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We are Champion 500 – Die lange Reise ins Stadtarchiv
- Der "Champion 500 G" mit seinen drei "Vätern" - v.l.n.r. Christian Steiger, Mathias Berkel und Christian Wahl
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Ludwigshafen. Am Abend des 24. September hatte der historische Verein, Bezirksgruppe Ludwigshafen-Mannheim, aus der Reihe „Im Wasser, zu Lande und in der Luft“ zu einem ganz besonderen Vortrag eingeladen. Christian Steiger, Journalist und Autor mit Leidenschaft für Automobile und ihre Geschichte berichtete äußerst unterhaltsam über das Kapitel „Champion 500“ mit „Pleite auf Raten – die wirtschaftswunderliche Geschichte der Champion-Kleinwagen aus Ludwigshafen“. Nach der Begrüßung durch Dr. Klaus-Jürgen Becker, dem zukünftigen (ab 01.12.26) Leiter vom Stadtarchiv übernahm Frau Dr. Regina Heilmann vom Stadtmuseum und der zukünftigen Heimat des „Champion 500“ das Mikrofon. Die neue Bleibe sollte im Luitpoldhafen sein. Wem haben sie den Champion 500 zu verdanken? Christian Wahl, Mathias Berkel und Christian Steiger gehören zu der Kerngruppe. Das Automobil war nicht billig mit weit über 40.000 Euro, welches aber über Spenden und mit unzähligen Arbeitsstunden zusammengekommen ist. Seit seiner Rückkehr aus Berlin im Jahre 2023 stand er schon an diversen Orten wie auf dem Festival des Deutschen Films, im Foyer der Stadtsparkasse, in der Rheingalerie und zuletzt im Tausendsassa Museum in Germersheim. Seit heute darf sich nun das Stadtarchiv mit ihm schmücken bevor er dann irgendwann im Stadtmuseum „strahlen“ wird. Man habe Christian Steiger für diesen Vortrag gewinnen können. Nächsten Monat widmen sie sich dem Nahverkehr. Christian Steiger ist gebürtiger Pfälzer, den es nach Hamburg verschlagen hat, nun aber wieder in der alten Heimat sei „Noch ein Heimkehrer!“ rief Christian Wahl hinein.
Christian Steiger freute sich, dass er hier an diesem Ort sein durfte, denn die Geschichte und Wahrnehmung hat hier in Ludwigshafen begonnen. Nach über 30 Jahren kehrt Christian Steiger nun zu der Zeitschrift „Oldtimer Praxis“ zurück, die 1985 die erste Oldtimer-Geschichte des damals 17-jährigen über einen Borgward P100 veröffentlichte. Heute ging es aber um den von ihm entdeckten „Champion 500“, einem Auto mit wenig Technik im Vergleich zu heute. Als Kleinwagen des Mittelstandes wurde er beworben und hat die Sehnsüchte der Aussteiger mobilisiert. Es war ein Auto auf Augenhöhe zu seiner Zeit. Der damalige VW Käfer war im Unterhalt ein relativ teures Auto. Die Städte Pinneberg und Heilbronn spielten bei dem Auto eine große Rolle. Detailliert erzählte Christian Steiger die ganze Geschichte, sprach aus dem Nähkästchen mit vielen Anekdoten. Es habe auch eine Championette gegeben, ein zerlegbares Motorrad.
1948: Der frühere BMW-Ingenieur Hermann Holbein erwarb die Lizenz und startete in Herrlingen bei Ulm die Serienfertigung.
1952: Vorläufige Produktionseinstellung und die beiden Mannheimer Champion-Händler Hermann Hennhöfer und Josef Uttenthaler sprechen mit der Stadt Ludwigshafen über ein Darlehen und einen Umzug des Werks und gründen die Rheinische Automobilfabrik.
1953: Die Produktion des Champion 400 beginnt am 16. März auf dem Gelände der früheren Anhängerfabrik Zähringer in der Industriestraße 35. Im Oktober stellt die Rheinische Automobilfabrik den Champion 500 G vor, einen Kombi mit Holzaufbau. Bereits im November endet die Produktion, denn das Unternehmen war „hochgradig illiquide“.
1954: Der dänische Investor Henning Thorndahl übernahm das Ludwigshafener Champion-Werk und die Produktion lief wieder an. Aber auch das erwies sich als Flop und man meldete Konkurs an. Insgesamt wurden 1727 Champion 400 und 21 Stück 500 G gebaut.
1955: Die Motorradfabrik baute den Maico 500, der 11.300 Mal für den kleineren Geldbeutel gebaut wurde, aber von einer zur anderen Pleite bewegte sich dieses Ansinnen bis man 1958 die Produktion wieder einstellte.
