Details aus der Pressekonferenz im Fall Graumann
Opfer im Notizbuch markiert

Pressekonferenz mit Oberstaatsanwalt Christian Schröder, dem leitenden Oberstaatsanwalt Dr. Udo Gehring, Kriminaldirektor Heiner Schmolzi und Kriminaldirektor Frank Gautsche
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Kaiserslautern. In der heutigen Pressekonferenz informierten Vertreter der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern und des Polizeipräsidiums Westpfalz über den aktuellen Stand der Ermittlungen im Fall Bernhard Graumann. Der Landschaftsgärtner aus Mehlingen steht im Verdacht, in der Nacht zum Freitag, 1. März, einen Arzt in Enkenbach-Alsenborn mit einer Sprengfalle tödlich verletzt zu haben. Am Sonntag, 3. März, wurden zwei weitere Menschen bei einer weiteren Explosion in Otterberg verletzt. Eine weitere Sprengfalle konnte infolge eines Warnhinweises durch die Polizei am Mittwoch, 6. März, in Fischbach (Kreis Kaiserslautern) gefunden werden. Bernhard Graumann selbst wurde am Freitag, 1. März, tot in seinem Wohnhaus aufgefunden.

von Frank Schäfer und Jens Vollmer

„Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen“, erläuterte der leitende Oberstaatsanwalt, Dr. Udo Gehring. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es noch weitere Sprengfallen gibt. Die Heimtücke der Taten sowie die Tatsache, dass der mutmaßliche Täter nicht mehr lebt, machten es notwendig, recht früh an die Öffentlichkeit zu gehen, um weitere pontenziell gefährdete Personen ausfindig zu machen“, so Gehring. Einen Warnhinweis mit Namensnennung zu veröffentlichen, gilt als außergewöhnliche und seltene Maßnahme.

Nach der Explosion in Otterberg, bei der eine 37-jährige Frau und ihre vierjährige Tochter verletzt wurden, wurde von der Zeugin erstmals Graumann als möglicher Tatverdächtiger genannt. Nicht zuletzt aufgrund des rücksichtslosen Verhaltens von Bernhard Graumann in der Vergangenheit bestand Gefahr für weitere Menschen, mit denen er in Konflikt stand.

Bei der Durchsuchung des Anwesens von Bernhard Graumann fanden Experten des Landeskriminalamts Waffenteile, Munition, darunter 60 Stahlkugeln und zwei Kilogramm Schwarzpulver, das der Landschaftsgärtner illegal besaß. Die Gegenstände werden derzeit noch kriminaltechnisch untersucht.

„Wie Zeugen berichteten, erzählte Bernhard Graumann in seinem privaten Umfeld, er leide an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Dies stellte sich als unwahr heraus“, berichtete Oberstaatsanwalt Christian Schröder. „Graumann war Diabetiker und spritzte sich selbst Insulin. Es wird vermutet, dass er an einer Überdosis Insulin starb. Demnach ist von Suizid auzugehen“, so Schröder. Vor seinem Tod gab Graumann ausgeliehene Sachen zurück und schenkte einem Freund seine teure Taucherausrüstung.

Laut Zeugenaussagen kündigte Graumann in der Vergangenheit an, dass er „den Arzt plattmachen“ würde. Unter Alkoholeinfluss habe er mal geäußert, dass er „den mitnehmen werde, wenn er selbst gehen wird“. „Der Streit mit dem Arzt lag allerdings mehr als zehn Jahre zurück“, berichtete Oberstaatsanwalt Dr. Udo Gehring. Wie die Untersuchungen ergaben, wurde für die Sprengfalle in Enkenbach-Alsenborn eine Handgranate benutzt.

Graumann war von August 1980 bis Juli 1981 bei der Polizei in Ausbildung, verließ die Polizei aber auf eigenen Wunsch wieder. Er hatte bereits 1985 versucht, sich selbst zu töten. 1989 wurde er zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, nachdem er mit einer illegal umgebauten Schreckschusswaffe im Streit auf den neuen Partner seiner Ex-Freundin schoss und diesen mit mehreren Hammerschlägen gegen den Kopf attackierte. 2011 wurde er zu 50 Tagessätzen verurteilt wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Damals hatte er an Silvester 2009/10 mit selbstgebauten Böllern das Nachbarhaus beschädigt. Bei einer Hausdurchsuchung wurden damals bereits zwei Kilogramm Schwarzpulver gefunden, die er illegal besaß.

