Männerdomäne Technik - mittendrin eine Professorin
Mehr Frauenpower an der DHBW Karlsruhe

Seit dem 1. September 2021 ist Dr.-Ing. Aline Ganninger Professorin in der Fakultät Technik im Studiengang

Wirtschaftsingenieurwesen. Sie ist mit 34 Jahren die jüngste Professorin an der DHBW Karlsruhe. Die gebürtige Badnerin interessierte sich bereits früh für Autos, Technik und technische Zusammenhänge. Dies äußerte sich beispielsweise darin, dass sie begeistert mit ihrem Vater Reparaturen in Haus und Garten erledigte oder lieber Autoquartett spielte als mit Puppen.

Haben Sie als Frau auf dem Weg in Führungspositionen Barrieren gespürt?

Natürlich gibt es mal die ein oder andere Konkurrenzsituation unter Kollegen, aber eine bewusste Barriere, habe ich in der Industrie nicht gespürt. Ich habe immer versucht sehr gute Arbeit zu leisten, und hatte auch immer Vorgesetzte, die mich in meiner Tätigkeit bestärkt und gefördert haben.
Unabhängig davon habe ich jedoch das Gefühl, dass es immer noch Barrieren – oftmals sicherlich unbewusst - in der Gesellschaft gibt. Da ist die Vorstellung Frau könnte Ingenieurin oder Professorin sein nicht präsent. Auf der Suche nach einem Ansprechpartner/ „dem Chef“ werden dann eher männliche Anwesende angesprochen, auch wenn diese auf einer niedrigeren Hierarchieebene sind.
Ein weiteres Beispiel ist die Verteilung von organisatorischen Aufgaben. So wird beispielsweise das Schreiben von Protokollen, die Terminfindung oder die Organisation der Weihnachtsfeier etc. gerne auf Kolleginnen übertragen und das, obwohl die anwesenden Frauen mindestens die gleiche, teilweise sogar eine höhere Qualifikation wie ihre männlichen Kollegen haben.

Welche Anreize wären förderlich, dass Frauen sich vermehrt für Führungspositionen entscheiden?

Ich kann nur für mich sprechen, aber meiner Meinung nach brauchen wir vorerst keine weiteren Anreize. Vielmehr sollten die Anreize, die gegeben sind, ausgeschöpft werden. Beispielweise sind Gehalt und Firmenwagen oftmals an eine Stelle geknüpft. Ich habe schon erlebt, dass bei Besetzung dieser Stelle durch eine Frau diese Anreize dann teilweise wegfallen. So ist beispielsweise der Firmenwagen nicht mehr an die Stelle gebunden oder das Machtverhältnis wurde reduziert und statt disziplinarischer Handhabe, ist „Frau“ nur noch fachliche Vorgesetzte. Das finde ich absolut unpassend: Job ist Job.
Doch wenn wir gerade bei Rechten sind, es gehören auch Pflichten dazu. Und wenn es die Stelle bedingt, abends nach 19 Uhr Termine wahrzunehmen oder auch mal am Wochenende reinzukommen, dann muss das von Mann und Frau in solch einer Position geleistet werden. Eine Führungsposition fällt nicht vom Himmel, sondern ist harte Arbeit - und das muss dann eben auch in vollem Umfang anerkannt werden.

Welche beruflichen Stationen haben Sie zur DHBW geführt?

Während meines Bachelorstudiums konnte ich die Produktionsmaschinen und Fertigungsabläufe einer Arzneimittelproduktion beim Pharmakonzern Pfizer in Freiburg kennenlernen. Erste Erfahrungen in der Automobilbranche sammelte ich dann während meines Masterstudiengangs bei der Firma Bosch. Im dortigen Entwicklungszentrum in Abstatt verantwortete ich verschiedene Fahrzeugversuche im Rahmen von Autonomem Fahren.
Die Abschlussarbeit während meines Masterstudiengangs verfasste ich bei der Bussparte der Daimler AG. Dabei erstellte ich ein Konzept zur Automatisierung des Materialflusses mit fahrerlosen Transport-fahrzeugen im Omnibusrohbau der EvoBus GmbH in Mannheim.
Die letzten zehn Jahre war ich in verschiedenen Positionen bei der Firma Schaeffler tätig. Besonders lehrreich war dabei mein knapp fünfjähriger Auslandseinsatz. Bei diesem habe ich alle 75 Produktions-werke weltweit betreut. Neben technischem Know-How konnte ich so auch etliches zum Thema Interkulturalität und Führungserfahrung im internationalen Umfeld dazulernen.
Die beiden letzten Jahre war ich im E-Mobility Headquarter der Firma Schaeffler für strategische und organisatorische Sonderprojekte verantwortlich.

Was hat Sie persönlich motiviert, Professorin zu werden, und wie haben Sie es geschafft, eine zu werden?

