Zoo Karlsruhe: Erste Nachzucht der Eleganten Harlekinkröte in Europa
- Noch nie wurde die Art in Europa nachgezüchtet. Die Eleganten Harlekinkröten werden von der Weltnaturschutzunion als „stark gefährdet“ geführt.
- Foto: Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Zoo Karlsruhe. Dem Zoo ist erstmals in Europa die Nachzucht der Eleganten Harlekinkröte gelungen. Seit Anfang Juli haben rund 40 Jungtiere ihre Entwicklung von der Kaulquappe zur Kröte abgeschlossen und das Wasser verlassen.
Die Jungtiere sind mit etwa vier Millimetern Körpergröße noch kaum größer als ein Reiskorn. Die Elterntiere kamen im Sommer 2024 von der ecuadorianischen Organisation Wikiri nach Europa und wurden auf den Zoo Karlsruhe und den Tierpark Hellabrunn in München verteilt.
Zoo Karlsruhe: Rund 40 Jungtiere seit Anfang Juli an Land
In Karlsruhe legten die Tiere Mitte April zwei Gelege ab. Aus den Eiern entwickelten sich Kaulquappen, die nun nach und nach ihre Metamorphose abschließen. Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt ordnet den Erfolg so ein: „Diese europäische Erstnachzucht ist ein herausragender Erfolg für unseren Zoo und den Artenschutz. Sie zeigt, wie wichtig es ist, sich auch um Arten zu kümmern, die keine große Lobby haben.“
Anspruchsvolle Aufzucht im Exotenhaus
Für die Zucht spielen Wasserqualität, Temperatur, Strömung und Futter eine zentrale Rolle. Besonders anspruchsvoll wird es nach der Metamorphose: Während Kaulquappen Algen fressen, brauchen die nur wenige Millimeter großen Kröten entsprechend winzige Futterinsekten.
Dr. Lukas Reese, Zootierarzt sowie Kurator für das Exotenhaus, beschreibt den Aufwand: „Dass rund 40 Tiere die Metamorphose geschafft haben, ist ein großartiges Ergebnis. Bis dahin sind jedoch viele einzelne Arbeitsschritte und sehr genaue Beobachtungen notwendig“.
Herkunft, Gefährdung und Reservepopulationen
Die Elegante Harlekinkröte kommt ursprünglich in Ecuador und Kolumbien vor, in Ecuador ist nur noch eine Population bekannt. Die Weltnaturschutzunion führt die Art auf der IUCN Red List of Threatened Species als „stark gefährdet“. Neben dem Verlust geeigneter Lebensräume trugen Krankheiten zu massiven Bestandsrückgängen vieler Amphibien bei, besonders der Chytridpilz dezimierte zahlreiche Arten der Gattung Atelopus. Gesunde Reservepopulationen in menschlicher Obhut können deshalb für das langfristige Überleben dieser Tiere entscheidend sein.
Zweite erfolgreiche Atelopus-Nachzucht in Karlsruhe
Für den Zoo ist es bereits die zweite erfolgreich nachgezüchtete Art aus der Gattung der Harlekinkröten. 2023 gelang hier erstmals in einem europäischen Zoo die Nachzucht der vom Aussterben bedrohten Rio-Pescado-Stummelfußkröte (Atelopus balios). Reese sagt dazu: „Die Entwicklung bei Atelopus balios zeigt, was aus einem ersten Zuchterfolg entstehen kann, wenn Wissen und Tiere verantwortungsvoll weitergegeben werden“. Neben den beiden bereits erfolgreich vermehrten Arten hält der Zoo Karlsruhe auch Wampukrum-Harlekinkröten, bei dieser wissenschaftlich noch nicht beschriebenen Art gelang eine Nachzucht bislang noch nicht. [red]
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |