Invasive Arten auch in der Pfalz auf dem Vormarsch
Waschbär und Nilgans

In Rheinland-Pfalz ist die Nilgans weiter auf dem Vormarsch.
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  • Foto: Fischer/LJV RLP
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Rheinland-Pfalz. Die invasiven Arten Waschbär und Nilgans breiten sich in Rheinland-Pfalz weiter aus. Die rheinland-pfälzische Jagdstrecke beim Waschbär lag im Jagdjahr 2019/2020 (1. April 2019 bis 31. März 2020) bei 1209 Stück.
Im Vergleich zum Jagdjahr 2018/19 mit 563 Waschbären, ergibt es einen Anstieg von rund 115 Prozent. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm kamen mit 389 Waschbären die meisten dieser Kleinbären in Rheinland-Pfalz zur Strecke. Das macht einen Anstieg von 342 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2018/19: 89 Stück) aus. An zweiter Stelle steht der Westerwaldkreis mit 210 Waschbären (2018/19: 160 Stück), gefolgt vom Rhein-Lahn-Kreis mit 92 (2018/19: 51 Stück). „Dieser Anstieg ist besorgniserregend“, sagt Dieter Mahr, Präsident des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz (LJV).

Während die höchsten Jagdstrecken in den nördlichen waldreichen Landkreisen von Rheinland-Pfalz erzielt wurden, sind die Kleinbären mit der auffälligen schwarz-weißen Gesichtsmaske offensichtlich auch in urbane Räume vorgedrungen. Im abgelaufenen Jagdjahr sind erstmals in den Städten Kaiserslautern (vier Stück), in Frankenthal (zwei Stück) und in Worms (ein Stück) Waschbären zur Strecke gekommen. „Als Kulturfolger kommt der Waschbär hervorragend in Siedlungen und Städten zurecht“, sagt LJV-Präsident Mahr. „Er macht Schäden an Gebäuden, in dem er beispielsweise über das Dach eindringt und Dachböden durch Kot und Urin verschmutzt.“ Ein weiteres Konfliktpotenzial ergibt sich auch durch mögliche Übertragungen von Krankheiten und Parasiten auf den Menschen, wie den Waschbärspulwurm.

„Der Waschbär ist extrem anpassungsfähig in Bezug auf Nahrung und Lebensraum. Er erobert in Ökosystemen bisher unbesetzte Nischen oder verdrängt einheimische Tiere“, erklärt Mahr. „Sein Einfluss auf andere Arten kann sehr negativ sein. Beispielsweise macht sich der Waschbär in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern über die vom Aussterben bedrohte europäische Sumpfschildkröte her. Dabei sind nicht nur die Eier der Reptilien gefährdet, sondern auch erwachsene Exemplare.“ In Thüringen vertreibt der Waschbär seltene Uhus: Ein Viertel der geeigneten Brutplätze in Felswänden sind für die Eulenart verloren.

Eine negative Auswirkung auf heimische Arten hat auch die invasive Nilgans. Aufgrund der starken Ausbreitungstendenz und ihres aggressiven Verhaltens kann die Gans mit den markanten Augenflecken zur Verdrängung heimischer Wasservögel beitragen. „Da Feuchtgebiete durch den Klimawandel und durch die Intensivierung der Landnutzung gefährdet sind, wird der negative Effekt für heimische Wasservögel, bedingt durch Habitatverlust und durch die Konkurrenz mit einer invasiven fremden Art, verstärkt“, betont LJV-Präsident Mahr.

In Rheinland-Pfalz kamen im Jagdjahr 2019/2020 2195 Nilgänse zur Strecke. Das sind 166 mehr Gänse, als in 2018/19. Hierzulande breitet sie sich vor allem entlang des Rheins und der Mosel aus. In Städten können Nilgänse auch Schwimmbäder besetzen, wobei sie die Wiesen und den Beckenbereich mit ihrem Kot verunreinigen. Auf landwirtschaftlichen Flächen können sie – wenn sie in hoher Anzahl vorkommen – erhebliche Fraß- und Trampelschäden hinterlassen. „Wir müssen diese invasive Art weiterhin intensiv bejagen, um die von ihr verursachten Schäden in der Landwirtschaft und Probleme auf den öffentlichen Plätzen an Gewässern zu beschränken. Vergrämungsmaßnahmen alleine helfen nicht, denn sie verlagern das Problem nur auf andere Flächen“, so Mahr.

Die Europäische Union (EU) sieht in der Ausbreitung des Waschbären und der Nilgans ein Problem und setzte sie mit mehr als 30 anderen eingeschleppten Tier- und Pflanzenarten auf die Liste der invasiven, gebietsfremden Arten, deren Verbreitung eingedämmt werden soll. Diese Liste ist in Verbindung mit einer seit Januar 2016 in Kraft getretenen Verordnung der EU zu sehen, die Mitgliedsstaaten zu verstärkten Bemühungen gegen die Ausbreitung solcher Arten verpflichtet. ps

Autor:

Jessica Bader aus Ludwigshafen

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