Abschluss des Projekts „Mannheim spricht“
Einander verstehen lernen

Elizabeth McCormick war eine von 170 Teilnehmenden.
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  • Elizabeth McCormick war eine von 170 Teilnehmenden.
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Von Christian Gaier

Mannheim. Verständnis für andere Standpunkte und Meinungen zu entwickeln und den Gesprächspartner verstehen, anstatt ihn im verbalen Clinch niederzuringen – das waren Anliegen des Projekts „Mannheim spricht“, das am vergangenen Samstag mit den Treffen der Gesprächspaare in und rund um die Abendakademie endete.

Über vier Wochen hatten Interessierte Zeit, sich über die Internetseite von „Mannheim spricht“ anzumelden. Sieben Fragen waren dort zu beantworten, man musste sich registrieren und bekam dann einen Gesprächspartner vorgeschlagen, der zu möglichst vielen Fragen unterschiedliche Antworten gegeben hatte. Wenn beide Seiten zustimmten, konnten die Paare gemeinsam ein Treffen für das Gespräch vereinbaren.
Elizabeth McCormick hatte von „Mannheim spricht“ aus dem „Wochenblatt Mannheim“ erfahren. Sie hatte sich am Freitag mit ihrem Gesprächspartner getroffen. „Es war sehr schön“, bewertete sie ihr Gespräch. Mit ihrem Ehemann lebt die US-Amerikanerin seit Mai in Mannheim. „Für mich ist es wichtig, meine neue Stadt kennenzulernen und verschiedene Meinungen zu hören“, sagt die 34-Jährige. Als sie vom Projekt „Mannheim spricht“ erfuhr, „dachte ich, das ist genau das, was ich brauche“.

Spannende Diskussionen über sensible Themen

Elizabeth McCormick hat auch an den beiden Workshops zum Thema „Konstruktive Kommunikation“ teilgenommen, den das Mannheimer Bündnis für ein Zusammenleben in Vielfalt und die Abendakademie angeboten hatten. „Ich dachte zunächst, wofür brauche ich fünf Stunden, um zu lernen, wie man über kontroverse Themen spricht, aber es hat dann wirklich Spaß gemacht“, schildert die aus dem US-Bundesstaat Alabama stammende Neu-Mannheimerin. Sehr interessant fand sie die Diskussion über „Themen, die sehr sensibel waren“, wie die Frage „Leben wir in einer Diktatur“. „Wir haben uns dann draußen getroffen, in einem Park in Almenhof und über viele Themen gesprochen“, schilderte Elizabeth McCormick.
Nicht immer waren sie und ihr Gesprächspartner einer Meinung gewesen, aber „wir waren eigentlich gar nicht so unterschiedlich“, berichtete sie. Eine autofreie Innenstadt etwa wünschte sie sich ebenso wie ihr Gesprächspartner. Das Gespräch sei ihr fast zu harmonisch gewesen. „Es wäre fast schöner gewesen, wenn es jemand gewesen wäre, der ganz anders ist als ich“, sagt sie.
Angelika Hornig hatte „Mannheim spricht “ auf der Webseite der Stadt entdeckt. „Ich fand es von Anfang an sehr interessant, weil ich in letzter Zeit schon nach Austausch gesucht habe. Ich war mir aber auch unsicher, mich mit jemand zu treffen, der einem total unbekannt ist“, erzählt die Umweltschutzingenieurin, die bei der Gemeinde Heddesheim als Klimaschutzbeauftragte arbeitet. „Ich habe dann im Bekanntenkreis gefragt, ob jemand mitmacht, aber das haben alle verneint. Da dachte ich, egal, ich melde mich an, denn ich fand, das ist eine sehr gute Sache“, erklärte sie.

Autofreie Innenstadt als Ausgangspunkt

Angelika Hornig traf sich am Samstag mit ihrem Gesprächspartner. Zwei Stunden unterhielten sie sich in der Cafeteria der Abendakademie. Von den sieben Fragen hatten sie nur eine unterschiedlich beantwortet – jene zur autofreien Innenstadt: sie dafür, er dagegen. „Wir waren beide anfangs noch aufgeregt und sind dann über die Frage zur autofreien Innenstadt miteinander ins Gespräch gekommen. Ich fand seine Argumente interessant, weil sie Aspekte beleuchtet haben, über die ich noch gar nicht nachgedacht hatte“, schilderte sie. Jemand, der, wie sie, nicht in der Innenstadt lebe, habe zu diesem Thema einen anderen Zugang, als der- oder diejenige, die in den Quadraten zuhause ist, konkretisierte sie.
Was sie und ihren Gesprächspartner umgetrieben habe, „war das Leben miteinander, wie das gestaltet ist und wie die Menschen miteinander umgehen“. Angelika Hornig wünscht sich, dass künftig auch andere Projekte Menschen aus Mannheim zusammenbringen, mit denen man gemeinsam Ideen entwickeln könne, die Stadt mitzugestalten. Es gebe zwar bereits vielfältige Beteiligungsangebote, aber die Mannheimerin wünscht sich, künftig noch mehr mitwirken zu können. „Deshalb ist so ein Austauschformat wie Mannheim spricht auch sinnvoll, denn dass Menschen einander kennenlernen und lernen einander besser zu verstehen, ist eine wichtige Grundlage für ein gelingendes Zusammenleben“, sagte sie.
Angelika Hornig wünscht sich, dass „Mannheim spricht“ in Zukunft regelmäßig angeboten wird, wobei man sich dann auf bestimmte Themen oder Themenbereich fokussieren könnte. Ein weiterer Wunsch von ihr ist, dass sich die Teilnehmer künftig regelmäßig treffen und dabei auch etwas gemeinsam machen, etwa gemeinsam kochen. Mit ihrem Dialogpartner hat sie jedenfalls bereits weitere Gesprächstreffen vereinbart. Wie Elizabeth McCormick ist auch sie im Nachhinein dankbar, dass die Workshops zum Thema Konstruktive Kommunikation angeboten wurden. „Es war schon wichtig, weil ich dann das Gefühl hatte, mich auf das Gespräch vorbereiten zu können“, sagte sie.

Bunt gemischte Schar der Dialogsuchenden

Insgesamt hatten sich 170 Interessenten gemeldet, informierte Monika Simikin von der Mannheimer Abendakademie, die als Projektleiterin fungierte. Eine Zahl, mit der die Organisatoren zufrieden waren. „Sehr bunt gemischt“ sei die Schar der Dialogsuchenden im Alter von 18 bis 78 Jahre gewesen. „Auffallend war, es waren mehr jüngere und mehr ältere Teilnehmer, die mittlere Altersgruppe war unterrepräsentiert. Und: Es waren mehr Männer als Frauen“, informierte Monika Simikin.
Ergebnisse von „Mannheim spricht“ werden auf den Einander Aktionstagen vom 25. September bis 24. Oktober vorgestellt. Geplant sind zudem ein Betzavta-Workshop im November und ein Abschlussworkshop mit den Beteiligten.

Elizabeth McCormick war eine von 170 Teilnehmenden.
Autor:

Christian Gaier aus Mannheim

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