Karlsruhe möchte mehr gesunde Mobilität und gute Erreichbarkeit
Öffentlicher Raum und Mobilität in der Innenstadt

Mit dem Projekt ÖRMI (Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt) möchte die Verwaltung zentrale Bereiche der Stadt aufwerten.
  • Mit dem Projekt ÖRMI (Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt) möchte die Verwaltung zentrale Bereiche der Stadt aufwerten.
  • Foto: Monika Müller-Gmelin, Stadt Karlsruhe
  • hochgeladen von Jo Wagner

Karlsruhe. Platz für mehr gesunde Mobilität und gute Erreichbarkeit, Platz für mehr Grün und Platz für mehr öffentliches Leben – diese drei Grundprinzipien standen im Mittelpunkt eines Online-Workshops, den das Stadtplanungsamt vor kurzem als Schlusspunkt der Öffentlichkeitsarbeit in diesem Jahr zum IQ-Leitprojekt "Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt" (ÖRMI) veranstaltet hatte. Mit dabei waren unter anderem Vertreter der Bürgervereine, verschiedener sozialer Gruppen, von Verkehrsdienstleistern und Verkehrsverbänden sowie aus Wirtschaft, Umwelt, Kultur und Wissenschaft.

Ihnen stellte die beauftragte Bürogemeinschaft um das "Büro Gehl Architects" aus Kopenhagen das erste Grobkonzept zum Öffentlichen Raum und der Mobilität in der Innenstadt vor. Dieses basiert auf der Analyse und den Ergebnissen der bereits durchgeführten Beteiligungsformate. Anschließend wurde eine Reihe von vorläufigen Empfehlungen und Pläne der Bürogemeinschaft anhand der drei Grundprinzipien gemeinsam diskutiert.

Beim Thema Platz für mehr gesunde Mobilität und gute Erreichbarkeit war ein Vorschlag, den Parkraum für Kfz zu reorganisieren und Platz für andere Nutzungen zu schaffen. Stadtlogistik und Anlieferungen sollen neu und integriert gedacht werden. Der Grad der "Autofreiheit" ist je nach Lage differenziert zu betrachten. Konflikte zwischen den Verkehrsträgern werden durch Priorisierung der Verkehrsnetze reduziert.

Platz für mehr Grün soll es geben, indem die Innenstadt von statt grau und versiegelt sich künftig grün und lebendig präsentiert. Hierfür sind grüne Verbindungen mit der Umgebung für mehr Durchlässigkeit und Durchlüftung zu schaffen, das Mikroklima zu verbessern und mehr Biodiversität und Vielfalt an Grün zu ermöglichen. Dazu gehört aber auch, dass nicht ständig durch nachträgliche bauliche Verdichtung die Wohnqaurtiere voller und voller werden - und Bewohner zum Beispiel auch keine Abstellflächen für Autos und Mototrräder mehr finden!

Um Platz für mehr öffentliches Leben zu erhalten, sollen die Quartiere gestärkt und neu gedacht werden. Mobilitäts- und Freiraumkonzepte sind in jedem Quartier ortsspezifisch zu verankern. Öffentliche Räumen müssen aufgewertet werden, wobei hier jeder Quadratmeter zählt. Erforderlich sind mehr Möglichkeiten zum Verweilen, bedarf es eines ausgewogenen Verhältnisses von kommerziellen und nicht kommerziellen Angeboten. Das Leben müsse sichtbar werden, etwa durch mehr Kultur im öffentlichen Raum und Belebung der Erdgeschosszonen. Besonders im Fokus stehen Kinder und Jugendliche im Fokus, welchen man mehr Einladungen zum Spielen bieten muss.