In der Industrie, speziell im Produktionsumfeld, habe ich gelernt, dass ein gewisser Pragmatismus von Nöten ist. Dennoch hat mir auch das wissenschaftlich fundierte Arbeiten während meines Studiums und speziell bei meiner Industriepromotion gefallen. Von daher konnte ich mir eine Tätigkeit mit der Kombination aus beidem gut vorstellen und entschied mich, mich als externe Lehrbeauftragte in die Studiengänge Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen einzubringen. Diese neue Erfahrung hat mich dann darin bestärkt, mich auf meine jetzige Professur an der DHBW zu bewerben.

Warum möchten Sie ausgerechnet an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe unterrichten?

Weil mich das duale System von Anfang an überzeugt hat. Gerade weil ich aus der Industrie komme, habe ich im Umgang mit Hochschulabsolvent*innen einige Erfahrungen sammeln können. Und ich habe dort mehrfach festgestellt, dass DHBW Studierende für den Arbeitsalltag geeignet qualifiziert sind. Die wechselnden Theorie- und Praxisphasen sowie die enge Kooperation zwischen der Hochschule und ihren Dualen Partnern ermöglicht es den Studierenden, sich auch praktisches Erfahrungswissen anzueignen. Und das macht den Unterricht abwechslungsreich und interessant. Man kann mit den Studierenden ganz konkrete Themen aus dem jeweiligen Praxisalltag erörtern.
Gerade in „meinem“ Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen ist dies entscheidend: Wirtschaftsingenieure agieren oftmals an den Schnittstellen zwischen Technologie und Management. Sie benötigen ein technisches und betriebswirtschaftliches Grundverständnis, müssen schnell übergreifende Zusammen-hänge erkennen und beurteilen können und darauf basierend Entscheidungen treffen. Da braucht es in der Praxis oftmals ein pragmatisches Vorgehen, denn es ist nicht immer alles so idealtypisch wie in der Literatur beschrieben.

Was finden Sie an Ihrer Arbeit an der DHBW Karlsruhe besonders erfüllend, herausfordernd?

Besonders erfüllend finde ich die zu vermittelnde Theorie durch meine praktischen Erfahrungen zu untermauern. Herausfordernd hingegen finde ich die technischen und betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge so zu erklären, dass die komplette Struktur eines Unternehmens erfasst werden kann. Denn das zeichnet Wirtschaftsingenieure aus.

Was möchten Sie Ihren Studierenden vermitteln?

Die Begeisterung für die Produktion! Produktion ist beständig, transparent und die Leistung eines Teams. Durch diese Transparenz ist die Leistung messbar. Klar, klingt das erstmal negativ, weil eine Nichter-reichen des Ziels sofort erkennbar ist.
Andererseits gibt es unzählige Male, in denen ein Team trotz Materialmangel, trotz Personalmangel etc. durch den eigenen Einsatz und Fleiß, durch Ideen und Optimierungen es geschafft hat, das Tagesziel zu erreichen. Am Ende des Tages weiß man, was man „geschafft“ hat.

Gibt es Personen, die Sie besonders beeinflusst haben?

Zum einen sicherlich meine Eltern und meine beiden Brüder. Andererseits habe ich auch während meines beruflichen Werdegangs viele bereichernde und unterstützende Personen – Männer wie Frauen - kennenlernen dürfen. Dabei einige Führungskräfte aus der Industrie, die mich in auf meinem Weg bestärkt und unterstützt haben, meine Doktormutter als Vorbild für Frauen in der Wissenschaft und fachfremde Professorinnen, die mir für Fragen im Hinblick auf eine Professur zur Verfügung standen.

Was würden die meisten Menschen von Ihnen gar nicht erwarten?

…dass ich meinen Baby-Benz liebe. Meinen weißen Mercedes 190 D mit elektrischem Schiebedach und Airbag habe ich mir mit 18 gekauft. Seitdem hat er mich viele Kilometer sicher und zuverlässig vorangebracht, sodass ich ihn einfach nicht verkaufen kann. Mein treuer, rostfreier Gefährte feiert nächstes Jahr seinen 30ten Geburtstag und freut sich auf sein H Kennzeichen.

Aus Ihrer erfolgreichen Vita heraus: Was würden Sie jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen mit auf den Weg geben?

Ich kann jeder jungen Frau raten, offen für technische Berufe zu sein, und die jeweiligen sich daraus ergebenden Möglichkeiten für sich selbst in Betracht zu ziehen. Technik begeistert mich immer wieder und deshalb fühle ich mich in meiner Berufswahl regelmäßig bestätigt. Unabhängig von der Berufswahl ist mein Erfolg auch sicherlich auf Disziplin, Ausdauer und Willensstärke zurückzuführen, die sich letztendlich für mich ausbezahlt haben.

weitere Informationen: https://www.karlsruhe.dhbw.de/dhbw-karlsruhe/aktuelles/detail/neu-an-der-dhbw-karlsruhe-504.html

Autor:

Susanne Diringer aus Karlsruhe

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