Handelsverband: „Drohungen gehören zum Alltag“
Aggression bei Ladendieben nimmt zu

Die Polizei muss zu häufig bei Ladendiebstählen in Karlsruhe eingreifen.
  • Die Polizei muss zu häufig bei Ladendiebstählen in Karlsruhe eingreifen.
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  • hochgeladen von Jo Wagner

Der Fall klingt erschütternd: Mitte Februar hat ein ertappter Ladendieb in einem Elektronik-Markt in der Karlsruher Innenstadt einem Ladendetektiv einen Mülleimer ins Gesicht geschlagen, ihn aufs Übelste beleidigt undauch noch bedroht! Der Sicherheitsbeauftragte erlitt Schnitt- und Platzwunden sowie diverse Prellungen. Erst Polizisten des Reviers am Marktplatz konnten den Randalierer bändigen. Mittlerweile sitzt der 27-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung in U-Haft.

Eine zunehmende Aggression bei Ladendieben hat auch Petra Lorenz, Präsidentin des "Handelsverbands Nordbaden“, festgestellt: „Das Gewaltpotenzial ist gestiegen. Drohungen und Schreien gehören mittlerweileleider zum Alltag, wenn man Diebe zur Rede stellt. Früher haben sie die Ware auch mal fallen gelassenund sind weggerannt – aber heute laufen viele ganz normal weiter und werden stattdessenauch noch aggressiv“, berichtet die Inhaberin zweier Lederwaren- und Taschengeschäftein der City und in Durlach. Insgesamt habe sich die Situation jedoch etwas beruhigt. Sie sei nicht mehr vergleichbar mit dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015, als täglich Diebstähle in der Fußgängerzone zu verzeichnen gewesen sind. Denn im Sog der Flüchtlingskrise seien damals auch professionelle Diebesbandenvornehmlich aus Südosteuropa unterwegs gewesen, „die kamen oft zu dritt ins Geschäft, verwickelten unsere Mitarbeiterinnen in Gespräche, auch wenn sie kaum Deutsch sprachen, gingen hinter die Kassen und warteten Gelegenheiten ab.“ Gerade auch die Außenware sei bei Langfingern „beliebt“ gewesen, meist wurden da Herrentaschen gestohlen.
Problem dabei: Ketten oder auch elektronische Sicherungen schrecken potenzielle Diebe kaum noch ab, weiß Geschäftsführerin Lorenz leider aus Erfahrung. Riemen oder eine Kette seien schnell durchbrochen: „Letztlich haben wir die Szenerie im Auge und natürlich auch einen geschulten Blick. Wenn jemand draußen auffällig herumhantiert, dann gehe ich schon mal hin, zeige Präsenz und spreche den Betreffenden an.“
Alles stände aber unter der Prämisse, dass es sich für Mitarbeiter nicht lohne, ein Risiko einzugehen. "Was machen wir, wenn einer ein Messer zieht?“ so Lorenz: „Bei mir arbeiten vorwiegend Frauen. Vorsicht und der Schutz der eigenen Person haben da immer Vorrang.“ Aber es gebe viel Kollegialität unter den Händlern – und derenLadendetektive. Im Ernstfall helfe man sich gegenseitig, und auch das Polizeirevier am Karlsruher Marktplatz sei nicht weit. Glücklicherweise sei die Situation zwar nicht mehr mit 2015 vergleichbar, aber letztlich sei es auch eine juristische Frage. So lange Kriminelle wüssten, dass Diebstahl in Deutschlandquasi als „Kavaliersdelikt“ eingestuft werde, und kaum strafrechtliche Konsequenzen zu spürenseien, so lange würden Diebe sich in ihrem Tun kaum einschränken lassen. (bom)

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