pflanzkübel haben die Mitarbeiter hergestellt, Nistkästen, Hochbeete und Insektenhotels sollen folgen
  • Solche Pflanzkübel haben die Mitarbeiter hergestellt, Nistkästen, Hochbeete und Insektenhotels sollen folgen
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Die Ergebnisse sind nicht nur für die Gartenbauexperten sichtbar, auch aus der Bevölkerung bekomme man positives Feedback. Denn der Friedhof steht ja immer wieder im Fokus der Kritik - nicht gepflegt genug soll er sein, so eine häufige Beschwerde. "Früher hatten wir einfach nicht die Manpower, das alles in Ordnung zu halten", erklärt Andy Englert, städtischer Mitarbeiter und verantwortlich für die Grünanlagen auf dem Friedhof. "Jetzt mit den sechs neuen und hochmotivierten Mitarbeitern ist das viel einfacher. Sie sind eine große Unterstützung und bestens in die Grünpflegeteams integriert." Und auch Hartmut Jossé, der Leiter des Speyerer Standesamtes kann nur Positives berichten: "Wir merken, dass die Beschwerden über Missstände auf dem Friedhof immer dort zurückgehen, wo unsere Teams im Einsatz sind. Es fällt also auch den Bürgern auf, dass etwas passiert. Auch wenn  positive Veränderung immer eher als selbstverständlich hingenommen wird und Rückmeldung fast nur bei negativen Beobachtungen kommt", sagt er.

Besucher des Speyerer Friedhofs können sich an neu aufgeschütteten und abgezogenen Wegen ohne Stolperfallen erfreuen
  • Besucher des Speyerer Friedhofs können sich an neu aufgeschütteten und abgezogenen Wegen ohne Stolperfallen erfreuen
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Kein Projekt sondern ein Konzept

Ein Inklusionsbetrieb auf dem Speyerer Friedhof: Eine besonders gute Idee, von der alle Beteiligten nur profitieren. Die Bürger bekommen einen schöneren Friedhof, das Gartenbauteam erhält tatkräftige Unterstützung, die Stadt zuverlässige und motivierte Mitarbeiter. Und die neue Mitarbeiter selbst - sie freuen sich über eine sinnvolle Aufgabe, die damit verbundene Wertschätzung, natürlich über ein Gehalt und über unbefristete Arbeitsverträge. Denn, wie OB Seiler unterstreicht: "Das ist kein Projekt, das nach ein paar Jahren auslaufen soll, das ist ein Konzept und unsere neuen Mitarbeiter ein fester Bestandteil der Stadtverwaltung."
Die sechs Mitarbeiter - alle mit Beeinträchtigungen, die ihnen ansonsten eine Vermittlung auf dem ersten Arbeitsmarkt nahezu unmöglich gemacht hätten - werden neben ihrer Arbeit von der Sozialpädagogin Heike Bregler betreut, sie bringt auf einen Nenner, was Inklusion wirklich bedeutet: "Wir müssen hier nicht nach Arbeiten suchen, die erledigt werden müssen. Wir müssen schauen, welche Aufgaben jeder Einzelne individuell nach seinen Fähigkeiten hier übernehmen kann. Das läuft nicht immer ohne Reibung ab, aber wir sind alle nur Menschen und müssen uns manchmal eben zusammenraufen." Aber alles in allem verlaufe das seit Juli sehr positiv. Das können die neuen Mitarbeiter nur bestätigen.
"Ich arbeite gerne hier, mir macht das alles sehr viel Spaß"erzählt der 21-jährige Mark aus Lustadt begeistert von seiner Arbeit. Und Stefan, 22 - aus Speyer, ergänzt: "Ich war hier schon als Schüler Praktikant und es hat mir immer viel Freude gemacht. Ich bin froh, dass ich hier jetzt fest arbeiten kann. Rasenmähen und gießen mache ich am liebsten."

Andy Englert ist sich sicher, dass das auch so bleibt: "Alle arbeiten gern hier und es ist ja nicht so, dass es hier irgendwann mal keine Arbeit mehr gibt, hier gibt es für jeden immer was zu tun", lacht er. Und damit in Zukunft alle 25 Mitarbeiter des Friedhofs nicht nur gemeinsam arbeiten, sondern auch gemeinsam Pause machen können, wurden am Freitag die neuen Sozialräume im alten Gebäude der Friedhofsverwaltung gleich mit eröffnet.

Autor:

Heike Schwitalla aus Karlsruhe

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