2023: Das Auto hat einen Rechtslenker, wurde für die Weltausstellung in Neuseeland produziert, dort nicht mehr verkauft und es war auch kein Geld mehr, um das Fahrzeug nach Ludwigshafen zurückzuholen. Dann wurde er von dem deutschen Oldtimerfreak Burkart Steins entdeckt, der diesen skurrilen Wagen kaufte, zurück nach Deutschland holte und restaurierte für die Classic Remise. Die drei Vorderpfälzer Berkel, Wahl und Steiger kannten sich aus den 80er Jahren und waren sich einig, dass dieses außergewöhnliche Auto zurück in die Pfalz musste. Christian Wahl holte den Champion mit seiner Speditionsfirma dann ab und nun steht er hier im Hof und freut sich, wenn er mal im Stadtmuseum sein Endziel findet. Es ist kein Auto zum bequemen Fahren, ist unkomfortabel und hat auch schlechte Bremsen, aber es ist ein echter Ur-Ludwigshafener und Zeuge der Geschichte. Christian Wahl meldete sich zum Abschluss noch zu Wort, dass sie die letzten Jahre mit ihm viele tolle Sachen erlebt haben. (mel)
Text Christian Wahl: Schon auf der Straße sorgte er für Aufmerksamkeit: Auf einem Anhänger wurde der historische Champion 500 G am 24.09. zum Stadtarchiv Ludwigshafen gebracht. Mehrere Passanten und Autofahrer zückten spontan ihre Handys, als der seltene Kleinwagen durch die Stadt in Richtung Stadtarchiv unterwegs war. Im Innenhof angekommen, warteten bereits zahlreiche interessierte Besucher. Christian Wahl und Mathias Berkel, die den Champion zum Stadtarchiv Ludwigshafen gebracht hatten, öffneten zunächst die Türen des außergewöhnlichen Kleinwagens und zeigten den Gästen, wo sich Motor und weitere technische Besonderheiten befinden. Bei strahlendem Sonnenschein wurde der Champion ausgiebig bestaunt und fotografiert.
Anschließend ging es in den Vortragssaal des Stadtarchivs. Dr. Klaus-Jürgen Becker vom Stadtarchiv begrüßte die Gäste. Auch Dr. Regine Heilmann, Leiterin des Stadtmuseums, sprach ihren Dank aus und zeigte sich erfreut darüber, dass der Champion 500 G künftig seinen Platz im Stadtmuseum finden soll, sobald das ehemalige Lagerhaus entsprechend fertiggestellt ist. Im Mittelpunkt des Abends stand anschließend der Vortrag des Journalisten und Oldtimer-Enthusiasten Christian Steiger. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit historischen Automobilen und hat bereits in verschiedenen Oldtimer-Fachzeitschriften über den Champion berichtet. Besonders war für Steiger auch die persönliche Verbindung zu dem Fahrzeug: Bereits 1985 hatte er sich als junger Mann mit dem Champion im Stadtarchiv Ludwigshafen beschäftigt. Als er später auf das Fahrzeug aufmerksam wurde und dessen Geschichte wiederentdeckte, wandte er sich an die Rheinpfalz. Ein Bericht im Sommer 2023 wurde schließlich zum Ausgangspunkt für die Rückkehr des Champions 500 G in das öffentliche Leben Ludwigshafens.
Christian Steiger nahm die Besucher mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte des Ludwigshafener Kleinwagens. Der Champion 500 G wurde 1954 in Ludwigshafen-Friesenheim produziert und ist heute ein ganz besonderes automobiles Zeitzeugnis. Weltweit soll nur noch ein fahrbereiter Champion 500 G existieren. Nach dem Vortrag nutzten viele Besucher noch einmal die Gelegenheit, den kleinen Ludwigshafener aus nächster Nähe zu betrachten. Türen, Motorraum und Technik wurden genau unter die Lupe genommen – und der Champion zeigte einmal mehr, dass er auch nach mehr als 70 Jahren noch Menschen für sich begeistern kann.
Für Christian Wahl und Mathias Berkel ist die Geschichte damit noch lange nicht beendet. Beide wollen sich weiterhin dafür einsetzen, dass der Champion 500 G als Teil der Ludwigshafener Automobilgeschichte erhalten bleibt und künftig noch vielen Menschen zugänglich gemacht werden kann. „Wir suchen auch noch Zeitzeugen und wer die Geschichte des Champions unterstützen oder sich an dem Projekt beteiligen möchte, kann sich bei Christian Wahl unter 0174 3098720 melden. www.Champion500.de“
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
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