Fahrradstraße in Kaiserslautern: So fällt die erste Bilanz aus
- Julia Bingeser, Radverkehrsbeauftragte der Stadt Kaiserslautern, zieht eine erste Bilanz zur neuen Fahrradstraße zwischen Volkspark und Stadtpark.
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Kaiserslautern. Seit Mai verbindet die erste innerstädtische Fahrradstraße den Volkspark mit dem Stadtpark. Radfahrer nutzen die Route zunehmend und fühlen sich sicherer, während sich Autofahrer noch an die geänderte Verkehrsführung gewöhnen müssen. Stadt, ADFC und Polizei ziehen eine erste Bilanz und erklären, wo es noch Probleme gibt und welche Regeln gelten.
Von Monika Klein
Für die Fahrradstraße wurden teils neue Einbahnstraßen eingerichtet, die nicht für Radfahrer gelten – sie können in beide Richtungen fahren –, sondern nur für Kraftfahrzeuge. Wo früher Gegenverkehr herrschte, geht es nun in eine Richtung oder die Fahrtrichtung wurde geändert. "Das ist eine riesige Umstellung", weiß die städtische Radverkehrsbeauftragte, Julia Bingeser.
- Seit Mai gilt auf der Fahrradstraße in Kaiserslautern eine neue Verkehrsführung. Während Radfahrer in beide Richtungen fahren dürfen, gelten für Kraftfahrzeuge teilweise geänderte Einbahnstraßenregelungen.
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Rolf Jäger, Vorsitzender des Kaiserslauterer Kreisverbands des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), hat in der ersten Woche viele Falschfahrer in den Einbahnstraßen beobachtet. "Mittlerweile ist es besser geworden, aber in den Köpfen ist die neue Regelung immer noch nicht angekommen."
Falschfahrer in den Einbahnstraßen beschäftigen die Polizei
Das Fahren entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung war nach Angaben der Polizei der am häufigsten festgestellte Verstoß. Vor allem in der Anfangszeit kontrollierte die Polizei den Verkehr in der Augustastraße regelmäßig, um die Verkehrsteilnehmer auf die Änderungen aufmerksam zu machen. Auch weiterhin werde dort verstärkt kontrolliert, teilt das Polizeipräsidium Westpfalz auf Anfrage mit.
- Breite weiße Blockmarkierungen und rote Markierungen an Kreuzungen sollen die Sicherheit auf der Fahrradstraße in Kaiserslautern erhöhen. Stadt und ADFC berichten von positiven Rückmeldungen zur neuen Route.
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Bingeser verweist darauf, dass es auf dem Abschnitt der Augustastraße zwischen Arbeitsagentur und dem ehemaligen Sitz des Stadtverbands des Deutschen Roten Kreuzes aufgrund der schmalen Straße häufig zu abgefahrenen Spiegeln gekommen sei. Dies sei aufgrund der Einbahnstraßenregelung nicht mehr der Fall. Sie erhofft sich genauso wie Jäger durch den Neubau des Lidl-Marktes mit geänderten Zufahrten, dass die Anzahl der Falschfahrer sinkt.
Fahrradstraße Kaiserslautern: Mehr Radfahrer auf der Route
Insgesamt wird die Fahrradstraße gut angenommen. "Wir bekommen Rückmeldungen, dass der Pkw-Anteil durch die Einbahnstraßenregelung deutlich gesunken und der Fahrradanteil gestiegen ist", erzählt Bingeser. Auch Familien seien froh, dass sie mit ihren Kindern auf zwei Rädern jetzt sicherer unterwegs sein können.
Die Nutzung durch Radfahrer belegen auch Verkehrszählungen, die die Stadt im Sommer 2021 und 2026 jeweils an einem Werktag an der gleichen Stelle durchgeführt hat. Laut Bingeser sei die Zahl der Radfahrer von damals knapp 500 auf rund 700 gewachsen, sagt sie im Hinblick auf die für sie "signifikante Steigerung".
