175 Jahre St. Josef in Käfertal
Ein Zuhause, das Kindern Zukunft schenkt
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Ein Zuhause, das Kindern Zukunft schenkt
Katholisches Kinder- und Jugendheim feiert Jubiläum – Mehr als 200 Gäste würdigen eine der ältesten sozialen Einrichtungen Mannheims
Manchmal braucht es mehr als ein Dach über dem Kopf, damit Kinder und Jugendliche ihren Weg ins Leben finden. Geborgenheit, Vertrauen, Zuwendung und Menschen, die ihnen auch in schwierigen Situationen zur Seite stehen. Seit 175 Jahren ist das Katholische Kinder- und Jugendheim St. Josef in Käfertal ein solcher Ort. Was am 25. September 1851 als „Katholische Waisen- und Rettungsanstalt für herumstreunende Mädchen“ begann, ist heute eine moderne Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe, die rund 200 jungen Menschen Schutz, Halt und neue Perspektiven bietet. Mit einem Festgottesdienst und einem Festakt wurde dieses außergewöhnliche Jubiläum gefeiert.
Den Auftakt bildete ein Gottesdienst in der Käfertaler St.-Laurentius-Kirche. Lukas Glocker, Leiter der Katholischen Stadtkirche, stellte in seiner Predigt zum Markusevangelium die Sehnsucht der Menschen nach einem gelingenden Leben in den Mittelpunkt. Doch nicht jedes Kind wachse unter idealen familiären Bedingungen auf. „Umso wichtiger sind Orte, an denen Leben auch jenseits idealer Voraussetzungen gelingen kann“, betonte Glocker. Einen solchen Ort hätten engagierte Menschen bereits vor 175 Jahren in der Wormser Straße geschaffen.
Mehr als 200 Gäste kamen anschließend im DJK Sport- und Gemeindezentrum zusammen, um auf die wechselvolle Geschichte der Einrichtung zurückzublicken. Unter ihnen befanden sich Oberbürgermeister Christian Specht, Regierungspräsident Alexander Föhr, Bernhard Markgraf von Baden, der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Fulst-Blei sowie zahlreiche Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft. Eine Ausstellung, ein Jubiläumsfilm und eine Festschrift ließen die Entwicklung von St. Josef lebendig werden.
Vom Waisenhaus zur modernen Jugendhilfe
Wie sehr sich die Anforderungen verändert haben, verdeutlichte Einrichtungsleiterin Petra Weber. Besonders in den vergangenen 25 Jahren habe die Kinder- und Jugendhilfe einen grundlegenden Wandel erfahren. Während früher häufig ordnungsrechtliche und eingreifende Maßnahmen im Vordergrund standen, sei daraus ein moderner, inklusiver und partnerschaftlich ausgerichteter Bereich geworden.
Kinder, Jugendliche und ihre Eltern würden heute aktiv in Entscheidungen und Hilfeplanungen einbezogen. Die Unterstützung orientiere sich stärker an ihrem unmittelbaren Lebensumfeld. Auch die Organisationsformen hätten sich verändert. Neben dem Haupthaus in Käfertal und den Außenstellen St. Agnes in der Neckarstadt-West sowie der Außenwohngruppe in Schriesheim-Altenbach seien kleinere Wohngruppen entstanden. Dazu zählen das Kindernest und der Campus FLoRA.
Dass die Beteiligung junger Menschen keine neue Idee ist, zeigt die bereits 1999 gegründete Jugendinteressenvertretung. Hinzu kommt ein Beschwerdemanagement, das den Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten eröffnet, ihre Anliegen vorzubringen.
Immer wieder musste sich St. Josef neuen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen. So wurden während der großen Migrationsbewegungen 2015 spezielle Angebote für unbegleitete minderjährige Geflüchtete geschaffen. Auch die Corona-Pandemie verlangte den Mitarbeitenden und den betreuten jungen Menschen viel ab. Bei allen Veränderungen bleibe jedoch eine Grundlage unverändert, betonte Weber: „Inmitten all dieser Dynamik bleibt die Identität unserer Einrichtung fest im christlichen Menschenbild verankert.“
Ein besonderer Partner für Mannheim
Wie wichtig St. Josef für die Stadt ist, machte Oberbürgermeister Christian Specht in einer sehr persönlichen Ansprache deutlich. Dabei fand er Worte, die weit über die üblichen Grußbotschaften eines Jubiläums hinausgingen. „St. Josef ist ein wichtiger Partner für die Stadt Mannheim“, betonte er und schilderte Situationen, in denen selbst erfahrene Sozialarbeiter und Pädagogen an ihre Grenzen stoßen.
