Rekordniedrigwasser bedroht Schifffahrt und Arbeitsplätze bei BASF
- Die Flüsse führten Rekordniedrigwasser und sind kaum noch befahrbar.
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Ludwigshafen. Der Rhein führt seit Wochen Rekordniedrigwasser. Am unteren Mittelrhein verkehren Binnenschiffe kaum noch oder nur mit einem Bruchteil ihrer üblichen Ladung. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat deshalb in Bonn eine Krisensitzung einberufen.
Auch in Ludwigshafen ist auf dem Rhein nur wenig Schiffsverkehr zu sehen. Wie bereits im Dürrejahr 2023 müssen Transportunternehmen verstärkt auf Schiene und Lkw ausweichen, um Lieferketten aufrechtzuerhalten. Für Industriekunden wie BASF entstehen dadurch zusätzliche Kosten, verschärft durch hohe Kraftstoffpreise. Zugleich könnte die steigende Nachfrage im Straßengüterverkehr die Spritpreise weiter erhöhen. Industrie- und Schifffahrtsverbände drängen deshalb auf schnellere Planungsverfahren für die Rheinvertiefung.
Rheinvertiefung wird Abladeoptimierung
Geplant ist, den Fluss an Engstellen zu vertiefen. An einzelnen Stellen sollen Felsen abgefräst und Spurrillen geschaffen werden, damit sich weniger Sedimente ablagern. So könnten Schiffe wieder mehr Tiefgang erreichen und größere Mengen transportieren.
Der rheinland-pfälzische Verkehrsstaatssekretär Markus Wolf (CDU) sprach sich dafür aus, die seit Jahren verzögerten Maßnahmen rasch umzusetzen. Projekte seien lange durch Planungsverfahren ausgebremst und zuletzt wegen Streitigkeiten um Sondervermögen zurückgestellt worden. „Der Rhein ist nicht nur ein Fluss, sondern eine zentrale Verkehrsachse. Er verbindet Häfen, Produktionsstandorte und Transportketten weit über Rheinland-Pfalz hinaus. Wenn Niedrigwasser die Binnenschifffahrt einschränkt, gerät ein wichtiger Teil unseres Verkehrssystems unter Druck“, sagte Wolf. Niedrigwasser werde auch künftig regelmäßig auftreten. Deshalb dürfe die Abladeoptimierung am Mittelrhein nicht weiter verschoben werden. Jede Tonne, die über den Rhein transportiert werden könne, müsse nicht zusätzlich über Straße oder Schiene bewegt werden.
Arbeitsplätze in Gefahr
Auch die SPD sieht Arbeitsplätze bei BASF gefährdet. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion und verkehrspolitische Sprecher Christian Schreider forderte eine nationale Taskforce aus Regierungen, Wirtschaft und Kommunen, um bereits entwickelte Konzepte des KIT Karlsruhe schneller umzusetzen. „Dass das extreme Niedrigwasser den Rhein in diesem Jahr schon so früh im Hochsommer trockenfallen lässt, ist eine riesige Herausforderung für die Wirtschaft und vor allem auch eine Bedrohung für tausende Arbeitsplätze in unserer Stadt“, sagte Schreider. Notwendig seien konkrete Maßnahmen wie der Ausbau kritischer Fahrrinnen, zusätzliche Lagerkapazitäten in Häfen und priorisierte Schienenwege, um die Rohstoffversorgung der BASF zu sichern und Produktionsausfälle zu verhindern.
Frank Meier, Ex-Betriebsrat betonte, dass der Rhein eine wichtige Verkehrsachse für das Werk sei. „Als langjähriger BASF-Betriebsrat weiß ich genau, dass uns ein langanhaltendes Niedrigwasser wie im Jahr 2018 empfindlich treffen kann. Es drohen dann Produktionsdrosselungen“, verdeutlicht Frank Meier, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und langjähriges Mitglied der BASF-Betriebsgruppe.
„Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir in diesem Jahr über viele Wochen und Monate hinweg mit dieser kritischen Situation umgehen müssen. Deshalb fordern wir den Bund auf, die 2025 gestrichenen Mittel für die Optimierung der Rhein-Fahrrinne sofort wieder freizugeben, damit der fertig geplante Ausbauabschnitt endlich gebaut werden kann. Es darf gerade in Zeiten des Infrastruktur-Sondervermögens nicht länger am Geld des Bundes scheitern, die logistische Zukunft unseres Industriestandorts und damit vieler Arbeitsplätze in Ludwigshafen abzusichern“, erklärt Schreider.
- Das Fundament der Adenauer-Brücke wird beim Rekord-Niedrigwasser von Möwen für ein Sonnenbad genutzt.
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Landschaften und Flüsse trocknen aus
Die frühere Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) erklärte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk, dass Deutschland „systematisch entwässert“ würde. „Tausende Kilometer von Entwässerungsgräben und Rohren ziehen sich durchs Land, Feuchtgebiete aller Art sind in teils jahrhundertealten Baumaßnahmen an Flüssen trockengelegt worden, um sie zu bebauen.“ Sie forderte Maßnahmen, um Wasser stärker im Boden zu halten und wieder ins Grundwasser versickern zu lassen sowie Auen und Schwemmgebiete zu renaturieren. Dazu müssten Rohrsysteme zurückgebaut, industrielle Wasserentnahmen reguliert und Städte nach dem Schwammstadtprinzip umgestaltet werden.
In Spanien sind bereits zahlreiche Flüsse ausgetrocknet. In einigen Regionen wird Brauchwasser bereits mit Chlor zum Duschen und für die Toilettenspülung immer wieder aufbereitet, Leitungswasser ist dort nicht mehr trinkbar. Trinkwasser muss im Supermarkt gekauft werden. In Deutschland führen Flüsse dank der Alpenquellen und Gletscher zwar noch Wasser, doch die Folgen der Trockenheit könnten sich weiter verschärfen. jg
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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