Ehrenamtlicher Besuchsdienst des Kreises: Ein Ohr, ein Lächeln, ein Besuch
- Die Ehrenamtlichen des Besuchsdienstes bringen oft Licht in den Alltag der älteren Menschen
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Kreis Kaiserslautern. Einsamkeit ist ein schweres Los. Wer sie verspürt, der leidet. Um dieses Leid zu mindern, wurde bereits vor 26 Jahren der Ehrenamtliche Besuchsdienst des Landkreises Kaiserslautern gegründet. Angesiedelt bei der Leitstelle Älterwerden der Kreisverwaltung hat sich ein Netzwerk rund um dieses Angebot formiert, das sich gegenseitig die Bälle zuspielt. Alle Akteure wissen auch: Einsamkeit kann man vorbeugen.
Von Monika Klein
Anneliese Leib und Elisabeth Fini sind seit rund 17 Jahren im Ehrenamtlichen Besuchsdienst aktiv. Als Mentorinnen ist Leib für die Verbandsgemeinde (VG) Bruchmühlbach-Miesau und Fini für die VG Weilerbach zuständig. Sie selbst besuchen alte und einsame Menschen, sind Ansprechpartner für ihre Ehrenamtlichen und organisieren Veranstaltungen für Senioren. Das können Vorträge der Kinderunfallkommission oder der Polizei sein, aber auch die Vorstellung von Pflegeangeboten oder Yoga auf dem Stuhl. "Über unser Netzwerk informieren wir uns gegenseitig über solche Angebote", erzählt Andrea Rihlmann, die als Gemeindeschwester plus Ansprechpartnerin für hochbetagte Bürger in den VG Landstuhl und Ramstein-Miesenbach ist. Das Gebiet ihrer Kollegin Stefanie Gluch umfasst die VG Bruchmühlbach-Miesau und Weilerbach.
Mit im Boot ist auch Verwaltungsmitarbeiterin Liane Kampmann von der Leitstelle Älterwerden, die den Ehrenamtlichen Besuchsdienst unterstützt. "Einsamkeit ist kein Stigma", möchte sie genauso wie Rihlmann Mut machen, die bestehenden Angebote wahrzunehmen. Kein leichtes Unterfangen. "Diese Generation jammert oder fordert nicht", spricht Rihlmann von ihren Erfahrungen und gleichzeitig auch ein Problem an. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, hochbetagte Mitbürger daheim zu besuchen und ihnen Infos mit Hilfsangeboten an die Hand zu geben, damit sie so lange wie möglich in ihrem Zuhause bleiben können. Außerdem informiert sie beispielsweise über Seniorennachmittage, Bewegungsangebote wie "Raus aus dem Haus" oder Rollator-Spaziergänge und über die Veranstaltungen des Besuchsdienstes. Diese niederschwelligen Begegnungsmöglichkeiten seien wichtig, um ins Gespräch zu kommen, Bedarfe auszumachen und eine Vertrauensbasis zu schaffen, so Rihlmann.
- "Gemeinsam gegen einsam" lautet ihr Motto: Elisabeth Fini (von links), Anneliese Leib, Andrea Rihlmann und Liane Kampmann. Es fehlt Gerlinde Blum als Mentorin in den VG Landstuhl und Ramstein-Miesenbach
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Kein Randthema, keine Schande
Diese Bedarfe bringt das Alter mit sich, aber auch der demografische Wandel, veränderte Familienstrukturen, der Renteneintritt mit dem Verlust sozialer Kontakte, der viel zu kleine Geldbeutel oder das Wegbrechen von Freunden und Bekannten durch den Tod. Dazu kommt: "Oft sind die Nachbarn berufstätig, sie haben keine Zeit mehr, sich bei jemandem hinzusetzen und sich seinen Problemen oder Nöten anzunehmen. Früher gab es auch Großfamilien, heute leben die Kinder oft weit weg", benennt Leib weitere Ursachen. Kampmann ergänzt, dass auch ländliche Strukturen und die fehlende Mobilität eine Rolle spielen. Sie unterstreicht: "Einsamkeit ist kein Randthema. Es ist keine Schande, sich Unterstützung zu holen. Oft ist nur der erste Schritt schwer."
Wenn Leib und Fini die älteren Mitbürger besuchen, hören sie zu, lesen vor, trösten, spazieren, begleiten, spielen, kurz: Sie sind ein Gegenüber. Diese wöchentlichen oder 14-tägigen Besuche sind für einige der Senioren die einzigen sozialen Kontakte in diesem Zeitraum. Ein Höhepunkt, auf den sie sich jedes Mal freuen. Dass es durchaus auch das bewusst gewählte Alleinsein gebe, darauf weist Rihlmann hin. Dem gegenüber stehe aber das krank machende Gefühl der Einsamkeit, das ein laufender Fernseher nicht ersetzen könne. "Es führt zu einer kranken Seele, zu Depressionen und kann Demenz hervorrufen", schildert die examinierte Krankenschwester die Folgen. Der Verlust von Interessen gehe häufig damit einher und es können Wortfindungsstörungen auftauchen, da die persönliche Ansprache und Wertschätzung fehlen.
Ehrenamtliche werden gesucht
Für den Ehrenamtlichen Besuchsdienst hat die Corona-Pandemie Einschnitte mit sich gebracht. Gab es dieses Angebot vor 26 Jahren flächendeckend im Kreisgebiet, lösten sich die Gruppen in den VG Enkenbach-Alsenborn und Otterbach-Otterberg auf. Insbesondere die Akquise von neuen Ehrenamtlern und Mentoren war erschwert. "Wir versuchen immer wieder, sie aufleben zu lassen, was uns aber bisher nicht geglückt ist", bedauert Kampmann. Einen Überschuss an Freiwilligen gibt es ohnehin nicht. In der VG Bruchmühlbach-Miesau kann Leib auf circa fünf Ehrenamtler zurückgreifen, in der VG Weilerbach sind es etwa zwölf. Vor allem Empathie müssen sie für diese Aufgabe mitbringen und Zeit. Die könnte manch einer geschenkt bekommen, wenn er den Ruhestand im Blick hat.
So lange sollte man Rihlmann zufolge aber nicht warten, sondern sich schon davor einbringen. "Einsamkeit vorzubeugen, beginnt deutlich früher, nämlich dann, wenn man noch aktiv ist." Sie empfiehlt jedem, sich früh ein soziales Umfeld mit Menschen mit gemeinsamen Interessen aufzubauen, ob privat oder beruflich. "Man kann auch im Ehrenamt durchstarten", meint sie mit einem Augenzwinkern. "Wir möchten dafür sorgen, dass die Senioren einen schönen Lebensabend haben und ihnen die schönen Seiten des Lebens aufzeigen mit dem Fokus weg von Ach und Weh." Einen großen Wunsch hat sie dafür noch: ein Bürgerbus in jeder Verbandsgemeinde, der nicht nur, den Einkauf oder den Arztbesuch ermöglicht, sondern auch das Plaudern miteinander. "Das wäre der einfachste Weg, die Vereinsamung abzumildern."
Info und Kontakt
Ehrenamtlicher Besuchsdienst, Leitstelle Älterwerden, Telefon 0631 7105594 und 0631 7105489, www.kaiserslautern-kreis.de
Autor:Monika Klein aus Kaiserslautern |
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