Wenn beispielsweise unbegleitete minderjährige Jugendliche am Mannheimer Hauptbahnhof ankommen oder schwierige Fälle dringend eine Lösung verlangen, sei die Einrichtung häufig die letzte Anlaufstelle. „Wir verlassen uns auf euch und wir wissen, wir sind nie verlassen, wenn wir bei euch anrufen“, sagte Specht und dankte Petra Weber und ihrem Team ausdrücklich auch im Namen der Mitarbeitenden der Stadtverwaltung.
Besonders eindringlich wurde seine Rede, als er über die Voraussetzungen einer glücklichen Kindheit sprach. Nicht alle jungen Menschen hätten das Glück, in einer Familie aufzuwachsen, in der sie bedingungslose Liebe und verlässliche Vorbilder erfahren. Er selbst wisse aus seiner Kindheit, wie unterschiedlich die Lebensverhältnisse selbst innerhalb eines einzigen Mietshauses sein könnten.
Zwei Begriffe stellte der Oberbürgermeister deshalb in den Mittelpunkt: „Vorbild und Liebe“. Beides seien entscheidende Voraussetzungen für eine gute Erziehung. Genau darin liege die besondere Leistung der Mitarbeitenden von St. Josef. Sie müssten auch in schwierigen und belastenden Situationen Halt geben, Verständnis zeigen und Vorbild sein.
Zugleich verwies Specht auf die wachsenden Herausforderungen der Jugendhilfe. Allein der entsprechende Etat der Stadt Mannheim steige im kommenden Jahr um zwölf Millionen Euro, vor allem wegen zunehmender Fallzahlen. Umso wichtiger seien Einrichtungen, die Verantwortung übernehmen und mit den vorhandenen Mitteln verantwortungsvoll umgehen.
Seinen Dank richtete der Oberbürgermeister ausdrücklich auch an die Familien und Angehörigen der Beschäftigten. Denn wer täglich mit schwierigen Schicksalen und großen Belastungen konfrontiert werde, brauche selbst Menschen, die ihm den Rücken stärken.
Eine Geschichte mit besonderen Wurzeln
Einen Blick weit zurück in die Geschichte warf Bernhard Markgraf von Baden. Er erinnerte an das Jahr 1877, als sein Vorfahr, Großherzog Friedrich I., der Einrichtung den Status einer landesunmittelbaren Körperschaft des öffentlichen Rechts verlieh. Damit sei die Bedeutung von St. Josef bereits früh anerkannt worden.
Heute liegt die staatliche Aufsicht beim Regierungspräsidium Karlsruhe. Regierungspräsident Alexander Föhr würdigte das „außerordentliche Engagement“ aller Beteiligten. Seit Generationen begleite die Einrichtung Kinder, Jugendliche und Familien in schwierigen Lebenssituationen. Dabei gehe es nicht allein um Unterbringung und Versorgung, sondern auch um Werte wie Nächstenliebe, Selbstachtung, Selbstverwirklichung und Gemeinschaft. Diese seien zugleich wichtige Grundlagen einer demokratischen und humanitären Gesellschaft.
Musik und Dank zum Jubiläum
Dass ein solches Jubiläum nicht nur von Rückblicken und Festreden leben muss, zeigte auch das musikalische Programm. Die Band „Unity“, deren junge Musiker im Kulturhaus Käfertal gemeinsam musizieren, sorgte für einen besonderen Akzent. Oberbürgermeister Specht war von ihrem Auftritt begeistert und bedankte sich persönlich bei den Beteiligten. Als kleine Überraschung überreichte er ihnen Spiele, darunter eine Mannheimer Monopoly-Ausgabe.
So wurde aus dem offiziellen Festakt zugleich eine Begegnung zwischen Generationen und Menschen, die auf unterschiedliche Weise mit St. Josef verbunden sind.
175 Jahre nach seiner Gründung hat das Kinder- und Jugendheim mit der einstigen Waisenanstalt organisatorisch nur noch wenig gemeinsam. Geblieben ist jedoch der ursprüngliche Gedanke, jungen Menschen in schwierigen Lebenssituationen eine Chance zu geben. Gerade angesichts wachsender sozialer Herausforderungen ist diese Aufgabe aktueller denn je. St. Josef steht damit nicht nur für 175 Jahre Geschichte, sondern vor allem für die Zukunft der Kinder und Jugendlichen, die dort ein Stück Heimat finden.
Autor:Wolfgang Neuberth aus Mannheim |
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