Pflegekrise in Landstuhl: Caritas-Heim St. Nikolaus kämpft mit Personalmangel, Bürokratie und Kosten
- Das Caritas-Altenzentrum St. Nikolaus in Landstuhl: Nach außen modern und einladend, im Inneren jedoch mit großen Herausforderungen im Pflegealltag konfrontiert.
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Hinter der familiären Atmosphäre des Caritas-Altenzentrums St. Nikolaus in Landstuhl verbirgt sich ein harter Alltag. Einrichtungsleiter Thomas Matz erklärt, weshalb die Pflege an ihre Grenzen stößt.
Von Erik Stegner
Landstuhl. Fachkräfte fehlen, die Bürokratie wächst, die Kosten explodieren: Das Caritas-Altenzentrum St. Nikolaus in Landstuhl steht – wie viele Pflegeeinrichtungen – vor enormen Herausforderungen. Einrichtungsleiter Thomas Matz beschreibt die Lage offen und spricht von einer Zuspitzung der Situation.
- Im Alltag bleibt Zeit für Nähe und Beschäftigung: Gemeinsames Spielen gehört zum festen Programm im Caritas-Altenzentrum St. Nikolaus.
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„Der Personalmangel ist das größte Problem“
Nach außen wirkt das Altenzentrum St. Nikolaus fast familiär. Doch hinter den Kulissen kämpfen die Mitarbeiter mit dem Pflegenotstand. „Allerdings ist das nicht immer leicht, denn die Situation, in der wir uns befinden, spitzt sich zu und wir kämpfen an mehreren Fronten“, sagt Matz. Der Personalmangel sei dabei eindeutig die größte Schwierigkeit.
Die Menschen würden immer älter und bräuchten mehr Unterstützung, gleichzeitig fehle es an Fachkräften. Hinzu komme, dass Patienten nach Krankenhausaufenthalten früh entlassen werden. Das Caritas-Altenzentrum St. Hedwig in Kaiserslautern steht vor den gleichen Herausforderungen. „Im Heim brauchen sie eine deutlich intensivere Pflege“, erklärt dessen Leiterin Jutta Asal von Wuthenau.
- Barrierefrei und hell gestaltet: Vom Balkon aus blicken Bewohner auf den begrünten Innenhof des Altenzentrums.
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Ruhestand der Babyboomer verschärft Fachkräftemangel
Viele Pflegekräfte der Babyboomer-Generation stünden kurz vor dem Ruhestand. „Viele von ihnen arbeiten über Jahrzehnte im Haus und identifizieren sich damit. Das ist sehr viel wert“, betont Asal von Wuthenau. Auch die Hauswirtschaft sei von der Personalnot betroffen, ergänzt Matz. Seit Corona komme es zudem zu überdurchschnittlich hohen krankheitsbedingten Fehlzeiten, verstärkt durch die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung.
Bürokratie im Pflegeheim: Belastung für Mitarbeiter
Als zweite große Hürde nennt Matz die wachsende Bürokratie: „Die nächste große Herausforderung im stationären Bereich ist die überbordende Bürokratie, die sich leider auch durch alle Arbeitsfelder, von der Heimvertragserstellung, über behördliche Anforderungen während des Heimbetriebes bis hin zur Prüfung durch den Medizinischen Dienst zieht.“
- Auch organisatorische Fragen gehören zum Alltag: Die Heimleitung berät Bewohner und Angehörige zu Pflege- und Vertragsfragen.
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Besonders kritisch: die Dokumentationspflichten. „Früher haben wir im Team gearbeitet, jetzt sind die Pflegekräfte in Qualitätsniveaus eingeteilt, abhängig von ihrer Ausbildung. Fachkräfte mit hohem Qualitätsniveau sind besonders intensiv mit der Dokumentation beschäftigt. Das kostet viel Zeit, die den Bewohnern abgeht.“
Generalistische Pflegeausbildung in der Kritik
Zwar sehen die Heimleitungen auch Vorteile in der neuen generalistischen Pflegeausbildung, die 2020 eingeführt wurde. Doch Matz erklärt: „Sie vermittelt zwar ein gutes Grundwissen, aber zu wenig Wissen und Erfahrung in dem angestrebten Spezialisierungsbereich. Das bedeutet, dass wir die neuen Arbeitskräfte nach ihrer Ausbildung erst einmal intensiv einarbeiten müssen.“
- Aktiv trotz Einschränkungen: In kleinen Gruppen trainieren die Bewohner regelmäßig ihre Beweglichkeit.
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Pflegeheim in Landstuhl: Kostenexplosion belastet Bewohner
Auch die steigenden Kosten machen den Einrichtungen zu schaffen. „Die Tariflöhne steigen, was den Pflegeberuf interessanter macht, aber auf der anderen Seite zu Buche schlagen“, sagt Asal von Wuthenau. Hinzu kämen steigende Preise für Lebensmittel, Energie und Dienstleistungen. „Die zunehmende Bürokratie bedingt mehr Prüf- und Zertifizierungsaufgaben und lässt die Kosten steigen, ohne Qualitätssteigerungen mit sich zu bringen. Dazu sind noch Investitionen in neue Hard- und Software samt Wartungen nötig“, ergänzt Matz.
Immer mehr Bewohner auf Sozialhilfe angewiesen
Die Heimleiter berichten, dass ein Teil der Bewohner seinen Eigenanteil noch selbst finanzieren könne. Doch die Zahl derjenigen, die auf Unterstützung durch das Sozialamt angewiesen sind, steige kontinuierlich. „Weil die Rente nicht ausreicht oder die Rücklagen irgendwann aufgebraucht sind“, so Asal von Wuthenau. Unterschiede in der Versorgung würden jedoch nicht gemacht – man verstehe sich als Solidargemeinschaft.
- Begegnung im Freien: Bewohner genießen auf der Terrasse bei Gesprächen und einer Tasse Kaffee die sommerliche Atmosphäre.
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Forderung nach Reformen in der Pflege
Um die Situation zu verbessern, fordern beide Einrichtungsleiter entschlossene Reformen: Entbürokratisierung, bessere Ausbildungsbedingungen, gesicherte Refinanzierung der Pflegeleistungen und einfachere Anerkennungsmechanismen für ausländische Mitarbeiter. „Obendrein müssten die Anerkennungsmechanismen für ausländische Mitarbeitende vereinfacht werden, denn ohne sie geht es nicht“, sagt Matz.
„Pflege ist ein sinnstiftender Beruf“
Trotz aller Herausforderungen sind sich beide einig: Pflege bleibt ein Beruf mit Sinn. „Menschen zu helfen und für sie da zu sein, sei eine sinnhafte Aufgabe und man bekomme viel von den Menschen zurück“, betont Asal von Wuthenau.
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Das Altenzentrum St. Nikolaus versteht sich zudem als Ort der Begegnung mitten in Landstuhl. Bewohner, Angehörige und Nachbarn können zum Mittagstisch kommen, das Café besuchen oder an Veranstaltungen teilnehmen. Beim Tag der offenen Tür am 29. August wurden neben kulinarischen Angeboten und Mitmachaktionen auch Informationen rund um die Pflege vermittelt. „Unser Haus ist gut in die Gemeinschaft des Stadtteils integriert und schlägt so eine Brücke zur Gemeinde“, sagt die Kaiserslauterer Leiterin.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Autor:Erik Stegner aus Landstuhl |
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