Löwen kämpfen, Magdeburg siegt
Rhein-Neckar Löwen bieten lange Paroli,
- Conny das Maskottchen
- Foto: Wolfgang Neuberth
- hochgeladen von Wolfgang Neuberth
Löwen kämpfen, Magdeburg siegt
Rhein-Neckar Löwen bieten dem Deutschen Meister lange Paroli, müssen sich am Ende aber deutlich mit 23:31 geschlagen geben – David Späth glänzt vor 10.511 Zuschauern
50 Minuten lang durften die 10.511 Zuschauer in der Mannheimer SAP Arena zumindest auf eine Überraschung hoffen. Die Rhein-Neckar Löwen lieferten dem amtierenden Deutschen Meister SC Magdeburg einen leidenschaftlichen Kampf, zeigten Moral und begeisterten mit sehenswerten Aktionen. Doch als es in die entscheidende Phase ging, offenbarte sich einmal mehr der Unterschied zwischen einer Mannschaft, die um den Anschluss an die Spitze kämpft, und einem eingespielten Meisterteam. Am Ende stand eine deutliche 23:31-Niederlage, die allerdings nur bedingt widerspiegelte, wie hartnäckig sich die Badener gegen den großen Favoriten gewehrt hatten.
Für Löwen-Trainer Michel Abt war es eine weitere Standortbestimmung nach dem Trainerwechsel. Der Nachfolger von Maik Machulla hatte unter der Woche angekündigt, den positiven Aufschwung aus dem Auswärtsspiel beim THW Kiel mitnehmen zu wollen. Und tatsächlich zeigte seine Mannschaft über weite Strecken eine Vorstellung, die Mut für die kommenden Aufgaben machen dürfte. Allerdings wurde auch deutlich, dass es den Löwen weiterhin an der nötigen Konstanz fehlt.
Dabei begann die Begegnung alles andere als vielversprechend. Die Gäste legten sofort ein hohes Tempo vor und führten schnell mit 3:0. Während die Magdeburger ihre Angriffe zielstrebig abschlossen, fanden die Löwen zunächst kaum Lösungen gegen die kompakte Abwehr des Deutschen Meisters. Immer wieder drohte den Gastgebern das Zeitspiel. Doch die Mannschaft von Michel Abt ließ sich von diesem Fehlstart nicht aus der Ruhe bringen.
Vor allem Torhüter David Späth entwickelte sich einmal mehr zum großen Rückhalt. Mit spektakulären Paraden brachte der Nationaltorhüter die Magdeburger Angreifer wiederholt zur Verzweiflung. Bereits in der ersten Halbzeit entschärfte er neun Würfe. Seine Vorderleute fanden zunehmend Zugriff in der Abwehr und arbeiteten sich Tor um Tor heran.
Als Tim Nothdurft den Ausgleich erzielte und Kreisläufer Jannik Kohlbacher die Löwen in der 15. Minute erstmals mit 7:6 in Führung brachte, verwandelte sich die SAP Arena in einen Hexenkessel. Die Fans spürten, dass ihre Mannschaft dem Favoriten durchaus gefährlich werden konnte.
Doch Magdeburgs Erfolgstrainer Bennet Wiegert hatte seine Mannschaft bestens auf solche Situationen vorbereitet. Die Gäste bewahrten die Ruhe, erhöhten wieder das Tempo und übernahmen mit zwei Treffern Vorsprung erneut die Führung. Die Löwen hielten dagegen und schafften in der 24. Minute noch einmal den Ausgleich. In den letzten Minuten vor dem Seitenwechsel gerieten die Gastgeber jedoch erneut ins Hintertreffen. Eine Zeitstrafe gegen Haukur Thrastarson erschwerte die Situation zusätzlich. Mit einem 12:16-Rückstand ging es in die Kabinen.
Was sich unmittelbar nach Wiederbeginn abspielte, ließ die Hoffnungen der Löwenfans erneut wachsen. Wie verwandelt kamen die Gastgeber aus der Halbzeitpause. Die Abwehr stand sicher, Späth glänzte mit weiteren Paraden und im Angriff übernahm Dani Baijens Verantwortung. Mit einem beeindruckenden 4:0-Lauf egalisierten die Badener innerhalb kürzester Zeit den Rückstand. Beim 16:16 war die Begegnung wieder völlig offen.
