Spiel- und Lernstube des Caritas-Zentrums in Neustadt Branchweiler feiert 25-jähriges Bestehen
Wertschätzung für soziale Arbeit

Die Leiterin der Spiel- und Lernstube Helga Deidesheimer (links) erläutert Gästen anhand von Fotos, wie sich die Einrichtung seit 1994 entwickelt hat.
  • Die Leiterin der Spiel- und Lernstube Helga Deidesheimer (links) erläutert Gästen anhand von Fotos, wie sich die Einrichtung seit 1994 entwickelt hat.
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Von Yvette Wagner

Neustadt. Ihren runden Geburtstag feierte die Spiel- und Lernstube des Caritas-Zentrums Neustadt im Stadtteil Branchweiler mit einem Tag der offenen Tür. Zum 25-jährigen Bestehen waren viele Kooperationspartner und Nachbarn gekommen. Darüber hinaus wird noch ein großes Straßenfest stattfinden.

Nach der Schule kommen Kinder von der ersten bis zur sechsten Klasse in die Spiel- und Lernstube, um Hausaufgaben zu machen, sich zu treffen, zu basteln und zu spielen. Sie bietet aber weit mehr als eine Kinderbetreuung, denn sie leistet soziale Arbeit für das ganze Quartier. Die Einrichtung organisiert Familienausflüge und Feste, zu denen alle Bewohner von Branchweiler eingeladen sind.

Sozialer Brennpunkt

Die Spiel- und Lernstube wurde 1994 gegründet in dem Stadtteil, wo viele soziale Probleme aufeinanderprallen, wo Menschen leben, die krank sind, über geringes Einkommen verfügen, ausländische Wurzeln besitzen oder als Obdachlose eine Unterkunft finden. Seit 25 Jahren arbeitet die Spiel- und Lernstube daran, Kinder aus Branchweiler zu fördern. Auf vielen Plakaten wurde deutlich, wie sich die Einrichtung entwickelt hat und was sie alles leistet.
Zunächst bezog sie eine Wohnung in der Kurt-Schumacher-Straße 7, der Brennpunktstraße des Quartiers. Die Räume waren spärlich eingerichtet. „Wir hatten kein Geld“, sagte Leiterin Helga Deidesheimer. Damals war ungewiss, ob sich die Spiel- und Lernstube überhaupt hält. Aber schon zwei Jahre später bekam die zweite Wohnung im Erdgeschoss hinzu, weil mehr Kinder kamen. Inzwischen gehören auch die beiden Wohnungen im ersten Obergeschoss zur Einrichtung, wo sich unter anderem der Hausaufgaben-Raum befindet. Eigentümer des Hauses ist die Wohnungsbaugesellschaft Neustadt (WBG). Sie stellt dem Jugendamt die Räume zur Verfügung, genutzt werden sie von der Spiel- und Lernstube. Heute gehen täglich etwa 27 Besucher ein und aus. Betreut werden sie von vier Festangestellten und einer Praktikantin. Unterstützt wird das Team von Ehrenamtlichen und Honorarkräften, die Arbeitsgemeinschaften leiten.

Schwierige Anfangszeit

Zum Tag der offenen Tür waren Kooperationspartnern, Vertretern der Kommunalpolitik, Kirchengemeinde, ehemaligen Mitarbeitern, Lehrkräften, Unterstützern und Nachbarn gekommen, um mit dem Team der Spiel- und Lernstube zu feiern. Neustadts Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer (CDU) blickte in seinem Grußwort auf die schwierige Anfangszeit zurück. Die Kommune habe Kritik geerntet, als sie die Spiel- und Lernstube unterstützte, berichtete er. Aber die Einrichtung sei ein Erfolgsprojekt und unverzichtbar. „Es macht Mut, dass wir soziale Verhältnisse strukturell beeinflussen und positiv verändern können.“ Das Ringen und der schwierige gemeinsame Weg mit der Caritas war letztlich „wichtig für diese Straße, für die Kinder und Jugendlichen und auch wichtig für die Bewusstseinsentwicklung in der Politik“. Die Spiel- und Lernstube sowie die Arbeit der Mitarbeiter werde wertgeschätzt. Daran gebe es keinen Zweifel, betonte Röthlingshöfer. Die Unterstützung für Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen sei heute so notwendig wie vor einigen Jahrzehnten.

Einblicke in Lebenswelten

Die Spiel- und Lernstube hatte sich anlässlich ihres Tags der offenen Tür gewünscht, dass Experten Einblicke in die Lebenswelten von benachteiligten Kindern und Jugendlichen geben. So erläuterte Dr. Mathias Wenk, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Neustadter Krankenhaus Hetzelstift, wie sich Armut auf das Leben und insbesondere auf die Gesundheit auswirkt. Kinder aus armutsbedrohten Familien haben Wenk zufolge „unheilvolle Voraussetzungen“. Er sprach von frühen Gesundheits- und Entwicklungsstörungen, von psychischen und psychosomatischen Beschwerden.
Mit Bildung und Teilhabe von Sinti und Roma beschäftigte sich Andren Bejta von der Bundesarbeitsgemeinschaft Romnokher in seinem Vortrag. Die Arbeitsgemeinschaft ist eine Interessensvertretung für Vereine und Organisationen der Sinti und Roma. Angehörige der Volksgruppen leben in Branchweiler. Bejta appellierte, Vorurteile, Ängste und Rassismus gegenüber Sinti und Roma abzubauen, die ihnen in den Bereichen Wohnen, Bildung und Gesundheit in hohem Maße begegneten.

Kritik am neuen Kita-Gesetz

Der Leiter des Caritas-Zentrums Neustadt, Johannes Keuck, führte durchs Programm und kritisierte den Entwurf des neuen rheinland-pfälzischen Kita-Gesetzes: „Ich suche vergebens in dem Gesetz nach Spiel- und Lernstuben.“ Auch Bürgermeister Rötlingshöfer empörte sich: Der Entwurf sage nichts über die künftige Finanzierung dieser Einrichtungen, obwohl sie vom Land stets als herausragende Beispiele für Quartiersarbeit gelobt würden. Die Spiel- und Lernstube wird von Land, der Stadt Neustadt und vom Träger, dem Caritasverband für die Diözese Speyer, finanziert, Projekte kommen dank Spenden zustande. Yw

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