Ausstellung zur NS-Zeit in Villa Böhm
Schatten der Gauhauptstadt

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„Allgemeinverständlich und akzentuiert wollen wir die Ereignisse für eine breite Öffentlichkeit präsentieren und den Bogen zum Heute schlagen.“ So charakterisiert Markus Raasch, habilitierter wissenschaftlicher Mitarbeiter der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, die Ausstellung „Volksgemeinschaft in der Gauhauptstadt. Neustadt und der Nationalsozialismus.“ Vorweg sei gesagt: Das Vorhaben ist gelungen. Gemeinsam mit Stadtarchivarin und Museumsleiterin Birgit Merkle ist er erleichtert, dass am Abend des 27. August endlich die für Dezember 2020 geplante Ausstellungseröffnung hatte stattfinden können. Oberbürgermeister Marc Weigel dankte in seinem Grußwort den Verantwortlichen und machte deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit wichtig für das Profil einer Demokratiestadt sei. Aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen konnte nur ein kleiner Kreis an der Eröffnung teilnehmen, darunter die Bundestagsabgeordnete Isabel Mackensen-Geis, Staatssekretär Matthias Frey, Neustadter Stadträte, Gedenkstättenleiter Eberhard Dittus und Museums-Fördervereinsvorsitzende Hildrud Funk. Mit dabei waren Veronica Andres aus Hamburg, die die gesamte Ausstellung konzipiert, geplant und gebaut hat, sowie Studierende der Universität Mainz, deren Recherche im städtischen Archiv und Befragung der Zeitzeugen zu einem Großteil der Forschungsergebnisse führte.
Vom 28. August bis 19. September wird die Ausstellung an Wochenenden von 11:00 Uhr bis 18:00 im Obergeschoss der Villa Böhm, Villenstraße 16, zu sehen sein. Die Ausstellung spiegelt auf Tafeln und durch Exponate das, was im rund tausendseitigen Buch gleichen Namens wissenschaftlich zusammengefasst wurde. Buch und Ausstellung entstanden durch ein Forschungsprojekt der Mainzer Universität in den Jahren 2017 bis 2019, das von der Stadt mitfinanziert wurde. Manches wurde durch die Ausstellung neu herausgestellt. Beispielsweise wird beim Thema „Fußball in der NS-Zeit“ gezeigt, dass Lazio Rom hier zu Gast war, was wohl mit Neustadts Rolle als Gauhauptstadt zusammenhing. Man erfährt, dass ab 1934 nur Jugendliche im Verein Fußball spielen durften, die in der HJ waren. Beim Schwerpunkt Musik kann man über einen QR-Code den RAP einer Studentin hören, die diesen für die Ausstellung komponiert hat. „Wir wollen vor allem junge Menschen und Schulen ansprechen“, erläutert Raasch, warum viele Sinne bedient und Mitmachstationen integriert wurden. Thematisch folgt die Ausstellung dem Konzept des Buches: Es wird die Frage geklärt, warum ausgerechnet Neustadt an der Haardt, das in der NS-Zeit in „an der Weinstraße“ umbenannt wurde, im Fokus steht. Dann geht es um die Themen „Wege ins und Alltag im Dritte Reich“, „Leben im Krieg“ und „Umgang mit der NS-Zeit“. Was beeindruckt: Biographien spielen in der Ausstellung immer eine zentrale Rolle. Beim Thema Zwangssterilisation stellt sich Anna den Besuchern vor, eine junge Frau, die kurz vor ihrer Hochzeit in die Mühlen des Systems gerät und sterilisiert wurde. Dass die Täter teils nach dem Krieg wieder fest im Sattel saßen, wird unter anderem an der Person des stellvertretenden Gauleiters Ernst Ludwig Leyser gezeigt. Dabei macht die Ausstellung deutlich, dass der Schatten dessen, was in der Gauhauptstadt zwischen 1933 und 1945 geschah, auch in der Nachkriegszeit lange nachwirkte. So brauchte es seine Zeit, bis eine ernste Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich gelang, auch wenn es durch Hermann Morweiser, Karl Fücks und Gerhard Wunder versucht wurde. Auch an sie erinnert die Ausstellung. Am Ende bietet ein Mitmachraum die Möglichkeit, seine eigene Position einzubringen. Begleitend zur Ausstellung gibt es Themenführungen, jeweils an Sonntagen um 15:00 Uhr, für die man sich anmelden muss. Am 29. August geht es um den „Umgang mit der NS-Vergangenheit 1945-2021“, am 5. September um den „Alltag im Nationalsozialismus“, am 12. 9. um „Terror und Verfolgung im Nationalsozialismus“ und am 19.9. um „Neustadt im Zweiten Weltkrieg.“ Für Schulen und Gruppen besteht jederzeit die Möglichkeit, nach vorheriger Anmeldung eine Führung zu buchen. Allerdings ist nur eine begrenzte Anzahl an Personen zugelassen und es gelten die jeweils gültigen Corona-Regeln. Für Buchungsanfragen und Anmeldungen gibt es die Mail-Adresse: ausstellung-nationalsozialismus@neustadt.eu.
Weitere Informationen auf der Website der Universität Mainz sowie auf der Website von Neustadt an der Weinstraße

Fotos: Michael Landgraf, Neustadt.

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Autor:

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