Schillertage Mannheim
Wegen Corona-Pandemie vor allem im digitalen Raum

Eine Szene aus der mit mehreren Preisen ausgezeichneten Produktion "Maria Stuart" des Deutschen Theaters Berlin.
  • Eine Szene aus der mit mehreren Preisen ausgezeichneten Produktion "Maria Stuart" des Deutschen Theaters Berlin.
  • Foto: Arno Declair
  • hochgeladen von Christian Gaier

Mannheim. 0111001101100011011010000110100101101100011011000110010101110010 – lautet der Binärcode für »Schiller«. Eine Übersetzung, die für die 21. Ausgabe der Internationalen Schillertage von Bedeutung ist, da das Festival in diesem Jahr pandemiebedingt vor allem im digitalen Raum stattfindet. Gleichzeitig werden unter freiem Himmel im NTM-Park, einer exklusiv errichteten Rauminstallation vor dem Theatergebäude, sowie im Stadtraum künstlerische Arbeiten gezeigt, für die man sich nicht in größerer Zahl versammeln muss.

Bereits seit 1978 zeigen die Internationalen Schillertage herausragende Neuinterpretationen von Friedrich Schillers Werken, dem ersten Mannheimer Hausautor. Sie setzen seine Themen, Ideen und Texte mit internationalen Gastspielen, Eigen- und Koproduktionen sowie einer Festivalakademie ins Verhältnis zu unserer Zeit. Ausgehend von Schillers Stück "Die Jungfrau von Orleans", in dem es der jungen Protagonistin Johanna gelingt, verfeindete französische Truppen zusammenzuführen, um einen gemeinsamen Feind zu besiegen, wird die Frage gestellt, was wir heute erreichen können, wenn wir zusammenhalten. Wen schließt unser Zusammenhalt aus? Diesen und vielen anderen Bedeutungsmöglichkeiten von "zusammen" widmen sich die Schillertage in diesem Jahr. "Drinnen, (draußen und) online!" suchen sie nach Möglichkeiten, trotz Abstandsgebot zusammenzukommen.

Das zehntägige Festival, das vom 17. bis 27. Juni 2021 stattfindet, wird mit der Eigenproduktion von Friedrich Schillers "Die Jungfrau von Orleans" in der Regie der vielfach ausgezeichneten polnischen Regisseurin Ewelina Marciniak, die zuletzt 2020 den FAUST-Preis für die beste Regie erhielt, eröffnet. Zu Gast im Schiller-Stream auf www.schillertage.de samt künstlerischen Nachgesprächen sind außerdem die Inszenierung "Wilhelm Tell" des Deutschen Nationaltheaters Weimar in der Regie von Jan Neumann, die mit mehreren Preisen ausgezeichnete Produktion "Maria Stuart" des Deutschen Theaters Berlin (Regie: Anne Lenk) und Antú Romero Nunes Schiller-Mix "Ode an die Freiheit" vom Thalia Theater Hamburg. Eingeladen war zudem die Inszenierung "Räuber*innen" (Regie: Leonie Böhm) der Münchner Kammerspiele. Da ein digitaler Stream der Vorstellung nicht möglich ist, beschreiben Leonie Böhm und Ensemblemitglieder stattdessen in einem Gespräch, wie sie aus Schillers philosophischen Konzepten von Spiel und Freiheit eine kollektive Arbeitsweise abgeleitet haben.

Die Schillertage erproben in diesem Jahr neue Formen der Kooperation mit freien Kulturinstitutionen Mannheims. Gemeinsam mit dem Theaterhaus G7 ("Made of Mannheim" von Javaad Alipoor und Chris Thorpe), dem EinTanzHaus ("Niemandsland" von Dimitri de Perrot) und zeitraumexit ("Knochenarbeit" von Vanessa Stern) werden drei Projekte zur Uraufführung gebracht, die gemeinsam entwickelt wurden und die die Vielfalt der künstlerischen Profile der einzelnen Häuser widerspiegeln.
Zudem spannen die diesjährigen Schillertage einen Bogen von Mannheims erstem Hausautor zur Hausautorin der vergangenen Spielzeit Sivan Ben Yishai. Ihr neues Stück "Wounds Are Forever (Selbstporträt als Nationaldichterin)", ein Auftragswerk des Nationaltheaters Mannheim, entsteht als Koproduktion mit dem Theater Rampe Stuttgart und wird von Marie Bues zur Uraufführung gebracht.

Die Schillertage machen es sich zudem zur Aufgabe, jungen Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit zu bieten, neue kreative Ideen zu erproben. So entstehen vier Projekte im Rahmen einer Kooperation mit der Hessischen Theaterakademie. Die hfs_ultras, ein Kollektiv junger Regisseurinnen (Absolventinnen der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Berlin) produzieren mit ihren »Geisterspielen« eine Serie von Kurzfilmen für die Schillertage.

Das von dem Leipziger Künstlerduo Situation Room (Sven Bergelt und Kai-Hendrik Windeler) entworfene Festivalzentrum NTM-Park auf dem Theatervorplatz lädt (wenn schon nicht zum Versammeln) zum Verweilen ein. Hier sind unter anderem die interaktiven Installationen "Inter-face" von Benjamin Vandewalle und "Washing Hands" von Daan’t Sas und Lotte van den Berg zu erleben, ebenso wie "Ein Tag im Licht", eine Langzeitperformance von und mit Robin Krakowski. Außerdem starten im NTM-Park verschiedene Audiowalks und Stadtspaziergänge. 

In vier anlässlich der Schillertage durchgeführten Ausgaben der Gesprächsreihe "SWR2 Forum" greift der Kulturpartner SWR2 das Motto der diesjährigen Schillertage auf. Parallel zum Festivalprogramm wird mit der Schillerwelle in Kooperation mit dem freien Radio bermuda.funk ein eigenes Festivalradio eingerichtet, das neben der populären Schillertage-Konzertreihe "Schill-Outs" ein täglich wechselndes Programm aus dem Festivalzentrum präsentiert.

Diese und viele weitere Veranstaltungspunkte sind Gegenstand des Festivalprogramms der 21. Internationalen Schillertage, auf die man sich ab sofort mit der "Schillerschachtel" einstimmen kann. Auf diese Art kommt ein Stück Festival nach Hause. ps

Autor:

Christian Gaier aus Mannheim

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