Doch der Deutsche Meister zeigte sich wenig beeindruckt. Während die Löwen mehrfach am Aluminium scheiterten, nutzten die Magdeburger ihre Möglichkeiten konsequenter. Schnell hatten sich die Gäste wieder auf 20:17 abgesetzt. Aber auch diesmal gaben sich die Gastgeber nicht geschlagen. Angetrieben vom Publikum kämpften sie sich erneut heran. Späth parierte seinen zweiten Siebenmeter, Baijens setzte sich energisch durch und verkürzte auf 20:21. Die Überraschung schien weiterhin möglich.
Gerade in dieser Phase zeigte sich allerdings, was den Löwen derzeit noch fehlt. Statt den Ausgleich zu erzielen, ließen sie beste Möglichkeiten liegen. Freie Würfe fanden nicht den Weg ins Tor, ein Siebenmeter wurde vergeben, und zunehmend schlichen sich technische Fehler ein. Gegen eine Mannschaft von der Qualität des SC Magdeburg bleiben solche Nachlässigkeiten selten unbestraft.
Die Gäste nutzten die Schwächephase konsequent aus. Mit ihrer individuellen Klasse und ihrer eingespielten Offensive setzten sie sich immer deutlicher ab. Besonders Gísli Kristjánsson und Ómar Ingi Magnússon sorgten dafür, dass die Löwenabwehr zunehmend unter Druck geriet. Die Gastgeber fanden kaum noch Antworten auf das variable Angriffsspiel des Meisters.
Die Partie war entschieden, doch die Unterstützung von den Rängen ließ nicht nach. Viele der 10.511 Zuschauer erhoben sich von ihren Plätzen und feuerten ihre Mannschaft bis zum Schlusspfiff an. Sie honorierten damit eine kämpferische Leistung, die trotz des deutlichen Ergebnisses durchaus Anerkennung verdiente.
Michel Abt machte aus seiner Enttäuschung nach der Begegnung keinen Hehl. „Wir haben uns für das Heimspiel extrem viel vorgenommen“, erklärte der Löwen-Trainer. Nach dem missglückten Beginn habe seine Mannschaft mit einer guten Härte in der Abwehr die Halle mitgenommen. Doch dann sprach er ein Problem an, das sich wie ein roter Faden durch die Partie gezogen hatte: „Aber wir haben in beiden Hälften nach 15 bis 20 Minuten einen Bruch in unserem Spiel. Das tut extrem weh.“
Gleichzeitig bedankte sich Abt ausdrücklich bei den Anhängern. „Es ist was ganz Besonderes, dass die Fans so zu uns stehen.“ Diese Unterstützung werde seine Mannschaft auch in Zukunft brauchen.
Für die Rhein-Neckar Löwen bleibt nach dieser Niederlage eine zwiespältige Bilanz. Einerseits haben sie bewiesen, dass sie auch gegen einen europäischen Spitzenverein phasenweise auf Augenhöhe spielen können. Andererseits reichen Leidenschaft, Kampfgeist und ein überragender Torhüter allein nicht aus, wenn im entscheidenden Moment die nötige Präzision fehlt.
Mit 15 Paraden, darunter zwei gehaltenen Siebenmetern, war David Späth einer der auffälligsten Akteure auf dem Spielfeld. Erfolgreichster Löwen-Werfer war Jannik Kohlbacher mit sechs Treffern, gefolgt von Haukur Thrastarson und Dani Baijens mit jeweils vier Toren. Auf Magdeburger Seite traf Magnússon siebenmal.
Für Michel Abt und seine Mannschaft gilt es nun, aus den guten Phasen Selbstvertrauen zu schöpfen und die wiederkehrenden Leistungseinbrüche abzustellen. Denn eines wurde an diesem Handballabend deutlich: Das Potenzial ist vorhanden, doch um gegen die Spitzenmannschaften der Bundesliga zu bestehen, müssen die Löwen ihre Leistung über 60 Minuten auf die Platte bringen.
Autor:Wolfgang Neuberth aus Mannheim |
|
| Wolfgang Neuberth auf Facebook | |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.