MotoGP - Grosser Preis von Italien in Mugello
" Er ist doch ein Roter "
- Die beiden Werksducatis gingen mit einer ungewohnt künstlerischen Sonderlackierung ins Rennen
- Foto: Ducati
- hochgeladen von Hartmut Reuschel
Aus sportlicher Sicht macht Ducati in der Motorradweltmeisterschaft seit Jahren alles richtig. Die Raketen aus Borgo Panigale, einem Stadtteil von Bologna, holen seit Jahren die Titel in der Markenweltmeisterschaft und die Piloten, die sich am Saisonende mit dem Titel des Motorradweltmeisters schmücken sitzen seit 2022 immer auf Ducatis. Sind es Grand Prix Siege, Pole Positionen, schnellste Rennrunden oder Siege in den samstäglichen Sprintrennen, fast immer tauchen Ducatipiloten zuvorderst in diesen Kategorien auf - und das nicht alleine sondern oftmals im Rudel. So war es auch am Wochenende in Mugello. Im Sprintrennen waren mit dem Marquezbrüdern Marc (1.) und Alex (2.) und Francesco Bagnaia (3.) wieder einmal 3 Ducatis auf dem Podest bevor mit der KTM von Maverick Vinales ein anderer Hersteller zu Ehren kam, im Grand Prix am Sonntag fast das gleiche Bild, nur dass diesmal 4 Maschinen vom Marktführer mit M.Marquez (1.), Alex Marquez (2.), Fabio Di Giannantonio (3.) und Francesco Bagnaia (4.) ganz vorn waren bevor mit dem Fünften, Marco Bezzecchi auf Aprilia die erste Nicht-Ducati in den Siegerlisten auftauchte. Doch so sehr auch die sportlichen Erfolge für eine gelungene und durchdachte Ducati Performance sprechen - bei den Fans auf den Tribünen sah das in Mugello zumindest am Samstag anders aus. Als die Siegerehrung der besten Drei aus dem Sprintrennen auf der Start und Zielgeraden vor der Hauptribüne durchgeführt wurde gab es es nicht zu überhörende Pfiffe als Marc Marquez seine Goldmadaille für den Sprintsieg entgegennahm. Die Unmutsäusserungen der Fans waren so laut dass es zu einer bemerkenswerten Szene kam. Davide Tardozzi, ehemaliger erfolgreicher Rennfahrer auf Ducati und heute Teammanager bei den Roten lief in Richtung Haupttribüne, zeigte auf das Ducati Symbol auf seiner Teamkleidung und rief laut in Richtung Fans:" Hört auf ! Er ist doch ein Roter !! "
Damit wollte Tardozzi den Fans natürlich klarmachen dass Marquez einer aus der Ducati- Familie sei, also " einer von uns " aus Tardozzis Sicht. Selten hat es im Rennsport seitens der Teamführung solche Szenen gegeben und daher stellt sich natürlich die Frage ob die Ducati- Verantwortlichen Angst haben Sympathie und Image bei Ihren Fans zu verlieren die in großer Zahl wegen ihrem Liebling, "Pecco" Bagnaia, angereist sind um mit ihm zusammen seinen 4. Grand Prix Sieg in Serie in Mugello zu feiern. Doch Teamkollege Marc Marquez war auch in der Toskana schnellster Mann auf der Strecke und liess weder Bagnaia noch Bruder Alex eine Chance. Dabei muss man ganz ohne Emotionen nüchtern feststellen dass der 8-fache Weltmeister in der Königsklasse des Motorradrennsports derzeit wieder das Mass der Dinge ist. Seit seinem Wechsel zu Ducati fand der Spanier zu alter Stärke zurück nachdem er in seinen letzten Hondajahren auf Grund von Verletzungen und nicht konkurrenzfähigem Material keine Chance hatte um Siege und Titel mitzukämpfen. Doch Marquez hat auch ein Problem in Italien. Seit seinem - nach Meinungen vieler - unsauberem Kapmf gegen das italienische Idol Valentino Rossi im Jahr 2015 - hat er auf italienischem Boden wenig Anhänger. Zu sehr spielen die Emotionen eine Rolle die im Zusammenhang mit dem Kampf um den WM-Titel gegen Rossi 2015 standen und die bis heute bei den Fans noch nachhallen. Dabei war es ausgerechnet Francesco Bagnaia, die Ducati Speerspitze in der MotoGP bis 2024, die bei der Verpflichtung von Marquez als Ducati Werksfahrer bemerkte dass nicht alle im Land glücklich sein werden mit den Verpflichung des Spaniers dem eine harte und zuweilen auch rücksichtslose Fahrweise vorgeworfen wird. So leidet nicht nur Bagnaia unter der Stärke von Marquez sondern auch alle italienischen Zweiradfans für die nicht der "Richtige" auf einer Ducati sitzt. Sehen die Verantwortlichen im Ducati Management nur den sportlichen Erfolg ist für sie alles fein, achten sie aber auf Emotionen und italienische Fankultur sollte sich die eine oder andere Sorgenfalte zeigen. Der neutrale Beobachter hat es da einfacher - betrachtet er die Leistungen der 22 Grand Prix Piloten die alle 2 Wochen ihre PS-Geschosse an den Start bringen ist Marc Marquez einfach zur Zeit der Beste - und darum geht es ja letztendlich im Sport !
Text: Hartmut Reuschel
Bilder: Ducati (1), moto-foto (1)
Autor:Hartmut Reuschel aus Mannheim |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.