Corona stellt Physios vor gewaltige Herausforderungen
„Wir halten so lange wie möglich die Stellung“

Ihre Arbeit  aus gebührender Distanz zu verrichten, ist für die Physiotherapeuten schlicht ein Ding der Unmöglichkeit. Daher werden alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen.
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von Ralf Vester
Gesundheit. Physios fallen unter die Rubrik der sogenannten Heilmittelerbringer und als systemrelevante Betriebe nicht unter die in der Corona-Krise kürzlich von der Regierung verordneten Geschäftsschließungen. Praxen und Reha-Einrichtungen sollen die Patientenversorgung weiterhin sicherstellen.

Doch diesen Berufsstand stürzt genau das in ein gewisses Dilemma. Die Krux daran ist einerseits, dass diese Branche nicht unter den behördlichen Schutzschirm fällt, der es den vom strikten Öffnungsverbot betroffenen Unternehmen aller Voraussicht nach zunächst einfacher machen könnte, an staatliche Hilfen für ihre finanziellen Ausfälle zu gelangen.

Sie dürfen zwar geöffnet haben, dennoch ist ihre Sparte von erheblichen Einbußen aufgrund ausbleibender Patienten betroffen. Auf der anderen Seite ist es für Physios wie beispielsweise Norman Schild, Chef der Praxis Rehamed in Kaiserslautern, gerade in außergewöhnlichen Zeiten wie diesen ein absolutes Bedürfnis, die Stellung zu halten und den Menschen zu helfen, indem sie ihre Dienste so lange wie nur irgend möglich weiter anbieten.

Nun sind Physios freilich in einem Segment tätig, in dem das Arbeiten aus der derzeit angeratenen Distanz schlicht unmöglich ist. Sie müssen in aller Regel dicht ran an die Frau und den Mann, um ihnen ihre Therapien angedeihen zu lassen. Für Ärzte ist das Bewahren vor engem körperlichem Kontakt allerdings offenbar ein Grund, den Patienten derzeit nur noch eingeschränkt oder gar keine neuen krankengymnastischen Rezepte zu verschreiben.

„Wir haben selbstverständlich unsere ohnehin schon hohen Hygienestandards gemäß den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts weiter hochgefahren. Sämtliche Behandlungsräume werden vor und nach jedem Patienten akribisch desinfiziert. Für Risikogruppen wie ältere Menschen treffen wir alle Vorkehrungen, um sie und uns bestmöglich zu schützen“, unterstreicht Norman Schild.
Dazu gehören auch das Arbeiten mit Mundschutz und immer wieder der Einsatz von Desinfektionsmitteln. Und genau da rollt schon das nächste Problem heran. Die Vorräte in Sachen Mundschutz und Desinfektionsmitteln neigen sich bei vielen dem Ende entgegen, Nachschub wird dringend benötigt.

Diesen zu organisieren, kommt derzeit jedoch der Quadratur des Kreises gleich. Sowohl die Großhändler als auch Apotheken machen wenig Hoffnung auf schnelle Abhilfe. Physiotherapeutische Praxen werden trotz ihrer Systemrelevanz nicht adäquat mit Schutzausrüstung oder Bedarfszuweisungen versorgt. Deswegen richten sich Schild und seine Kollegen mit einer Bitte an alle Sonnenstudiobesitzer, Kosmetikgeschäfte, Friseure und alle anderen, die ihrem Berufsstand helfen könnten: „Bitte verkauft uns Physios in und um Kaiserslautern Desinfektionsmittel und Masken. Unser Bestand hält nur noch begrenzt.“

Die Umsätze brechen beträchtlich ein. Deshalb treffen die Praxen natürlich Vorkehrungen, um die laufenden Betriebskosten zu reduzieren. Bei vielen festangestellten Mitarbeitern ist Kurzarbeit längst ein Thema. Auch die angebotenen Leistungen sind auf das wirklich Wesentliche reduziert, die absoluten Kernkompetenzen stehen im Mittelpunkt des Handelns. „Wir beschränken uns auf diejenigen, die wirklich unsere Hilfe brauchen. Das sind Patienten mit Schmerzen oder Erkrankungen, die unbehandelt zu Folgeschäden führen“, präzisiert Norman Schild.

Je länger die durch das Coronavirus bedingte Ausnahmesituation dauert, umso kniffliger wird die wirtschaftliche Lage. Einige Praxen in und um Kaiserslautern haben aus verschiedenen Gründen bereits beschlossen, vorübergehend zu schließen. Ob und wie der Staat den Physios in diesen Zeiten finanziell zur Seite stehen kann, ist noch ungewiss. Noch ist die Zunft vollkommen auf sich allein gestellt. Der Fokus ist in erster Linie auf die bestmögliche Versorgung der Patienten gerichtet: „Das sind wir unseren Patienten und Mitarbeitern schuldig. Wir wollen sie nicht im Stich lassen und ihnen das über all die Jahre hinweg entgegengebrachte Vertrauen zurückzahlen. Viele Leute wissen gar nicht, dass unsere Praxen noch geöffnet haben“, bringt Norman Schild die Physios in der Region noch einmal nachdrücklich bei der Bevölkerung in Erinnerung.

Inzwischen haben die hiesigen Physios eine WhatsApp-Selbsthilfegruppe gegründet, in der jeder weitere Kollege herzlich willkommen ist. Interessenten können sich an Georg Nic vom Therapiezentrum Kaiserslautern wenden.

Ihre Arbeit  aus gebührender Distanz zu verrichten, ist für die Physiotherapeuten schlicht ein Ding der Unmöglichkeit. Daher werden alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen.
Physios wie Norman Schild stecken in einem echten Dilemma
Autor:

Ralf Vester aus Kaiserslautern

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