Spezifische Anforderungen und Wünsche formuliert
Bei der lebhaften Diskussion dieser Punkte im Expertenkolloquium formulierten die Teilnehmenden je nach fachlichem Hintergrund und Betroffenheit spezifische Anforderungen und Wünsche an die Innenstadt, wie beispielsweise "eine intelligente Kombination von Logistik und öffentlichem Leben" oder "barrierefreie Begegnungsräume". Die überwiegenden Wünsche an eine Innenstadt der Zukunft orientierten sich jedoch an "Aufenthaltsqualität und Wohlfühlen, Trennung von Rad- und Fußverkehr zur Konfliktvermeidung", sowie "besseres Miteinander und Vielfalt". Besonders häufig wünschten sich Teilnehmende "mehr Schatten und Grün". Der Wunsch eines Teilnehmers nach "magischen Orten und Nischen für Überraschungen" berührte das Thema "Innenstadt als Erlebnisraum", welches künftig stärker in den Fokus rücken wird.

Schlechte Erreichbarkeit der Innenstadt im Fokus
Der Austausch verschiedener Perspektiven und Argumente zum Thema Mobilität zeigte, dass es je nach Betroffenheit diverse Bedarfe, Visionen und Nutzungswünsche für die Innenstadt gibt. Gemeinsamkeiten in der Diskussion lagen in der Forderung nach der guten Erreichbarkeit der Innenstadt für alle. Dennoch gab es auch den Wunsch nach einem Prioritätennetz, welches das Fahrradfahren und Zufußgehen vielerorts in der Innenstadt priorisiert, ohne den Kfz-Verkehr per se zu verbannen.

An ältere Bürger denken
Dieses Gleichgewicht in der Priorisierung zu schaffen ist – auch hier war sich die Diskussionsrunde einig – herausfordernd. Dennoch lohne sich ein visionäres Umdenken in der Stadtplanung zugunsten neuer Nutzungen und Qualitäten. Doch bei vielen dieser Planspiele werden die Bedürfnisse der älter werdenden Bewohner nicht entsprechend berücksichtigt!

Platzbedarf für mehr Grün
In der Diskussion über Grünflächen in der Innenstadt wurde deutlich, dass der Wunsch nach mehr Grün und Schatten für die Innenstadt auch mit einem Platzbedarf einhergeht. Neben Aufenthaltsinseln sollten auch die wichtigen Rad- und Fußverbindungen grüner und attraktiver gestaltet werden. In diesem Zusammenhang wurde der Wunsch nach mehr Rücksichtnahme und pfleglichem Umgang mit den öffentlichen Grünflächen geäußert. Auch die Rolle von Wasser und den Brunnen der Innenstadt wurde hervorgehoben.

Ein wichtiger Punkt im Themenbereich Leben war das Miteinander der verschiedenen Akteure in der Innenstadt. Die Herausforderung sei es, Gastronomie, Handel, Kultur und Wohnen miteinander zu vereinen und ein Zusammenwirken zu ermöglichen. Ein Teilnehmer wies darauf hin, dass durch die Aufwertungen und Maßnahmen einzelner Bereiche keine Verdrängung folgen dürfe. Beispielsweise sollten durch die Umlagerung oder Umlenkung des Kfz-Verkehrs andere Wohnviertel nicht an Qualität verlieren. Andere forderten mehr Platz für Experimente und Kultur und eine vereinfachte Umwidmung von Parkflächen, um diese bei Bedarf multifunktional nutzbar zu machen. Bei der Forderung nach alternativen Nutzungen müsse man aber auch die finanzielle Kulturförderung mitdenken.

Die Hinweise und Anregungen der geladenen Expertinnen und Experten werden nun ausgewertet und daraufhin geprüft, ob und wie sie in die Konzeption eingebracht werden können bzw. welche Anforderungen aus den Beiträgen für das Konzept resultieren. Im Frühjahr und Sommer 2022 sollen zwei Reallabore im öffentlichen Raum stattfinden, um die vorgeschlagenen Maßnahmen zu erproben. Im Herbst 2022 wird das Konzept "Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt" im Gemeinderat beraten.

Autor:

Jo Wagner

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