Gelbe Blätter mitten im Sommer: Forstamt Karlsruhe warnt vor Astbruch im Wald
- Verfärbte Baumkronen und trockene Äste zeigen im Karlsruher Wald, wie sehr Hitze und Trockenheit zusetzen.
- Foto: Stadt Karlsruhe, Roland Fränkle
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Karlsruhe. Wer in den Wäldern des Stadtkreises Karlsruhe unterwegs ist, sieht derzeit vielerorts verfärbte Baumkronen. Was wie früher Herbst aussieht, ist laut Forstamt eine Stressreaktion auf anhaltende Hitze und Trockenheit.
Vor allem Laubbäume reagieren auf Wassermangel, indem sie ihre Blätter frühzeitig verfärben oder abwerfen. So senken sie die Verdunstung und stabilisieren ihren Wasserhaushalt. Gleichzeitig zeigt das nach Angaben des Forstamtes, wie stark viele Bäume unter den außergewöhnlichen Witterungsbedingungen leiden.
Forstamt bittet im Wald um Vorsicht bei Hitze und Gewittern
Forstamtsleiter Dr. Stefan Wilhelm ordnet die Lage so ein: „Wenn wir heute durch den Wald gehen und gelbe Blätter sehen, dürfen wir nicht an einen frühen Herbst denken. Wir sehen die unmittelbaren Folgen der klimatischen Veränderungen. Unsere Aufgabe ist es, den Wald so weiterzuentwickeln, dass auch künftige Generationen einen gesunden, artenreichen und widerstandsfähigen Stadtwald erleben können. Jeder heute gepflanzte Baum ist eine Investition in die Zukunft unserer Stadt".
Wie die Stadtverwaltung Karlsruhe mitteilt, schwächen wiederkehrende Trockenperioden seit mehreren Jahren die Vitalität vieler Waldbäume. Besonders betroffen sind flachwurzelnde Baumarten sowie Bäume, die durch gesunkene Grundwasserstände den Anschluss an das Grundwasser verloren haben. Die aktuelle Witterung verschärft die Situation zusätzlich. Geschwächte Bäume reagieren demnach anfälliger auf Schädlinge, Krankheiten und weitere klimabedingte Belastungen.
Hinzu kommt eine erhöhte Gefahr von sogenannten Grünastabbrüchen. Dabei können laut Forstamt selbst äußerlich gesunde, belaubte Äste ohne erkennbare Vorwarnung aus der Krone herabstürzen. Besonders betroffen sind ältere Laubbäume, vor allem Buchen und Eichen. Das Forstamt rät deshalb, sich nicht länger als nötig unter großen Altbäumen aufzuhalten und dort keine längeren Pausen zu machen. Bei großer Hitze, starkem Wind sowie während und unmittelbar nach Gewittern soll die Bevölkerung den Wald möglichst meiden.
Auch junge Waldbestände leiden. Um klimaresiliente Mischwälder langfristig zu sichern, bewässert das Forstamt nach eigenen Angaben inzwischen sogar frisch gepflanzte Bäume im Wald. Das sei früher kaum nötig gewesen, werde aber zunehmend wichtig, damit junge Bäume empfindliche Standjahre und längere Trockenphasen überstehen.
Das Forstamt beobachtet die Entwicklung der Waldbestände fortlaufend und bewertet dabei auch kontinuierlich die Waldbrandgefahr. Es warnt, dass bereits ein einziger Funke reichen kann, um einen Waldbrand auszulösen, und bittet Waldbesucherinnen und Waldbesucher um besondere Umsicht.
Dazu nennt das Forstamt konkrete Regeln. Die Bevölkerung soll keine offenen Feuer oder Grillgeräte im Wald außerhalb der Grillplätze oder in Waldnähe benutzen. Außerdem sollen keine Zigaretten oder glimmenden Gegenstände weggeworfen werden. Fahrzeuge sollen nicht auf Gras oder Wiesen stehen, weil heiße Fahrzeugteile trockene Pflanzen entzünden können. Müll soll nicht im Wald bleiben. Rauch oder Feuer sollen sofort über den Notruf 112 gemeldet werden.
Die Stadt Karlsruhe entwickelt ihren Stadtwald seit vielen Jahren naturnah weiter, um ihn an klimatische Veränderungen anzupassen. Ziel sind vielfältige, strukturreiche und klimaresiliente Mischwälder, die auch künftig als Lebensraum, Klimaschützer, Erholungsraum und Rohstofflieferant funktionieren. Das Forstamt bittet Bürgerinnen und Bürger um Verständnis und Unterstützung beim Schutz des Stadtwaldes.
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |