Mannheimer Studie zeigt Lücken beim Schutz vor Hitze
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Mannheim. Viele Menschen erkennen Hitzerisiken. Im Alltag fehlt aber oft der klare Punkt, ab wann sie sich wirklich schützen sollten. Genau das zeigt eine neue Studie der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg.
Am Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit hat ein Team unter der Leitung von Vincent Brugger erstmals systematisch untersucht, wie Menschen in Deutschland Wetterinformationen deuten und ab wann sie Schutzmaßnahmen gegen Hitze und UV-Strahlung planen. Wie die Medizinische Fakultät Mannheim mitteilt, fehlt es beim Hitzeschutz an leicht verständlichen Schwellenwerten. Außerdem verstehen viele Menschen die physiologisch wichtige gefühlte Temperatur offenbar nicht so gut wie die maximale Lufttemperatur.
Die Forschenden befragten dafür rund 2.000 Personen in einer bevölkerungsrepräsentativen Untersuchung. Die Teilnehmenden bekamen Wetterberichte vorgelegt und sollten angeben, wie sie sich bei einer geplanten Nachmittagsaktivität in der Stadt verhalten würden.
Warum Hitze im Alltag oft unterschätzt wird
Die Studie nennt drei zentrale Ergebnisse. Erstens orientieren sich viele Menschen bei ihren geplanten Maßnahmen vor allem an der maximalen Lufttemperatur und nicht an der gefühlten Temperatur. Zweitens gibt es beim UV-Schutz klare Schwellenwerte, die viele kennen. Beim Hitzeschutz fehlt ein vergleichbares Verständnis. Drittens verbessern Warnsysteme zwar die Schutzabsicht, sie schaffen aber keine intuitiven Wenn-Dann-Regeln, solange Schwellenwerte nicht bekannt sind.
Die immer heißer werdenden Sommer führen laut Studie schon jetzt zu mehr hitzebedingten Erkrankungen und Todesfällen in Deutschland. Das Robert Koch-Institut schätzt in seinem bundesweiten Monitoring, dass im bisherigen Sommer rund 16.300 Menschen aufgrund von Hitze starben. Professor Dr. Falko Sniehotta, Leiter des Zentrums in Mannheim und Letztautor der Studie, sagt: „Durch den voranschreitenden Klimawandel und eine alternde Bevölkerung erwarten wir für die Zukunft eine weitere Zuspitzung sowohl der Belastung als auch der Anfälligkeit der Menschen durch Hitze. Darauf müssen wir die Bevölkerung vorbereiten“.
Die Weltgesundheitsorganisation und die Weltorganisation für Meteorologie empfehlen regionale Warnsysteme für heiße Tage. Solche Warnungen verbessern nachweislich das Präventionsverhalten. Nach Einschätzung der Forschenden reicht das allein aber nicht aus. Menschen brauchen demnach einfache Regeln für den Alltag, etwa wann Trinken, Schatten oder der Verzicht auf Aktivitäten im Freien sinnvoll sind.
Vincent Brugger fasst die Ergebnisse so zusammen: „Die Studie zeigt, dass wir für eine wirksame Prävention klare, leicht verständliche Hitzeschwellen brauchen – analog zum UV-Index. Sie sorgen dafür, dass Menschen intuitiv rechtzeitig handeln“.
Die Autoren empfehlen deshalb, die Kommunikation bei Hitze stärker an klaren Schwellenwerten auszurichten und die gefühlte Temperatur verständlicher zu vermitteln. Falko Sniehotta ergänzt: „Und natürlich müssen wir in Feldstudien überprüfen, ob sich geplante Schutzmaßnahmen auch in tatsächliches Verhalten übersetzen“.
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |