Özdemir in Mannheim: Warum Teilhabe über den Zusammenhalt der Gesellschaft entscheidet
- Ministerpräsident Cem Özdemir besuchte im Rahmen seiner Sommertour das Kupfer in Mannheim.
- Foto: Miriam Diaz Gómez (Camera Diaz)
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Mannheim. Bei seiner Sommertour besuchte Ministerpräsident Cem Özdemir den Treffpunkt Kupfer von Ausweg Rhein-Neckar in Mannheim. Dort sprach er über Armut, Wohnungsnot und die Frage, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt gelingen kann.
„Unserem Land geht es nur so gut wie dem schwächsten Glied“
Armut bekämpfen, Teilhabe ermöglichen und Menschen am Rand der Gesellschaft stärker in den Blick nehmen: Diese Botschaft stand im Mittelpunkt des Besuchs von Ministerpräsident Cem Özdemir bei Ausweg Rhein-Neckar e.V. in Mannheim.
Im Rahmen seiner Sommertour machte Özdemir Station im Treffpunkt Kupfer, einem Begegnungsort für Menschen mit schwierigen Lebenslagen. Der Verein gehört zum Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg und setzt sich gegen Armut, Ausgrenzung und soziale Isolation ein.
„Unserem Land geht es nur so gut wie dem schwächsten Glied in der Kette“, betonte Özdemir im Gespräch mit Mitarbeitenden und Betroffenen. Die Stabilität einer Gesellschaft hänge davon ab, ob es gelinge, Armut zu reduzieren und soziale Teilhabe zu sichern.
Wohnungsnot als zentrale soziale Herausforderung
Besonders deutlich wurde der Ministerpräsident beim Thema Wohnen. Die Landespolitik könne zwar nicht alle Probleme lösen, bei der Wohnungsnot jedoch konkrete Maßnahmen voranbringen.
Özdemir sprach sich dafür aus, die Mietpreisbremse neu zu verhandeln, den Wohnungsbau stärker zu fördern und Genehmigungsverfahren zu entbürokratisieren. Zudem müssten Kommunen bei ihren freiwilligen sozialen Leistungen stärker unterstützt werden.
Für viele Menschen seien steigende Mieten inzwischen ein entscheidender Faktor dafür, ob gesellschaftliche Teilhabe überhaupt möglich sei.
Ausweg Rhein-Neckar: Hilfe auf Augenhöhe
Die Verantwortlichen von Ausweg Rhein-Neckar werteten den Besuch als wichtiges Signal für Menschen, die häufig keine politische Lobby haben.
„Teilhabe ist Handwerk, keine Rhetorik“, machte Dr. Verena Mayer deutlich. Der Verein arbeite täglich daran, Menschen in prekären Lebenssituationen zu stabilisieren und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen.
Dabei gehe es nicht nur um konkrete Unterstützung, sondern auch darum, Scham abzubauen und Betroffene wieder stärker in gesellschaftliche Prozesse einzubinden. Armut sei häufig nicht selbst verschuldet, sondern das Ergebnis struktureller Rahmenbedingungen, die politisch beeinflusst werden könnten.
Demokratie braucht soziale Sicherheit
Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg sieht in Armut nicht nur ein soziales, sondern auch ein demokratisches Problem.
Wer jeden Tag um seine Existenz kämpfen müsse, habe oft weder die Zeit noch die Möglichkeiten, sich politisch zu beteiligen. Fehlender Zugang zu Informationen, kein fester Wohnsitz oder mangelnde Ressourcen könnten dazu führen, dass Menschen von demokratischen Prozessen ausgeschlossen werden.
Deshalb fordern der Verband und seine Mitgliedsorganisationen bessere Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe. Dazu gehören existenzsichernde Einkommen, niedrigschwellige Zugänge zu Bildung, Gesundheit und Kultur, die Beteiligung Betroffener an politischen Entscheidungen sowie mehr bezahlbarer Wohnraum.
Ein Treffpunkt gegen Ausgrenzung
Ausweg Rhein-Neckar wurde 2022 teilweise von Menschen mit eigener Armutserfahrung gegründet. Mit dem Treffpunkt Kupfer hat der Verein einen sogenannten „dritten Ort“ geschaffen, der Beratung, gegenseitige Unterstützung und Mitbestimmung miteinander verbindet.
Besonders angesprochen werden Menschen, die aufgrund von Scham, negativer Erfahrungen mit Behörden oder sozialer Isolation klassische Hilfsangebote nicht nutzen. Ziel ist es, ihnen wieder ein Stück Würde, Gemeinschaft und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Der Besuch des Ministerpräsidenten machte deutlich: Die Diskussion über Armut ist längst nicht nur eine sozialpolitische Frage. Sie berührt den Kern des gesellschaftlichen Zusammenhalts und damit die Zukunft der Demokratie.
Autor:Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen |
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