Keine Karenztage und keine Lohnkürzung
„Keine Karenztage und keine Lohnkürzung im Krankheitsfall -

AWO Vorderpfalz:

AWO Kreisvorsitzender Holger Scharff:
„Keine Karenztage und keine Lohnkürzung im Krankheitsfall -
Stärkung der sozialen Absicherung für Arbeitnehmer*innen in Deutschland
Einleitung

Die Diskussion um Karenztage und Lohnkürzungen im Krankheitsfall hat in den vergangenen Jahren zunehmend an gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen. Arbeitsausfälle bedingt durch Krankheit sind eine Realität, die jede Person im Erwerbsleben treffen kann. Umso wichtiger ist es, klare und gerechte Regelungen im Arbeitsrecht festzuschreiben, die die soziale Sicherheit schützen und faire Bedingungen für alle schaffen. Mit dieser Pressemitteilung möchten wir klarstellen: Wir wollen keine Karenztage und setzen uns für den uneingeschränkten Erhalt des Lohns im Krankheitsfall ein.

Hintergrund der aktuellen Regelungen

Derzeit sind Arbeitnehmer*innen in Deutschland durch das Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) grundsätzlich vor Lohneinbußen im Krankheitsfall geschützt. Dennoch gibt es in manchen Branchen, insbesondere im europäischen und internationalen Vergleich, Regelungen, die sogenannte Karenztage vorsehen. Karenztage sind Tage, an denen Arbeitnehmende bei Krankheit keinen Lohn erhalten oder dieser gekürzt wird. In Deutschland existiert diese Praxis derzeit nicht in der breiten Anwendung, aber die Diskussion wird immer wieder geführt, insbesondere im Zusammenhang mit Sparmaßnahmen und Kostendruck auf Unternehmen und Sozialversicherungen.

Was sind Karenztage?

Karenztage sind arbeitsfreie Tage, für die bei Krankheit kein Lohn oder kein voller Lohn gezahlt wird. In einigen Ländern, wie beispielsweise Österreich oder der Schweiz, ist es üblich, dass in den ersten ein bis drei Tagen einer Erkrankung kein Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht. Aus Arbeitgebersicht sollen Karenztage dazu beitragen, Fehlzeiten zu reduzieren und Missbrauch vorzubeugen. Aus Sicht der Beschäftigten bedeuten sie jedoch eine erhebliche finanzielle Unsicherheit und können dazu führen, dass Arbeitnehmer*innen trotz Krankheit zur Arbeit erscheinen.

Die Bedeutung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Eine verlässliche Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist ein zentrales Element des sozialen Sicherungssystems. Sie schützt Erwerbstätige davor, im Krankheitsfall existenzielle finanzielle Nachteile zu erleiden. Insbesondere Menschen mit niedrigen Einkommen profitieren davon, denn sie könnten selbst kurze Lohnausfälle wirtschaftlich hart treffen. Eine Reduzierung des Lohns oder Karenztage würden insbesondere diese Personengruppen benachteiligen und soziale Ungleichheiten verschärfen.

Argumente gegen Karenztage und Lohnkürzung

• Soziale Gerechtigkeit: Jeder Mensch sollte im Krankheitsfall vor finanziellen Einbußen geschützt sein. Karenztage treffen besonders diejenigen, die ohnehin weniger verdienen und über weniger Rücklagen verfügen.
• Gesundheitsschutz: Die Angst vor Lohnverlust führt dazu, dass viele trotz Krankheit zur Arbeit gehen, was die eigene Genesung verzögert und das Risiko von Ansteckungen am Arbeitsplatz erhöht.
• Wirtschaftliche Stabilität: Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist ein Baustein zur Sicherung der Kaufkraft und trägt zur Stabilität von Familien und Gesellschaft bei.
• Prävention von Armut: Kurzfristige Lohnkürzungen können schnell in die Verschuldung führen und langfristig die soziale Sicherung belasten.
• Zusammenhalt in Krisenzeiten: Gerade in außergewöhnlichen Situationen, wie etwa während der COVID-19-Pandemie, hat sich gezeigt, wie wichtig soziale Absicherung und Vertrauen in den Sozialstaat sind.
Internationale Perspektiven

Ein Blick ins europäische Ausland zeigt, dass Karenztage in manchen Ländern üblich sind. In Schweden beispielsweise gibt es einen Karenztag, in Österreich und der Schweiz bis zu drei. Die Erfahrungen dort zeigen, dass Karenztage zwar kurzfristig zu Kosteneinsparungen führen können, langfristig aber gesundheitliche Risiken, eine höhere Verbreitung von Krankheiten am Arbeitsplatz sowie soziale Ungleichgewichte fördern.

Stimmen aus der Praxis

Zahlreiche Gewerkschaften, Sozialverbände und Expert*innen fordern die Stärkung der Lohnfortzahlung und die klare Ablehnung von Karenztagen. „Arbeitnehmer*innen dürfen nicht zwischen Gesundheit und Existenzsicherung wählen müssen“, betont etwa der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Auch Mediziner*innen warnen vor erhöhtem Präsentismus und den daraus folgenden gesundheitlichen Risiken.

Forderungen

Wir fordern:

• Die Beibehaltung der vollen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für alle Beschäftigten – unabhängig von Branche, Einkommen oder Anstellungsdauer.
• Eine klare gesetzliche Verankerung des Verbots von Karenztagen und Lohnkürzungen im Krankheitsfall.
• Die Ausweitung von Aufklärung und Prävention, um Missbrauch vorzubeugen, ohne solide soziale Standards aufzugeben.
• Die Förderung gesunder Arbeitsbedingungen und einer offenen Unternehmenskultur, in der Krankheit nicht stigmatisiert wird.

Fazit

„Der Schutz vor Lohnausfall im Krankheitsfall ist ein grundlegender Baustein eines gerechten und modernen Sozialstaats. Karenztage und Lohnkürzungen sind weder sozial noch wirtschaftlich sinnvoll, sondern schwächen das Vertrauen in die soziale Absicherung und gefährden die Gesundheit der Bevölkerung. Wir setzen uns entschieden für die Abschaffung von Karenztagen und für den uneingeschränkten Erhalt des Lohns im Krankheitsfall ein – für ein solidarisches und sicheres Arbeitsleben in Deutschland“ so der AWO Kreisvorsitzende Vorderpfalz Holger Scharff.

Autor:

Holger Scharff aus Ludwigshafen

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