Jäger freut sich ebenfalls, dass die Route zunehmend von Radfahrern genutzt werde. Bislang sei ihm nichts davon zu Ohren gekommen, dass Radler bedrängt wurden. Der Abstand beim Überholen von mindestens 1,5 Metern werde laut ihm eingehalten. "Man fühlt sich viel sicherer", hält er fest. Positiv bewertet er auch, dass sich der Verkehr vor dem Jugendhaus und der Schule deutlich reduziert habe.
- Die neue Verkehrsführung in der Fahrradstraße erfordert viele Hinweise: Schilder weisen auf Einbahnstraßen, Parkzonen und Halteverbote hin. Die Stadt hat sich bewusst für eine auffällige Beschilderung entschieden, um die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer zu erhöhen.
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Dass es für manchen Autofahrer nicht einfach ist, die neue Verkehrsführung in Sekundenschnelle zu erfassen, zumal weitere Schilder auf die Parkzone und ein Halteverbot hinweisen, ist Bingeser bewusst. Laut der Straßenverkehrsordnung (StVO) sei dieser Schilderwald jedoch erforderlich. "Wir haben uns dazu viele Gedanken gemacht, wie wir möglichst viel Aufmerksamkeit erzielen können", hält sie fest.
Diese Markierungen sollen für mehr Sicherheit sorgen
Blockmarkierungen mit breiten weißen Streifen an beiden Seiten der Fahrbahn sollen verhindern, dass beim Öffnen der Autotür ein Radfahrer zu Fall gebracht wird. In Kreuzungsbereichen wurden rote Markierungen auf dem Asphalt aufgebracht und es wurden etliche Fahrradstraßenschilder montiert.
Die Fahrradstraße ist Bestandteil des Mobilitätsplans "Klima+ 2030". Sie soll Radfahrern ein sicheres und komfortables Fahren ermöglichen. Geplant sei neben kleinen Restarbeiten und einer weiteren Verkehrszählung auch das Installieren einer Dauerzählstelle, die mit Mitteln aus dem Kommunalen Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation finanziert werde, berichtet Bingeser.
Dass es angesichts des insgesamt hohen Verkehrsaufkommens zu Gefahrensituationen kommen könne, ist der Radverkehrsbeauftragten bewusst. Sie appelliert deshalb an alle Verkehrsteilnehmer, rücksichtsvoll und defensiv zu fahren und mit dem Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer zu rechnen. Zunächst wolle die Stadt die Entwicklung weiter beobachten und der neuen Verkehrsführung Zeit geben, sich im Alltag einzuspielen. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“, so Bingeser.
Fahrradstraße: Welche Regeln gelten
- In einer Fahrradstraße gilt für alle Fahrzeuge maximal Tempo 30.
- Der Radverkehr hat Vorrang und darf nebeneinander fahren.
- Kraftfahrzeuge dürfen den Radverkehr weder behindern noch gefährden und müssen gegebenenfalls ihre Geschwindigkeit verringern.
- Beim Überholen innerorts ist auch in Fahrradstraßen auf den Mindestabstand von 1,50 Metern von Kraftfahrzeugführern gegenüber Radfahrenden zu achten.
- Radverkehr darf in beiden Richtungen fahren.
Diese Strafen drohen
- Geschwindigkeitsüberschreitungen: Verstöße innerhalb der Stadt werden laut Polizei durch die Stadtverwaltung geahndet. Hier gilt der Bußgeldkatalog.
- Fahren entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung: Für Kraftfahrzeugfahrer beträgt das Verwarngeld mindestens 50 Euro. Für Radfahrer drohen mindestens 20 Euro. Ausnahme: Auf der Fahrradstraße in der Augustastraße ist Radverkehr in beide Richtungen erlaubt.
- Zu geringer Überholabstand: Wer den vorgeschriebenen Abstand beim Überholen unterschreitet, muss mit einem Verwarngeld von mindestens 30 Euro rechnen.
Weitere Infos und Rechtsgrundlagen
Straßenverkehrsordnung, Anlage 2
Mobilitätsforum Bund – Fahrradstraßen: Definition und Merkmale
Autor:Monika Klein aus Kaiserslautern |
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