Festakt zum 50-jährigen Jubiläum des Rathauses
Als die Lautrer nach den Sternen griffen

Die erste Stadtratssitzung am 29.. November 1968
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  • Die erste Stadtratssitzung am 29.. November 1968
  • Foto: Leppla / Stadtarchiv Kaiserslautern
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Kaiserslautern. 84 Meter hoch, ein schlichter Zweckbau, sachlich und ohne Prunk, aus Beton, mit dem Material der Zeit: Bei seiner Fertigstellung im Jahre 1968 war das Lautrer Rathaus das höchste seiner Zunft in ganz Deutschland und ein kleiner architektonischer Meilenstein. Wie es zu dem Bau kam und wo die Besonderheiten des Gebäudes liegen, das war Thema eines Festakts zum 50-jährigen Jubiläum der Schlüsselübergabe am vergangenen Donnerstag.

Der Einladung des Bundes Deutscher Architekten war unter anderem die Witwe des Architekten Roland Ostertag, Irene Ostertag, gefolgt. Höhepunkte waren der Festvortrag durch die Leiterin der Direktion Landesdenkmalpflege Roswitha Kaiser sowie eine Podiumsdiskussion mit Architekturexperten. Seitens der Stadt führte Baudezernent Peter Kiefer zu Beginn der Veranstaltung ins Thema ein.
Eindrucksvoll zeichnete Kiefer anhand von Zitaten aus einer Rede den Geist der Zeit nach, in der das Rathaus geplant und gebaut wurde. „Per aspera ad astra: Mit diesem Seneca-Zitat schloss der damalige Oberbürgermeister Walter Sommer seine Rede zur Dokumentensteinlegung des neuen Lautrer Rathauses am 3. Juli 1964“, so Kiefer. Frei übersetzt bedeute das so viel wie: „Durch Mühsal gelangt man zu den Sternen“. Man habe, so zitierte Kiefer weiter Oberbürgermeister Sommer, nach dem Krieg einen harten und sehr steinigen Weg gehen müssen. Mit Stolz und Befriedigung könne man feststellen, dass die Periode des Wiederaufbaues der zu 70 Prozent zerstörten Stadt nahezu abgeschlossen sei. Man dürfe die Hoffnung hegen, dass sich die gute Aufwärtsentwicklung der Stadt fortsetze. Der Stadtrat sei wohlberaten gewesen, sich zu dieser Lösung – gemeint ist der Entwurf von Roland Ostertag – zu entschließen. Das neue Rathaus werde als höchster Profanbau der Stadt eine städtebauliche Dominante darstellen. Man wolle keinen Palast errichten, sondern einen schlichten Zweckbau, der der Mentalität der Bürgerschaft entspreche. Sachlich und ohne Prunk, aus Beton, mit dem Material unserer Zeit. Vergebens werde man Marmor suchen, der den Baustoff verberge. „Soweit Oberbürgermeister Sommer. Ich denke, aus diesen Auszügen wird klar, aus welchem Zeitgeist heraus das neue Rathaus entstanden ist“, so Kiefer. Planung und Bau fanden in einer Zeit statt, in der die demokratische Selbstverwaltung der Bürgerinnen und Bürger eine noch recht junge Angelegenheit war. „Dass sie es bauten und wie sie es bauten, war Ausdruck ihres wiedergewonnenen Selbstbewusstseins und ihres Selbstvertrauens, aber auch der damaligen Zeit“, erläuterte der Baudezernent. „Sie waren auf die Zukunft orientiert und errichteten deshalb ein repräsentatives und zugleich schlichtes und zweckmäßiges Gebäude.“ Dieses Vorhaben habe Roland Ostertag auf beeindruckende Art und Weise in die Tat umgesetzt. „Das Rathaus von Kaiserslautern gilt heute als sein architektonisches Hauptwerk, obwohl er zum Zeitpunkt des vom Stadtrat 1959 initiierten Wettbewerbs gerade 28 Jahre alt war und erst 1956 sein Studium abgeschlossen hatte.“
Der Baudezernent würdigte Ostertag mit einer Gedenkminute. „Es erfüllt uns alle mit großer Trauer, dass Roland Ostertag heute nicht bei uns sein kann. Keiner von uns, die wir uns heute hier versammelt haben, um sein Werk zu würdigen, ist in der Lage, das zu sagen, was er uns hätte sagen können.“
Der Architekt verstarb am 11. Mai dieses Jahres im Alter von 87 Jahren. Den 50. Geburtstag des Gebäudes, das heute als sein Hauptwerk bezeichnet wird, hat er damit um gerade sechs Monate verpasst.
In ihrem Festvortrag ging Roswitha Kaiser auf die Historie des Rathauses ein. Bis zur Fertigstellung des Neubaus im Jahre 1968 waren die Ämter der Stadtverwaltung Kaiserslautern auf 19 verschiedene Dienststellen innerhalb des Stadtgebiets verteilt, weswegen 1959 ein Wettbewerb für den Bau eines neuen Rathauses auf dem Areal des Burgberges ausgelobt wurde. Den Zuschlag durch das Preisgericht bekam zunächst ein anderer Entwurf, der Stadtrat überstimmte diesen jedoch und entschied sich im Sommer 1961 für den Entwurf von Roland Ostertag. Grundsteinlegung war am 3. Juli 1964, Richtfest am 16. September 1965. Am Tag der Einweihung am 29. November 1968 fanden eine feierliche Stadtratssitzung sowie ein Festakt in der Fruchthalle statt. Gemäß den Entwürfen von Roland Ostertag war das Rathaus nur ein kleiner Teil einer Umgestaltung des kompletten Areals zwischen Maxstraße, Burgstraße, Lauter-/Ludwigstraße und Martin-Luther-Straße. Diese wurden jedoch nie realisiert. ps

Autor:

Stephanie Walter aus Wochenblatt Landstuhl

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