Hilfe nach Gewalt ohne sofortige Anzeige: Neues Angebot am Westpfalz-Klinikum
- Das Westpfalz-Klinikum erweitert sein Unterstützungsangebot für Menschen, die häusliche oder sexualisierte Gewalt erlebt haben
- Foto: doidam10/stock.adobe.com
- hochgeladen von Monika Klein
Kaiserslautern. Wer Gewalt erlebt hat, kann sich künftig auch am Westpfalz-Klinikum medizinisch versorgen und Verletzungen sowie Spuren vertraulich dokumentieren lassen – ohne sofort Strafanzeige erstatten zu müssen. Mit der Beteiligung am landesweiten Projekt „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ erweitert das Klinikum sein Unterstützungsangebot für Betroffene häuslicher und sexualisierter Gewalt.
Hilfe nach Gewalt ohne sofortige Anzeige
Das vom Land Rheinland-Pfalz initiierte Angebot „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ ermöglicht Betroffenen eine vertrauliche medizinische Versorgung. Auf Wunsch können Verletzungen dokumentiert und Spuren der Gewalt gerichtsfest gesichert werden – ohne dass damit die Verpflichtung verbunden ist, Strafanzeige zu erstatten.
„Für Menschen, die Gewalt erfahren haben, ist es entscheidend, dass sie selbst über die nächsten Schritte bestimmen können. Unser Ziel ist es, ihnen einen geschützten Zugang zu medizinischer Hilfe zu ermöglichen und gleichzeitig die Option offenzuhalten, sich zu einem späteren Zeitpunkt für rechtliche Schritte zu entscheiden“, sagt Prof. Dr. med. Karlheinz Seidl, Ärztlicher Direktor am Westpfalz-Klinikum.
- Prof. Dr. med. Karlheinz Seidl, Ärztlicher Direktor am Westpfalz-Klinikum, weiß, wie wichtig es für Betroffene ist, dass sie selbst über die nächsten Schritte entscheiden
- Foto: Westpfalz-Klinikum/gratis
- hochgeladen von Monika Klein
Westpfalz-Klinikum erweitert bestehendes Angebot
Das Westpfalz-Klinikum beteiligt sich seit Ende 2023 am Modellprojekt „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“, das ebenfalls vom Land Rheinland-Pfalz initiiert wurde. Mit der Beteiligung am Projekt „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ wird dieses Engagement nun ausgeweitet: Das neue Angebot umfasst neben der medizinischen Versorgung nach sexualisierter Gewalt künftig auch die vertrauliche Versorgung und Spurensicherung bei häuslicher Gewalt und weiteren Gewaltformen.
Spuren können vertraulich gesichert werden
Die beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden speziell für den sensiblen Umgang mit Betroffenen sowie für die rechtsmedizinisch relevante Dokumentation geschult. Betroffene entscheiden dabei selbst, welche Untersuchungen und Dokumentationen durchgeführt werden und ob sie eine vertrauliche Spurensicherung wünschen.
- Andrea Bergsträßer, Pflegedirektorin des Westpfalz-Klinikums, erläutert, dass die Teams speziell geschult, um Betroffene kompetent und einfühlsam zu unterstützen
- Foto: Westpfalz-Klinikum/gratis
- hochgeladen von Monika Klein
„Unsere Teams an allen Standorten werden gezielt geschult, um Betroffene kompetent und einfühlsam zu unterstützen“, so Andrea Bergsträßer, Pflegedirektorin des Westpfalz-Klinikums.
Betroffene entscheiden selbst über die nächsten Schritte
Die erhobenen Befunde werden beim Institut für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Mainz mehrere Jahre lang sicher aufbewahrt. Erst wenn sich die betroffene Person zu einem späteren Zeitpunkt für eine Strafanzeige entscheidet und einer Schweigepflichtsentbindung zustimmt, können die Unterlagen an die Ermittlungsbehörden weitergegeben werden.
Dieses Angebot richtet sich an alle Menschen ab 18 Jahren, die von häuslicher oder sexualisierter Gewalt betroffen sind. Auf Wunsch wird zusätzlich der Kontakt zu einer regionalen Frauenunterstützungseinrichtung vermittelt.
Unterstützungsangebot auch für Kinder und Jugendliche
Auch für Kinder und Jugendliche steht im Westpfalz-Klinikum ein Unterstützungsangebot zur Verfügung. Neben der medizinischen Versorgung können dabei unter anderem Kinderpsychologinnen und -psychologen sowie der Sozialdienst einbezogen werden.
Gemeinsam wird im Einzelfall sorgfältig geprüft, welche Unterstützung erforderlich ist. Maßgeblich sind dabei stets das Wohl des Kindes und eine individuelle Einschätzung der Gefährdungssituation.
Hilfe unabhängig von einer Strafanzeige
Das Projekt „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ schließt eine wichtige Lücke: Betroffene müssen sich nicht zwischen medizinischer Hilfe und einer sofortigen Strafanzeige entscheiden. Sie erhalten medizinische Versorgung und können auf Wunsch Spuren sichern lassen, während die Entscheidung über eine Anzeige zu einem späteren Zeitpunkt getroffen werden kann.
Gerade bei Gewaltverletzungen und sexualisierter Gewalt ist eine zeitnahe medizinische Untersuchung wichtig, da Verletzungen innerhalb weniger Tage verheilen und Spuren verloren gehen können. Auch kleinere Verletzungen können für eine spätere strafrechtliche Aufarbeitung relevant sein. Das Angebot ist vertraulich – die Entscheidung über eine Strafanzeige bleibt jederzeit bei der betroffenen Person.
Vorstellung des Angebots bei öffentlicher Auftaktveranstaltung
Das Westpfalz-Klinikum stellt das neue Angebot am Freitag, 28. August, ab 10 Uhr, im Rahmen einer öffentlichen Auftaktveranstaltung im Hörsaal (Haus 4, Ebene 2) am Standort Kaiserslautern vor.
Als besonderer Gast nimmt Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Staatsministerin für Arbeit, Soziales, Frauen, Familie und Jugend, teil und ordnet das Projekt politisch ein. Die Begrüßung übernehmen Geschäftsführer Thorsten Hemmer und Prof. Dr. med. Karlheinz Seidl, Ärztlicher Direktor des Westpfalz-Klinikums.
Im Anschluss gibt Leila Malolepszy, Projektleiterin am Institut für Rechtsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, einen Einblick in das Projekt und seine Ziele.
Konkrete Umsetzung wird bei Gesprächsrunde erläutert
Wie die „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ konkret am Westpfalz-Klinikum umgesetzt wird, steht anschließend im Mittelpunkt einer von Prof. Dr. med. Karlheinz Seidl moderierten Gesprächsrunde, an der Vertreterinnen und Vertreter verschiedener medizinischer Fachbereiche des Klinikums teilnehmen. Ergänzend stellen sich die Trauma-Ambulanz des Pfalzklinikums sowie regionale Frauenunterstützungseinrichtungen mit ihren Hilfsangeboten vor.
Im Anschluss besteht bei einem kleinen Imbiss Gelegenheit zum Austausch. Die Veranstaltung endet gegen 11.45 Uhr.
Es wird um Anmeldung per E-Mail an abuley@westpfalz-klinikum.de wird gebeten. red
Autor:Monika Klein aus Kaiserslautern |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.