Freilegung der Malereien im Gewölbe der Stiftskirche Neustadt
Himmelsstifter gesucht

Für die „Himmelsstifter“ liegen Flyer mit Bestellcoupon in der Stiftskirche aus.
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Neustadt. Einen spannenden Ausflug ins Mittelalter unternimmt zur Zeit ein Restauratoren-Team in der Stiftskirche. In den luftigen Höhen des Südjost-Jochs der Stiftskirche werden nach Jahrhunderte langem Dornröschenschlaf die alten Malerein frei gelegt.Entdeckt wurden die zwischen den Bändern des gotischen Netzgratgewölbes befindlichen bemalten Deckensegel bereits während der umfassenden Kirchenrenovierung vor fünf Jahren. Eingerüstet sind momentan zwei Joche mit 16 Segeln, die darauf warten, ihre Bildprogramm verraten zu dürfen.
Wie die Chirurgen geht das Restauratoren-Team um Kirsten Harms an die Arbeit. Ausgestattet mit feinen Skalpells und Glasfaser-Radierern werden die feinen Tünchauflagen Schicht für Schicht rein mechanisch, das heißt ohne chemische Hilfsmittel, entfernt. Als großes Glück empfindet es Pfarrer Oliver Beckmann, dass die Arbeiten vom gleichen Team wie bei der 2013 erfolgten letzten großen Restaurierungsphase verrichtet werden. „So wissen wir, dass alles aus einer Hand funktioniert“, so Beckmann und fügt hinzu: „Es ist wie an Weihnachten beim Geschenkeauspacken, denn wir wissen nicht, welches Bildprogramm sich hinter dem Verputz verbirgt. Wir sind alle sehr gespannt auf die Überraschungen, die wir erleben werden“.
Wie lange die Freilegung noch dauert können die Restauratoren allerdings noch nicht absehen. „Zu unserer Überraschung, lassen sie die Farbschichten nicht so leicht abtragen wie wir dachten“, berichtet Restaurator Bruno Helmstetter. Zwar sind schon erste Motive erkennbar, das komplette Bildprogramm wartet indes noch auf seine Entschlüsselung, denn es gibt keine Aufzeichnungen über die Malereien, die vor einigen Jahrhunderten übermalt wurden. Fachleute vermuten, dass eine großflächige Malerei - möglicherweise mit floralen und figuralen Motiven - zu Tage treten werde.
Restauratorin Kirsten Harms, die auch schon die entdeckten Malereien im Mittelschiff zu Tage förderte, wird die Tünche–Schichten mit ihrem Team von den darunter liegenden Farbpigmenten vorsichtig entfernen, um sie dann entsprechend zu ergänzen und zu konservieren.
Dr. Stefan Ulrich, Vertreter der städtischen Denkmalpflege, der diese Maßnahme als Behörde vor Ort fachlich mitbetreuen wird, freut sich auf die Maßnahme und sieht ihr mit Spannung entgegen.
Und die Finanzierung? Laut Lutz Wiedmann, Vorsitzender des Presbyteriums, soll ein Teil der Gesamtkosten in Höhe von 85.000 Euro über ein Vermächtnis des mittlerweile verstorbene Ehrenpresbyters August Euler gedeckt werden, der der Stiftskirche einst ca. 35.000 Euro vermachte. Um die Restfinanzierung zu sichern, hat Christiane Conrad, die unermüdlich wirkende Vorsitzende des Bau- und Fördervereins der Stiftskirche, schon damit begonnen, Spenden einzusammeln. Mit dem Fundraisingprojekt „Schenken Sie ein Stück Himmel“ können alle Stiftskirchenliebhaber „Himmelsstifter“ werden, indem sie sich ein Teilstück aus den beiden Deckensegeln aussuchen und je nach Lage zwischen 25 und 500 Euro spenden. Bisher sind schon 12.000 Euro eingegangen. Entsprechende Flyer mit Bestellcoupon liegen in der Stiftskirche aus. Nähere Informationen können bei Christiane Conrad telefonisch eingeholt werden (0172 7166171).
Der Bau- und Förderverein ließ sich in diesem Zusammenhang eine besondere Aktion einfallen: Wer sich ein Bild von den Restaurierungsarbeiten machen möchte, kann gegen eine freiwillige Spende auf das mit einem Geländer gesicherte Rollgerüst klettern, sich die Freilegungen aus nächster Nähe anschauen und mit der Restauratorin ins Gespräch kommen. pac

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