Kriminaldirektor Frank Gautsche, Leiter der Sonderkommision, führte aus, dass die Soko ab Montag umfängliche Ermittlungen aufnahm, um den Todesfall in Enkenbach-Alsenborn, die Explosion in Otterberg sowie den Tod Graumanns aufzuklären. Dazu wurde im Umfeld Graumanns intensiv nach weiteren potentiell gefährdeten Personen gesucht. Der Täter sei zu Lebzeiten wie auch nach seinem Tod als enorm gefährlich einzustufen. Er habe mit einer sehr niedrigen Hemmschwelle rücksichtslos Gewalt gegen Menschen ausgeübt und dabei auch in Kauf genommen, dass Unbeteiligte, wie im Fall Otterberg die Kleinkinder, dabei zu Schaden kommen. Die Kenntnisse in Bezug auf Sprengstoff und Vorrichtungen seien professionell gewesen und in verschiedener Art und Weise zum Einsatz gekommen.
Insgesamt hatte die Polizei 169 Hinweise aus der Bevölkerung, davon 117 nach dem Presseaufruf, denen nachgegangen wurden. Infolgedessen wurden 109 Personen ermittelt, die potentiell gefährdet sein könnten. Da der Konflikt mit dem verstorbenen Arzt schon zehn Jahre zurücklag, wurde, um sicher zu gehen, auch Vorfälle aus der Vergangenheit in Augenschein genommen. Der älteste Streit datiert auf das Jahr 1981. 
Alle gefährdeten Personen wurden kontaktiert und besucht, bei insgesamt 30 Objekten wurden Sprengstoffsuchhunde eingesetzt, ein Röntgengerät der Mainzer Polizei kam 19 mal zum Einsatz. So konnte die Sprengfalle in einem Fischbacher Anwesen gefunden werden, ohne dass Personen zu Schaden kamen. Dabei handelte sich um einen perfekt getarnten Holzscheit, in dessen aufgebohrtem Innern Schwarzpulver versteckt wurde. Der Holzscheit wurde vor Ort kontrolliert gesprengt.
Zwar habe man keine weiteren Holzscheite gefunden, trotzdem sei von weiteren Gefahren auszugehen, da auch andere Tatmittel denkbar seien.
Den Opfern des Otterberger Sprengstoffanschlages gehe es den Umständen entsprechend gut, die 37-jährige Mutter sowie die vierjährige Tochter wurden in das Klinikum eingeliefert, konnten aber mittlerweile wieder entlassen werden.

Notizbuch mit Namen

Im Anwesen des Täters fanden die Beamten ein Notizbuch mit Namen, wovon sechs mit einem roten Kreuz als säumige Zahler markiert waren. Offensichtlich hatte Graumann besonders strittige Fälle vorgemerkt, um Rache zu üben. Im Fall des Otterberger Sprengstoffanschlages handelte es sich um einen Streit um eine Rechnung über 10.000 Euro, über deren Höhe gestritten wurde und man sich auf die Bezahlung der Hälfte einigte. Danach sei von Unbekannt ein Abflussrohr mit Zement zubetoniert wurden. Schon damals erfolgte die Anzeige der Geschädigten gegen Graumann. Dieser wurde damals vernommen, aber es gab keine Anhaltspunkte, ihm die Tat nachzuweisen.
Weitere Fälle der Sachbeschädigung wurden mittlerweile ebenfalls ermittelt und werden mutmaßlich Graumann zugeordnet, so sägte er in einem Garten kleine Bäume ab, zerkratzte ein Auto, goss Bauschaum in einen Auspuff oder verschmutzte den Vorgarten mit blauer Ölfarbe. Insgesamt seien laut Oberstaatsanwalt Dr. Udo Gehring vier Personen von Sachbeschädigungen betroffen.

Mit seiner Ehefrau bewohnte Graumann das Haus getrennt lebend, sie nutzte das Obergeschoss, so dass sie von dem, was ihr noch Ehemann plante, nichts mitbekommen konnte. Das Verhältnis zum Sohn bezeichnete Kriminaldirektor Heiner Schmolzi als „schwierig bis zerrüttet“. Schmolzi bestätigte, dass der Sohn Polizist sei und deshalb dieses Verhältnis intensiv durchleuchtet wurde – ohne weitere Erkenntnisse. Ein Bekennerschreiben oder Abschiedsbrief seien ebenfalls nicht vorhanden.

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